Das Gedichtheft: ein Plädoyer

Über das Kalendarium #7 von Adrian Kasnitz, Notizhefte im Allgemeinen, unsere Lyrikhefte insbesondere von Nora Zapf und Thorsten Krämer sowie die Vorstellung der Anthologie Brotjobs & Literatur im Berliner Brecht-Haus schreibt Ortwin Bonfert auf seinem Spiegelungen-Blog und hält ein Plädoyer für das Gedichtheft. Den ganzen kurzen Essay kann man hier nachlesen. Ältere und neue Lyrikhefte kann man bei uns bestellen oder sich für ein Lyrikheft-Abo entscheiden.

Die Welt da draußen wartet nicht

Den Gedichtband wenn ich asche bin, lerne ich kanji von Kathrin Niemela bespricht Antje Weber in der Süddeutschen Zeitung (31.3.22): „‚Die welt da draußen wartet / nicht auf wörter – wartet auf wandel‘, schrieb Kathrin Niemela im September 2017 im Café La Poesía in Buenos Aires – ob in ein Notizbuch, ob in ihr Handy oder ein Laptop, wir wissen es nicht. Sicher ist nur, dass die Zeilen nun auf Seite 50 im ersten Gedichtband der Autorin abgedruckt sind. Sicher ist auch, dass die Welt inzwischen nicht gerade ungeduldig, sondern eher beklommen auf weiteren Wandel wartet. Auf Wörter wartet sie vielleicht auch nicht, doch es ist gut, dass sie da sind – auch die von Kathrin Niemela, die im letzten Vers jenes Gedichts mit dem Titel ‚Café La Poesía‘ schreibt: ‚ich kratze frei, was ich verscharren will‘.“ Und weiter: „Die Texte sind inhaltlich und atmosphärisch an die Orte ihres Entstehens angedockt, wie im Gedicht ‚Bad in Shibuya‘, das die titelgebende Zeile enthält und unter anderem auf ‚Kanji‘ als japanische Schriftzeichen verweist. Doch die Gedanken des lyrischen Ichs mäandern stets weiter. Immer wieder geht es um dessen eigene Verortung in der Welt – ‚ich schneide mich am sein‘. Oder, gerne sprachspielerisch, um die Liebe: ‚dazwischen wir, irgendwo lieben geblieben‘, im weltweiten digitalen Raum. Der wird häufig mitthematisiert; wir ’scrollten am sommer‘ oder ‚posten hygge‘, liest man etwa in dem Zyklus ‚die süße unterm marmeladenschimmel‘.“ Die ganze Besprechung findet sich hier.