Wilde Tiere auf der Lyrikempfehlungsliste

Der Gedichtband Wilde Tiere von Krišjānis Zeļģis, in der Übersetzung von Adrian Kasnitz, steht auf der diesjährigen Lyrikempfehlungsliste der Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung (u.a.). Dort ist auch eine kurze Video-Lesung mit Krišjānis zu finden. Wir freuen uns sehr über diese Empfehlung!

Auf der Liste stehen 10 deutschsprachige und 10 übersetzte Gedichtbände, darunter auch die dänische Anthologie Licht überm Land mit einigen Gedicht-Übernahmen aus unserer Anthologie Hier habt ihr mich (hg. von Ursel Allenstein und Marlene Hastenplug) und einem Titel, an dem die Übersetzerin Gundula Schiffer mitgearbeitet hat. Das freut uns umso mehr!

Wilde Tiere

Das Lineare ist der Selbstbetrug

„‚mir sind Freizeit wichtig und Nichtstun / Freizeit und Nichtstun sind mir wichtig‘. Es gehört wohl zu den störenden und ungewollten politischen Einsichten, dass Nichtstun für die Umwelt, in der die wilden Tiere massenhaft aussterben, ökologisch sinnvoller ist als die meisten Formen menschlicher Betriebsamkeit. Die verdrängte Paradoxie, dass Wohlstand produzierender Fleiß und Arbeitseifer zuletzt auch der Menschheit das Grab schaufeln werden, ist in Zeļģis‘ Zeilen wirksam. In seinem ersten Eintrag appelliert er: ‚du solltest nicht in Linien denken / es gibt keinen echten Anfang / kein echtes Ende‚. Das Lineare ist der Selbstbetrug. Die abgerundete, abgeschlossene Form, womöglich mit Happy End die Wunschvorstellung einer fiktionalen Welt. Zelgis bleibt beim Disparaten und Ungereimten der Wirklichkeit und ist daher deutlich realistischer. Die Dialektik der gegensätzlichen Empfindungen, die das wahrgenommene Chaos auslöst, ist die Einheit, die seine Texte zusammenhält“, schreibt Udo Bongartz über Wilde Tiere von Krišjānis Zeļģis. Den ganzen Beitrag kann man in der Lettischen Presseschau nachlesen. 

Lakonische Bestandsaufnahme

Den Gedichtband Wilde Tiere von Krišjānis Zeļģis stellt Tomas Fitzel bei RBB Kultur vor und bescheinigt den Texten, direkt und unverstellt zu sein. „Ich begriff, dass ich an gar nichts mehr glaubte.“ Auch die Landschaft, leer wie ein sauber geleckter Teller, bietet keinen Halt. Doch weckt sie Erinnerungen: Semgallen, Masuren, Bobrowskis Sarmatien. Den ganzen Beitrag mit vielen Textbeispielen kann man hier nachhören.

Es knistert und raschelt

„Diesem Lyriker gelingt es in phantastischer Weise unsichtbare Bewegungen, die über das Erfahrbare hinausgehen, transparent zu machen, damit sie in unserer Phantasie aufleuchten können. Für mich ist das ein ganz wichtiger Anspruch, den ich an gute Lyrik stelle. In grandioser Weise wird Krišjānis Zeļģis diesem Anspruch gerecht. Es knistert und raschelt in seinen Gedichten, es tobt und jongliert, hinter, über und unter den Zeilen“, schreibt Kerstin Fischer über Wilde Tiere von Krišjānis Zeļģis auf ihrem Lyrikblog Lyrikatelier Fischerhaus.

Und weiter: „Der Dichter und Schriftsteller Adrian Kasnitz hat aus dem Lettischen ins Deutsche übertragen. Man muss des Lettischen nicht mächtig sein, um zu erspüren, dass hier eine sehr feine, einfühlsame Übersetzung vorliegt.“

