Thomas Podhostnik: Frame

Im Zentrum von Frame steht ein junger Kameramann, den die eingefangenen Bilder einer Unglücksnacht nicht mehr loslassen. Es ist eine Art innerer Bilderwald, in dem er nach Orientierung und einem Ausweg sucht. Aufnahmen werden zu Erinnerungen und umgekehrt. Blicke und Gegenblicke bestimmen die Motiv- und Gedankenwelt. Totes und Lebendes stehen sich gleichermaßen als Subjekt und Objekt gegenüber und beobachten einander. Die Szenen führen den Kameramann immer wieder auch zu Erinnerungsbildern aus seiner Kindheit und seiner Jugend. Verhandelt werden in dem neuen Mikro-Roman von Thomas Podhostnik auch soziale Fragen und Geschlechterverhältnisse: Wem gehören die Bilder, wem gehört die Kamera, wem gehören die Motive? Welche Erniedrigung erfährt das Motiv durch den Blick des Kameramanns und wie sehr erniedrigt sich der Kameramann beim Blick durch den Sucher? Unter welchen Konditionen veräußert der Kameramann sein Auge? Nicht nur die Rolle des Kameramanns erscheint zunehmend fragwürdig, auch der Mensch als bestimmendes Subjekt hinter der Kamera. 

Im Sommer 2022 jährt sich das Flugzeugunglück von Überlingen, bei dem eine russische Passagier- und eine deutsche Frachtmaschine kollidierten. Im Juli 2002 war der Autor Teil eines Kamerateams und musste in der Nacht zur Absturzstelle eines Flugzeugunglücks. Auf der Fahrt dorthin wusste er noch nicht, dass es sich dabei um den folgenschwersten Flugunfall in der Geschichte der Bundesrepublik gehandelt hat.

Thomas Podhostnik liest am 9.9. in Köln (Paratexte, Traumathek), am 13.10. in Berlin (Volksbühne), am 20.10. in Leipzig (Westflügel), am 21.10. in Frankfurt (Parasites‘ Night, Hotel Lindley) und am 6.11. in Dresden (Hole of Fame).

Thomas Podhostnik: Frame. Mikro-Roman, 94 Seiten, Preis: 12,- € (paradosis Bd. 17) – ab sofort lieferbar

Thomas Podhostnik wurde 1972 in Radolfzell am Bodensee als Sohn jugoslawischer Gastarbeiter geboren. Er machte eine Lehre zum Speditionskaufmann, dann eine Ausbildung zum Regieassistenten am Teatro Nacional de Cuba. Er studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig.

Thomas Podhostnik verfasst Prosa und experimentelle Prosa, die in Einzeltiteln, Anthologien und Literaturzeit- schriften veröffentlicht wurden. Er lebt in Leipzig. In der parasitenpresse erschienen zuletzt von ihm der Prosaband Unter Steinen (2020) und die Übersetzung ins Russische Под камнями (2021).

Europäisches Literaturfestival Köln-Kalk – Programm ist online!

Das Programm unseres mehrsprachigen Europäischen Literaturfestivals in Köln-Kalk ist nun online. Am 3. September eröffnen wir das Festival in einer großen Lesung mit Gisela Casimiro (Lissabon/Guinea-Bissau), Lütfiye Güzel (Duisburg), Luis Luna (Spanien), Mati Shemoelof (Berlin/Israel), Andreea Simionel (Italien) und Xoşewîst (Leipzig/Syrien), Moderation: Adrian Kasnitz. Am Samstag (4.9.) und Sonntag (5.9.) finden weitere Lesungen aller Autor*innen des Eröffnungsabends statt und es stellen sich die Literaturzeitschriften Das Narr, KLiteratur, P.S. – Politisch Schreiben und Trimaran vor. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit ehemaligen ELK-Gästen nämlich mit Alexander Estis (Köln/Schweiz), Zoltán Lesi (Wien/Ungarn), Arvis Viguls (Lettland) und Krišjānis Zeļģis (Lettland).

Alexander Estis: Handwörterbuch der russischen Seele

Was ist der Unterschied zwischen Babuschka und Matrjoschka? Warum gibt es nur in Russland richtige Birken? Wo gelangt man hin, wenn man mit der Transsibirischen Eisenbahn fährt? Warum hat die Balalaika nur drei Saiten? Worin besteht die Aufgabe des FSB? Welcher Kaviar schmeckt besser – roter oder schwarzer? Warum ist Putin fast wie Puschkin? Und vor allem: Weshalb ist die russische Seele so breit? Wer sich diese und ähnliche Fragen schon einmal gestellt hat, wird im Handwörterbuch der russischen Seele von Alexander Estis fündig werden – aber keine Antworten erhalten.

Alexander Estis: Handwörterbuch der russischen Seele, 72 Seiten, Preis: 12,- € (paradosis Bd. 16) – ab sofort lieferbar

Alexander Estis, diensthabender Kaminer der Stereotypmaschinerie. In der Schweiz ein Deutscher, in Deutschland ein Russe, in Rußland ein Jude. Zentaurischer Hybrid aus sowjetischem Säuferpoeten und ostpreußischem Altphilologen. Arbeitet in literarischen Miniaturformen, die für das Auge des großen Publikums zu klein sind. Bekanntheit erlangte er immerhin dafür, daß er keinen einzigen Roman verfaßt hat. Seine Bescheidenheit verbietet es ihm, die zahlreichen Auszeichnungen und Stipendien zu erwähnen, die er beinah erhalten hätte.

