Sprache und Bild im Museum

„Hier offenbart Nischkauer auf anschauliche Weise diesen spezifischen Mehrwert des Interdisziplinären im künstlerischen Arbeiten an sich“, schreibt Marcus Neuert bei Fixpoetry über die Museumsgedichte in Satyr mit Thunfisch von Astrid Nischkauer. „In ihren Gedichten spiegelt sich nicht einfach ein kongenialer innerer Bezug zum bildnerischen Kunstwerk (auch das allein wäre ja schon geeignet, reizvolle und zur Reflexion anregende Rezeptionsmomente zu schaffen), sondern eine ganz enge Verschränkung der beiden unabhängigen Produktionsebenen. Dass sich im konkreten Fall, ausgehend vom bereits vorhandenen Dinglich-Bildnerischen, nur die Sprache eben darauf beziehen kann und nicht unmittelbar umgekehrt sich bildnerisches Schaffen an Sprache orientiert, kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich dadurch trotzdem auch das Bild verändert – nämlich durch die individuelle Sichtweise darauf, die ohne das Gedicht eine andere wäre – oder zumindest sein könnte.“

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Hinausrudern aufs Sprach-Meer

„Die Dialektik dieser Poesie besteht darin, gerade die Beschlagenheit der Fensterscheibe zu suchen, um dahinter die Landschaft umso deutlicher aufleuchten zu lassen“, schreibt Guy Helminger im Luxemburger Tageblatt über Oben das Meer unten der Himmel von Enrique Winter. Und weiter: „Zugleich zeigen sich die Verse von üppiger Bildlichkeit, dass man ganze Nächte mit ihnen verbringen möchte, gar nicht anders kann, als mit ihnen hinaus zu rudern auf dieses Sprach-Meer voller Seegras und Strophen.“
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Walter Fabian Schmid: stimmapparatvibrato

In unserer Reihe Die nummernlosen Bücher erscheint nun der Gedichtband stimmapparatvibrato als Debüt von Walter Fabian Schmid. „Wenn alles zerstäubt, lässt sich nur mehr ausm flügel hecheln. Die gängige Sprache taugt nicht zum Flug. Notwehrsituation. Da braucht es erstmal ein Kauwerkzeug als Startup und Waffe, die sich aber, zweischneidig, auch gegen sich selbst richtet. Was passiert und was entsteht, wenn sich der Dichter dem Begriffehagel aussetzt? Wie wird Ordnung geschaffen?“ schreibt Markus Hallinger über Schmids Gedichte. Die Graphikerin Stefanie Klähne hat ihnen für dieses Buch eine Form gegeben.

Walter Fabian Schmid: stimmapparatvibrato. Gedichte, 58 S., Preis: 10,- € – ist ab sofort bestellbar

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Walter Fabian Schmid, geboren 1983 in Regen, heimatberechtigt in Appenzell, lebt in Bern. Studierte Diplom-Germanistik in Bamberg, arbeitete als Redaktor, Literaturvermittler und Texter. Hat veröffentlicht und war nominiert.

Bernd Lüttgerding: Stäubungen

Mit Stäubungen, dem 39. Band unserer Lyrikreihe, stellen wir den Dichter Bernd Lüttgerding vor. Lüttgerding bewegt sich in seinen Texten zwischen dem „verkommenen Dorf“ und der Großstadt, sondiert und inspiziert mit sprachlichen Mitteln das Terrain, sowohl das existierende als auch das imaginierte. Manchmal sind seine Texte knapp, manchmal üppige Langgedichte, aus denen Sprache und Welt hervorquellen.

Bernd Lüttgerding: Stäubungen. Gedichte, 14 Seiten, Preis 6,- € (Lyrikreihe Bd. 039) – erscheint heute!

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Bernd Lüttgerding, geboren 1973 in Peine, lebt seit 2008 in Belgien (Brüssel, Antwerpen). Nach ausschweifenden geisteswissenschaftlichen Studien arbeitete er als Gärtner, im antiquarischen Buchhandel, Skriptschreiber für TV-Produktionen und – zur Zeit – als Techniker in einem Museum. Einige seiner Gedichte wurden in Zeitschriften publiziert, zuletzt in Abwärts, in Sachen mit Woertern und On peut se permettre (Brüssel). Derzeit schreibt er an seinem zweiten Roman.

Fluoreszierende Bojen

„Die ungarische Dichterin Kinga Tóth (…) ist eine Alchemistin der Wörter. Wie Alfred Döblin in seinem Prosakoloss Berge Meere und Giganten verschmilzt sie in ihren Gedichten Fragmente von menschlichen und künstlichen Stoffen zu neuen Figuren“, schreibt Nico Bleutge in der Stuttgarter Zeitung (4.8.17). Und weiter: „Man fragt sich mit den Gedichten: ‚was ist ihre materie‘? Ganz gewiss die Sprache. Eine Sprache, die Tóth in Schaufenstern, in Lexika, ja, noch im unscheinbarsten Beipackzettel findet. So entstehen Gedichte, die an jene ‚fluoreszierenden bojen‘ erinnern, von denen einmal die Rede ist, poetische ’neonstangen‘ aus Schwingung und Klang.“
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Bastian Schneider: Irgendwo, jemand

Aus zwei Zyklen besteht Irgendwo, jemand, der erste Lyrik-Einzeltitel von Bastian Schneider. Die Gedichte nähern sich dem großen Thema dieser Tage, Wochen, Jahre – Flucht und Migration, und wie wir uns hier dazu verhalten, wie wir darüber reden und was wir tun, oder eben nicht. Die Texte sind der Versuch, eine Sprache zu finden angesichts einer globalen Herausforderung, der man bisher nur unzureichend gerecht geworden ist.

An einer Hauswand steht // Zugvögel raus / irgendwo sind Menschen auf der Fahrbahn / das Mittelmeer ist eines der kleinsten Weltmeere / jemand spricht von sicheren Staaten / Menschen und Zugvögel kann man verwechseln, manchmal (…)

Bastian Schneider: Irgendwo, jemand. Gedichte, 14 S., 6,- € (Lyrikreihe Bd. 38) – ab heute lieferbar

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Bastian Schneider, 1981 in Siegen geboren. Studium der Psychologie sowie der deutschen und französischen Literatur in Marburg und Paris. Studium der Sprachkunst in Wien. Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln (2016). Vom Winterschlaf der Zugvögel (Sonderzahl 2016). Lebt in Köln und Wien.

Lingo der Planschmuffen

„Wir bauen eine Stadt ist ein forderndes Gemisch aus technifizierter Sprache, beobachtend wiedergegeben, voller Abkürzungen, Gebrauchsanleitungen und Baustellenprotokollen, wie ein Sprachdiebstahl aus einer lingo der Betonrüttler und Planschmuffen zusammenkomponiert und vorgeblendet, einerseits, und menschlichen Handlungen innerhalb der Konturen dieser Welt andererseits, wie Erinnerungen, Bewegungen mit Fährten und Spuren unsichtbarer Gefühle. Konsequent durchgebildet, schlicht: eine Form des konzeptuellen Dichtens, vielleicht ein Konzeptalbum“, so lautet das Fazit über den Gedichtband von Kinga Tóth, das Jonis Hartmann für Fixpoetry zieht. In ganzer Länge ist es hier nachzulesen.

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