Exzellente Gedichte aus dem dämmrigen Lettland

„Es sind traurige Gedichte, die von Einsamkeit und Entfremdung künden, aber gleichzeitig und oft grotesk-komisch sind. Das gelingt Zeļģis auch durch seine wunderbar lakonischen Darstellungen der Menschen, mit denen er es zu tun hat“, schreibt Matthias Ehlers in seiner Besprechung von Krišjānis Zeļģis‘ Gedichtband bei WDR5 Bücher, wo auch das Gedicht Ich habe auf den Wal gewartet ausgestrahlt wurde. „Wilde Tiere birgt eine großartige Sammlung exzellenter Gedichte, die jedes für sich eine kleine, einzigartige Geschichte aus dem dämmrigen Lettland des Krišjānis Zeļģis erzählen. Diesen Band sollte man jederzeit zur Hand haben – auch wenn man wissen will, wie man wilden Tieren hierzulande poetisch begegnet. Ganz feine Lyrik!“

Freizeit und Nichtstun sind mir wichtig

„Die Wildheit der Gedichte des 1985 geborenen Krišjānis Zeļģis, der nach allerhand Berufs- und Auslandserfahrungen inzwischen als Bierbrauer in Riga lebt, ist vielleicht ihrem scharfen, unparteiischen Blick geschuldet. Menschen haben Probleme, werden aus ihren Wohnungen geworfen, der Strom ist abgestellt, und das Eisfach taut auf: ‚mir ist kalt / kauf Suppe / Schatz‘. Menschen schnorren sich durch WGs, stehlen Essen, klauen Geld, „und die Fischschuppen in meinem Portemonnaie stehen für Wohlstand“. In einem Text verfolgt das lyrische Ich in einem Zug die Diebin seiner Schuhe und schlägt sie: ‚das Blut tropft aus ihrer Nase auf ihren Rock / Entschuldigung sage ich‘, nur um anschließend festzustellen, dass ihm inzwischen sämtliche Fischkonserven geklaut worden sind: ’niemand hat was gesehen / niemand / hat was gesehen‘.

Man hört diese Worte förmlich ausgesprochen, lakonisch, doch mit unterdrückter Wut, sie zwingen die Leser zu einer Positionierung. Zeļģis setzt Wiederholungen geschickt ein, ihre Rhetorik, der ständige Dialog, ist eine Stärke der Gedichte: ‚mir ist Freizeit wichtig und Nichtstun / Freizeit und Nichtstun sind mir wichtig'“, schreibt Patrick Wilden über Wilde Tiere bei Fixpoetry.

Und weiter: „Wer die lakonischen, von einer spannungsreichen Menschlichkeit durchzogenen Texte von Adrian Kasnitz kennt, der seine ersten Lebensjahre an der Ostsee nicht weit von Zeļģis’ Heimat verbracht hat, erkennt bald, daß Autor und Nachdichter im Band Wilde Tiere schier idealtypisch zusammengefunden haben“.

Festival-Bücherpaket ELK 2020

Wer das 2. Europäisches Literaturfestival in Köln-Kalk verpasst hat oder alle Texte noch einmal nachlesen möchte, dem sei das Festival-Bücherpaket empfohlen. Darin enthalten sind Abecedar von Pablo Jofré, was sollen wir mit all der schönheit? von Rasmus Nikolajsen, Wellenlängen deines Liedes von Eleonore Schönmaier, Wilde Tiere von Krišjānis Zeļģis, die Anthologie Was es bedeuten soll mit Texten von Zahava Khalfa, In Frauenkleidung von Zoltán Lesi (erschienen bei mosaik), die neuste Ausgabe der KLiteratur mit Texten von Željana Vukanac, das Kalk Alphabet und der Festival-Reader mit Autorenportraits und Texten aller Autor*innen (inkl. Margarita Athanasiou). Das Paket gibt es zum Preis von 85,- € (Lieferung in D frei haus) und kann nur hier in unserem Buchladen bestellt werden.

Vorfreude-Bücherpaket

Ihr könnt auch vor Hitze nicht mehr denken und wünscht euch schon den September herbei? Und freut euch bereits auf unser Europäisches Literaturfestival in Köln? Zur Abkühlung liefern wir zwar kein Eis, aber das Vorfreude-Bücherpaket mit den vier bislang erschienenen Büchern zum Festival (Ende August werden es mehr). Es sind Bücher von Pablo Jofré, Rasmus Nikolajsen und Krišjānis Zeļģis sowie die Anthologie Was es bedeuten soll mit Texten von Zahava Khalfa. Zusammen für 48,- €. Dazu legen wir eine parasitäre Tasche. Bestellung im Online-Shop.

CA51402E-CBFD-432C-8DF8-997159FF7434