Schön habt ihrs hier. Neue Prosa aus Dänemark

„Erzählungen sind wie ein steinhartes Stück Schokolade. Ein mit Handlung gesättigtes Konzentrat, das uns nicht zuletzt aufgrund seiner Kürze daran erinnert, dass alles im Leben Bedeutung hat.“

Dieses Zitat der dänischen Autorin Ida Jessen trifft den Kern dessen, was diese Gattung auszeichnet. Erzählungen öffnen Türen zu neuen Räumen und gewähren kurze Einblicke in die Welten der Protagonistinnen und Protagonisten. Im Vergleich zum Roman werden die Bilder jedoch mit weniger Strichen gezeichnet, die Räume mit weniger Möbeln gefüllt, und nach der Lektüre hat man häufig das Gefühl, die Geschichten wären noch nicht beendet. Das Ungesagte, Rätselhafte und Offene arbeitet in unseren Gedanken genauso weiter wie die pointiert geschilderten Situationen mit ihren Details und Dialogen.

All diesen Qualitäten zum Trotz fristet die Erzählung auf dem Buchmarkt ein eher stiefmütterliches Dasein. So gehört es zu den Ausnahmen, dass kurze Prosatexte aus Dänemark auf Deutsch erscheinen. Dies haben wir zum Anlass genommen, in Schön habt ihrs hier eine Auswahl der besten dänischen Erzählungen der letzten zehn Jahre ins Deutsche zu übersetzen und herauszugeben.

Mit Texten von Adda Djørup, Nanna Goul, Lone Hørslev, Peder Frederik Jensen, Ida Jessen, Pia Juul, Mads Kastrup, Thomas Korsgaard, Caroline Albertine Minor und Ditte Steensballe. Übersetzt von Thomas Altefrohne, Justus Carl, Randi Drümmer, Sarah Fengler, Isabella Gennrich, Rebecca Jakobi, Daniel Kreß, Lea Merz, Anne Wachendörfer und André Wilkening.

Schön habt ihrs hier. Neue Prosa aus Dänemark, hg. v. Marlene Hastenplug, 134 S., Preis: 15,- € – ist ab sofort lieferbar

Wo das Dunkle zum fluoreszierenden Regenbogen wird

„Nicht nur die starken Bilder sind es, die sich in die Erinnerung einprägen werden, sondern auch Augenblicke der Leseerfahrung, die gar nicht so leicht beschrieben werden können, dennoch einer jeden konzentrierten Leserin bekannt sein müssen“, schreibt Verena Stauffer in einem ausführlichen Kommentar zu Schwarz auf weiß von Lidija Dimkovska in der aktuellen Ausgabe von Der Hammer. Die Zeitung der Alten Schmiede (111/2020).

Und weiter: „Es ist das, was Sprache auch zu Kunst macht, es sind Verse, in welchen die Sprache nicht mehr nur als Handwerk fungiert, das zur Artikulation und Verständigung dient, sondern durch welche sie gleichsam ins Bewusstsein eintritt, um dort einen Moment der Erhellung, der Klarheit, der Erweiterung zu erzeugen. Es ist dort, wo das Dunkle im Selbst plötzlich zum fluoreszierenden Regenbogen wird. Jenes Zimmer im Körper, dessen Tür keiner kennt, die nur durch Dichtung geöffnet werden kann, dann aber schwingen auch alle Fensterflügel auf und sprühende, spritzende Farben flitzen durch die inneren Gänge und Säle.

Es ist damit auch die Erhellung von Vorbewusstem gemeint, von noch nicht Gedachtem, aber Gefühltem, das mit einem Mal durch die Verse zu etwas wird, das tatsächlich existiert.

Das Zimmer im Haus des Bewusstseins mag bei der Lektüre von Schwarz auf weiß mehrmals seine Türen öffnen. Für Augenblicke wird es so groß, dass es über die Leserin hinausgeht und sie sich in ihm ver- liert, wenn sie es zulässt.“ Der ganze Text ist hier nachzulesen.