Freizeit und Nichtstun sind mir wichtig

„Die Wildheit der Gedichte des 1985 geborenen Krišjānis Zeļģis, der nach allerhand Berufs- und Auslandserfahrungen inzwischen als Bierbrauer in Riga lebt, ist vielleicht ihrem scharfen, unparteiischen Blick geschuldet. Menschen haben Probleme, werden aus ihren Wohnungen geworfen, der Strom ist abgestellt, und das Eisfach taut auf: ‚mir ist kalt / kauf Suppe / Schatz‘. Menschen schnorren sich durch WGs, stehlen Essen, klauen Geld, „und die Fischschuppen in meinem Portemonnaie stehen für Wohlstand“. In einem Text verfolgt das lyrische Ich in einem Zug die Diebin seiner Schuhe und schlägt sie: ‚das Blut tropft aus ihrer Nase auf ihren Rock / Entschuldigung sage ich‘, nur um anschließend festzustellen, dass ihm inzwischen sämtliche Fischkonserven geklaut worden sind: ’niemand hat was gesehen / niemand / hat was gesehen‘.

Man hört diese Worte förmlich ausgesprochen, lakonisch, doch mit unterdrückter Wut, sie zwingen die Leser zu einer Positionierung. Zeļģis setzt Wiederholungen geschickt ein, ihre Rhetorik, der ständige Dialog, ist eine Stärke der Gedichte: ‚mir ist Freizeit wichtig und Nichtstun / Freizeit und Nichtstun sind mir wichtig'“, schreibt Patrick Wilden über Wilde Tiere bei Fixpoetry.

Und weiter: „Wer die lakonischen, von einer spannungsreichen Menschlichkeit durchzogenen Texte von Adrian Kasnitz kennt, der seine ersten Lebensjahre an der Ostsee nicht weit von Zeļģis’ Heimat verbracht hat, erkennt bald, daß Autor und Nachdichter im Band Wilde Tiere schier idealtypisch zusammengefunden haben“.

Durchgeknallt, in diesem Land

„‚Ich glaube, ich bin, / hier, in diesem Land, durchgeknallt‘ – diese Sentenz von Admiel Kosman, dem ältesten Autor der Sammlung (* 1957), ist durchaus wörtlich zu verstehen. Was es bedeuten soll ist schon deshalb ein lesenswertes Buch, weil die Gedichte, oft aus sprachlichen Mischformen entstanden, bislang auch im Original noch unveröffentlicht sind – als Anregung und Einladung, eine jahrhundertealte Tradition zurückkehren zu sehen, als „neue hebräische Dichtung in Deutschland“, schreibt Patrick Wilden in einer Besprechung unserer hebräischen Anthologie bei Fixpoetry.

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Dieses Buch ist ein Zwitter

„Was ist das für ein Buch und was hat es mit seinem eigentümlichen Titel auf sich? final image, der neue […] Band des Erfurter Dichters Mario Osterland, kommentiert, lyrisch einfühlsam, letzte Bilder von Persönlichkeiten der Pop-Kultur. Ist es also ein Gedichtband, zu dem der Geraer Künstler Alexander Neugebauer Tuschezeichnungen nach Fotografien etwa von Franz Kafka, Marlene Dietrich oder Kurt Cobain beigesteuert hat? Oder ist es eher ein Katalog mit poetischem Begleittext zur aktuellen Ausstellung in der Jenaer Villa Rosenthal?“, fragt Patrick Wilden in einer Besprechung des Bandes bei Fixpoetry. „‚Ein Album‘ lautet der Untertitel des schmalen Bändchens, und so lässt sich immerhin sagen: dieses Buch ist ein Zwitter – und zugleich ein Gang durch 170 Jahre Fotografiegeschichte.“

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Anthologie: Westfalen, sonst nichts?

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Wie vielfältig die gegenwärtige junge Lyrik in und aus Westfalen ist, zeigt diese Anthologie, die als Kooperation des [SIC] – Literaturverlags und der parasitenpresse erscheint. Die beiden Herausgeber Adrian Kasnitz und Christoph Wenzel haben über 30 Autoren im Alter von 20 bis 40 versammelt und um neue Gedichte gebeten: feste Größen wie Sabine Scho, Hendrik Jackson und Crauss stehen in diesem Buch neben neuen, noch kaum veröffentlichten Stimmen. Westfalen, sonst nichts? – das ist eine poetische Entdeckungsreise, die von Westfalen ausgeht und weit hinausführt in die lebendige und junge deutsche Lyriklandschaft.

Westfalen, sonst nichts? Eine Anthologie, hg. von Adrian Kasnitz und Christoph Wenzel. 200 Seiten, Preis: 14,- €, erscheint als Ko-Produktion von parasitenpresse und [SIC] – Literaturverlag am 1. Dezember 2012

Autor/innen sind: Katharina Bauer, Sonja vom Brocke, Eva Brunner, Dana Buchzik, Andreas Bülhoff, Crauss., Greta Granderath, Paul Heinrich, Sebastian Himstedt, Marius Hulpe, Hendrik Jackson, Adrian Kasnitz, Daniel Ketteler, Nicolai Kobus, Dagmara Kraus, Ivette Vivien Kunkel, Georg Leß, Vesna Lubina, Stephan Reich, Xaver Römer, Hendrik Rost, Angela Sanmann, Bastian Schneider, Sabine Scho, Elisabeth Schröder, Jan Skudlarek, Sandra Trojan, Julia Trompeter, Charlotte Warsen, Philipp Weber, Christoph Wenzel, Patrick Wilden

Westfalen, sonst nichts?