Flöz mit Rissen

„In [dem] Feld der geologisch interessierten und auch an ‚Grum‘, ‚Gemäuer‘, ‚Flöz‘,, ‚Schichtmomenten‘ und der ‚Agenda des Rands‘ sich konturierenden Poesie bewegt sich auch der in Dortmund lebende Dichter Arnold Maxwill. Seine Poesie ist nicht an der Ausstellung von Aggregatzuständen eines empfindsamen poetischen Subjekts interessiert, sondern an der Formung einer Gelände-Textur. Seinen Debütband Raumsch hat Maxwill als ein sprachliches Feld von äußerster Verdichtung und schroffster Fügung angelegt“, schreibt Michael Braun in einer ausführlichen Besprechung im Signaturen-Magazin über den Band. „Im ersten Gedicht des Zyklus »Großmarkthalle« wird die strenge Methodik Maxwills besonders deutlich: Seine auf die Erfassung von Naturstoffen, geographischen Objekten, Raumverhältnissen und Flächen-Strukturen konzentrierte Dichtung tastet die Konturen des Gebäudes ab, dessen architektonische Schönheit selbst die Farbe als ein ästhetisches Kraftfeld zur Geltung bringt. Maxwills Gedicht evoziert nur die Linienführung, die Abstände zwischen den Raum-Elementen, die Strukturen des Objekts, die Lichtverhältnisse. Dabei bedient sie sich gerne seltener Vokabeln für die materiellen Eigenschaften und die Eigendynamik der Objekte. Ganz nebenbei entsteht ab der Hälfte des Gedichts ein Klangraum aus Umlauten (’spüren‘, ‚knüstern‘, ‚bröckelnd‘, ‚Rück-stand‘, ‚Schwäre‘), von Lauten also, die, wie die Sprachforscher glauben, bald aus der deutschen Sprache verschwunden sind: ‚…bröckelndes Licht in Fäden: / die Neige verschwingt sich; Rück-/ stand, Schwäre. passgenau Leere'“.

Cover Maxwill

Arnold Maxwill: Raumsch

Was liegt auf der Hand, vor aller Aug? Raumsch. Diverse Qualitäten. Prägung der Flächen, Einübung von Gesten. Umnutzungen, im inneren und äußeren Gelände. Entsprechend ändert sich der Gebrauch aller Register. Ändert er sich? Blick in wirkliche Struktur: Begebenheiten, die stark verschliffen sind. Auftritt: wummerndes Wahrnehmungsdepot. Frei kreiseln, in dieser Irritation. Sickernder Bruch. Prekäre Bahn von fremder Nähe und Imitation. Bildbrösel, ohnehin. – Arnold Maxwill versammelt in seinem Debütband Fernbelichtungen und Brühwürfel; Phänomene von Abwesenheit, die sich munter zwischen Wöll und Schleifraum tummeln.

Den Band präsentiert Arnold Maxwill am 9. Dezember im Literaturklub Köln und am 22. Dezember im Literaturhaus Dortmund.

Arnold Maxwill: Raumsch. Gedichte, 96 Seiten, Preis: 12,- € – ist ab sofort lieferbar

Cover Maxwill

Arnold Maxwill, geb. 1984 am Niederrhein, lebt und arbeitet in Dortmund. Studium der Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte. Für seine Gedichte erhielt er u.a. den GWK-Förderpreis für Literatur, Feldkircher Lyrikpreis, Lyrikpreis München.