Siehe, die Welt war eine dunkle

„Ein junger Mann will Kameramann werden. Über ihn heißt es: ‚Er hat keine Ahnung. Trotzdem gelingt ihm etwas.‘ In Thomas Podhostniks vom Verlag als Mikro-Roman bezeichneten Text begegnen wir einem jungen Menschen, der, das Auge am Sucher, in die Welt hinausgeht, um einzufangen, wie sie beschaffen ist. Seine Leidenschaft für Bilder führt ihn auf einen Weg, auf dem ihm sämtliche Illusionen
abhandenkommen. Der beharrlich nüchterne Blick der Kamera zeigt Menschen in hartem Licht jenseits aller Inszenierung (Siehe, die Welt war eine dunkle …)

Im Zentrum der Erzählung stehen die Opfer eines Flugzeugabsturzes, Bilder, die den Mann mit der Kamera nicht mehr loslassen. Sie sind zentrales Motiv des Textes, der wie ein Film geschnitten, mit Vor- und Rückblenden arbeitet. In dreizehn Einstellungen, teils durch harte Schnitte getrennt, umkreist der Autor seine Figur des Kameramannes und die unausgesprochene Frage, wie man leben soll mit dem eingebrannten Bild der ‚vom Himmel stürzenden Kinder‘ vor Augen.

Man darf den Autor Thomas Podhostnik wohl getrost als Nihilisten bezeichnen. Seine Texte sind nicht unbedingt hoffnungsvoll, jedoch Satz für Satz sorgsam und genau aus der Sprachmasse gemeißelt, von unnötigem Ballast befreit und wahrhaftig“, schreibt Jörg Jacob über Frame im Branchen-Blatt Literaturkurier.

Manuel Araneda: Die Armutslehre der Bohne

Der chilenische Dichter und Fotograf Manuel Araneda (Jg. 1986) ist mit seiner Kamera in den Straßen von Santiago de Chile unterwegs und dokumentiert die sichtbare Seite von Armut und das Leben auf der Straße. Seine Bilder zeigen Kinder und Alte, Männer wie Frauen – alle, die nicht nur von einem persönlichen Schicksal gezeichnet sind, sondern die manchmal latent, manchmal sehr offensichtlich als Opfer von historischen und aktuellen Machtstrukturen zu erkennen sind. „Die Porträtierten sind nicht allein“, schreibt Araneda im Begleittext, „da sind ganze Generationen in ihren Blicken.“ Der Titel der Fotos rekurriert auf ein Gedicht des chilenischen Dichters Pablo de Rokha, in dem er von „Rotología“, der Armutslehre der „betrogenen Nation“ spricht.

Adrian Kasnitz, der Herausgeber des Bandes, traf den Fotografen auf einer Buchmesse in Santiago, auf der er von seinen Fotos und dem anderen Blick auf Chile erzählte. Aus der zufälligen Begegnung wurde ein Austausch über Fotografie und Poesie, der in diesem Fotobuch mündet.

Manuel Araneda: Die Armutslehre der Bohne. Fotos aus Chile, 44 Seiten (38 Fotos, schwarzweiß und farbig; Begleittext auf Deutsch, Spanisch und Englisch; Texto en español; Text in English), Preis: 10,- €

Cover Araneda

Manuel Araneda, geb. 1986, lebt als Fotograf, Dichter und Psychotherapeut in Santiago de Chile.

(Hinweis für Abonnenten: Als Sonderdruck ist dieses Fotobuch kein Bestandteil von Abos.)