Unerhörte Verästelungen

„Die Vielschichtigkeit lädt ein zu wiederholter Lektüre, zur Freude daran, sich hineinnehmen zu lassen in unerhörte Laut- und Sachverästelungen oder ungewohnte grafische Gliederungen. Es wird gehüpft und die schsch bra-brach-e zerteilt, es wird oft an- und hintergefragt und laut gerufen“, schreibt Vera Schindler-Wunderlich in einer Besprechung von Karin Fellners eins: zum andern in der Schweizer Literaturzeitschrift Orte. Und weiter: „vielmehr zeigt die Dichterin, wie viele verrückte Ordnungs-Spiel-Möglichkeiten die Welt hat und wie diese zusammengebracht werden können“.

Die ganze Besprechung ist hier nachzulesen: Orte_Schindler_Okt.2019.

Cover Fellner eins

 

Walter Fabian Schmid: stimmapparatvibrato

In unserer Reihe Die nummernlosen Bücher erscheint nun der Gedichtband stimmapparatvibrato als Debüt von Walter Fabian Schmid. „Wenn alles zerstäubt, lässt sich nur mehr ausm flügel hecheln. Die gängige Sprache taugt nicht zum Flug. Notwehrsituation. Da braucht es erstmal ein Kauwerkzeug als Startup und Waffe, die sich aber, zweischneidig, auch gegen sich selbst richtet. Was passiert und was entsteht, wenn sich der Dichter dem Begriffehagel aussetzt? Wie wird Ordnung geschaffen?“ schreibt Markus Hallinger über Schmids Gedichte. Die Graphikerin Stefanie Klähne hat ihnen für dieses Buch eine Form gegeben.

Walter Fabian Schmid: stimmapparatvibrato. Gedichte, 58 S., Preis: 10,- € – ist ab sofort bestellbar

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Walter Fabian Schmid, geboren 1983 in Regen, heimatberechtigt in Appenzell, lebt in Bern. Studierte Diplom-Germanistik in Bamberg, arbeitete als Redaktor, Literaturvermittler und Texter. Hat veröffentlicht und war nominiert.

Was wir 2018 vorhaben

Das Jahr 2017 ging für uns mit den beiden Lyrikanthologien aus Griechenland und Dänemark zuende. 2018 starten wir mit einem Relauch unserer paradosis-Reihe, die ja immer für überraschende Textformen offen war, und zwar mit Prosa von Luise Boege (siehe Coverabbildung, Artwork von Mirjam Elburn, erscheint Ende Januar). Neben der Fortsetzung des Kalendariums von Adrian Kasnitz mit dem 4. Teilband, rückt mit Walter Fabian Schmids Debütband auch die Schweiz in unseren Fokus, die bislang unter den deutschsprachigen Ländern fehlte. Überhaupt wird 2018 wieder sehr international. Die erste Jahreshälfte ist südamerikanisch geprägt. Zum einen bringen wir ein Fotobuch mit Straßen-Aufnahmen aus Chile von Manuel Araneda heraus, den wir vor einem Jahr in Santiago kennengelernt haben, gefolgt von Gedichten von Enrique Winter (Chile) und Rafael Cadenas (Venezuela). Neue Gedichtbände aus Belgien, Lettland, Mazedonien und Österreich sind für die späteren Monate des Jahres geplant. Aber auch die hiesige Szene wird natürlich nicht vergessen.

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Walter Fabian Schmid hat einen Film über uns gedreht. Gespräche mit den Autor*innen Kathrin Bach, Mario Osterland und Jan Skudlarek und dem Verleger Adrian Kasnitz sowie gespielte Szenen von Kathrin Bach, Walter Fabian Schmid und Fabian Thomas zeigen wichtige Stationen des Verlages von der Geburt der Idee aus der Absage heraus bis heute. Filmidee und Realistation: Walter Fabian Schmid (Schweiz/Deutschland 2017).

Zwischen Bibel und Punk

„Menno Wigman vermischt Zeitkritisches mit Eruptivem, ja Explosivem und bringt scheinbar Unvereinbares zusammen: ein Bibelzitat und der Fuck-Ausspruch des Sex-Pistols-Sängers Johnny Rotten, die eigene Hölle und die gemeinschaftliche Warteschlange im Supermarkt. Durch diese Montagetechnik erzeugt der Lyriker Wigman starke Bilder, ohne sich allzu vieler Metaphern bedienen zu müssen“, schreibt Karin Unkrig über die Gedichte aus Im Sommer stinken alle Städte für das schweizerische Magazin Kultur-Tipp.

Wigman Coveransicht

Sonderedition: Das Lachen der Hühner

Der Gedichtband Das Lachen der Hühner mit Liechtenstein-Sonetten von Stan Lafleur erscheint nun als durchgesehene, nummerierte und signierte Sonderausgabe. Für den Band fertigte Helena Becker neue Papierschnitte an, die explizit auf die Texte Bezug nehmen – während sie in der ersten Ausgabe noch lose die Gemeinden Liechtensteins darstellten. Rainer Stöckli, Herausgeber und Rezensent schöner Literatur, hat dazu Geleitsätze verfasst, die dem Band als Beiblatt beigegeben sind.

Stan Lafleur / Helena Becker: Das Lachen der Hühner. Liechtenstein-Sonette und Papierschnitte mit Geleitsätzen von Rainer Stöckli. Durchgesehene, signierte und nummerierte Sonderausgabe (Limit: 60 Ex.), 24 Seiten + Beiblatt, Preis: 15,- €  – jetzt in unserem Buchladen erhältlich

Das Lachen der Hühner