Was es bedeuten soll. Neue hebräische Dichtung in Deutschland

Dass die jüdische und hebräische Kultur heute in Deutschland und Europa wieder pulsiert, ist ein Wunder. Ein Wunder, um das man sich kümmern muss. Tatsächlich schließt sich heute der Kreis und die modernhebräische Literatur kehrt dorthin zurück, wo sie gegen Mitte des 19. Jahrhunderts begann. Vornehmlich in osteuropäischen Metropolen wie Kaunas, Warschau oder Odessa, aber auch im Westen, etwa in Paris und London wirkten damals die ersten modernhebräischen Schriftsteller, bevor sich diese Zentren mit der Staatsgründung nach Tel Aviv und Jerusalem verschoben. Aktuell liegt eines ihrer Hauptzentren wieder in Berlin; Hebräisch versteht sich hier als diasporische und kosmopolitische Sprache, eingewoben in ein transnationales, ja weltumspannendes literarisches Netz. Die hier versammelten Gedichte wurden allesamt in Deutschland verfasst und bisher nicht ins Deutsche übersetzt; bei den meisten handelt es sich auch im Original um bisher unveröffentlichte Texte.

Die von Gundula Schiffer und Adrian Kasnitz aus dem Hebräischen übersetzte und herausgegebene Anthologie versammelt Texte von Ronen Altman Kaydar, Yael Dean Ben-Ivri, Tomer Dotan-Dreyfus, Asaf Dvori, Yemima Hadad, Zahava Khalfa, Admiel Kosman, Maya Kuperman, Tali Okavi, Loulou Omer, Gundula Schiffer, Mati Shemoelof und Michal Zamir. Die Cover-Zeichnung stammt übrigens von der israelischen, in Köln lebenden Zeichnerin Noam Weiner.

Das Buch wird am 11. Februar 2020 im Literaturklub Köln und am 14. Februar in der Lettrétage Berlin vorgestellt.

Was es bedeuten soll. Neue hebräische Dichtung in Deutschland, herausgegeben und aus dem Hebräischen übersetzt von Gundula Schiffer und Adrian Kasnitz, 136 Seiten, Preis: 15,- € – ist ab sofort lieferbar.  

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Mario Osterland: In Paris

Fotos im Kleinbildformat, Skizzen, Lyrik oder Prosa? Das fragt man sich, wenn man die elf kurzen Texte von Mario Osterland liest, die in Paris angesiedelt sind und In Paris heißen. Sie führen durch die Stadt, begleiten auf der Promenade. Zufällige Begegnungen spielen dabei eine Rolle, der Blick auf Vertrautes, bald Zu-Tode-Geschautes und das stille Trotzdem, mit dem man es dennoch tut.

DIE STADT DER LIEBE ließ uns an den

Hüften zusammenwachsen. auf dem Foto

sieht man es scharf gestochen. wie eine

Tarantel spreizen wir die Beine. unsere

Lieblingsstellung seit Jahren heißt Angriff.

n’est-ce pas? in Hotelbetten stürmt es wie

auf dem Eiffelturm.

 

Mario Osterland, geb. 1986 in Mühlhausen/Thüringen, studierte Germanistik, Komparatistik und Kunstgeschichte in Leipzig. Er lebt als Schriftsteller, Journalist und Blogger in Erfurt. Zweimal war er Preisträger des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen.

Mario Osterland: In Paris. Prosagedichte, 14 Seiten, 6,- € erscheint als Band 09 in der Reihe paradosis und ist ab sofort bestellbar.

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 P.S. Die erste Besprechung ist nun auch schon erschienen. Von Jan Kuhlbrodt auf Fixpoetry.

Timo Berger: Der Süden

Timo Bergers Süden oszilliert irgendwo zwischen Bahnhofsvorplatz, der Sehnsucht nach Reisen und der Realität fremder Orte. Der Süden kann hier gleich um die Ecke beginnen, man kann ihn in Paris oder Odessa finden, in Algerien oder Südamerika sowieso. Der Süden heißt Timo Bergers neuer Gedichtband. Die Texte darin gehen auf die Suche nach diesem Süden und was sie finden, ist manchmal „diese schwere Luft, die durch die Finger / rieselt“ und manchmal „diese Wüste neben / dem Schrottplatz“.

„Das sind Gedichte, die von etwas andrem sprechen, geschrieben auf den Rücken einer Rechnung, die der Wind davontrug. Oder besser: das sind die Dinge, die von einem Gedicht sprechen. Timo Berger überschreitet immer eine Grenze, genau wie seine Dichtung. Er schreibt aus dem Inneren der Sprache, etwas, was nur wenigen gelingt“, schreibt der costa-ricanische Dichter Luis Chaves über Der Süden.

Timo Berger wurde 1974 in Stuttgart geboren und wuchs in Leonberg auf. Er ist freier Publizist und Übersetzer aus dem Spanischen und Portugiesischen. In der parasitenpresse erschien u.a. der mittlerweile vergriffene Gedichtband Erinnerungen an die Regionalliga. Seine letzten Veröffentlichungen sind [als Herausgeber] Popcorn unterm Zuckerhut. Junge brasilianische Literatur (Wagenbach, Berlin, 2013), [als Autor] AmérikaNoAmérika. Antología personal (Bono-bos, Tocluca / Mexiko, 2012) und [als Übersetzer] Die berauschende Wirkung von Bilsenkraut (Wagenbach, Berlin, 2013). Mit Rike Bolte gründete er 2006 das latein-amerikanische Poesiefestival Latinale. Er lebt in Berlin.

Timo Berger: Der Süden. Gedichte, 40 Seiten, Preis: 9,- € – erscheint heute in unserer Reihe Die nummernlosen Bücher und ist ab sofort lieferbar.

Berger Süden