Wie Narben

„Schön komponiert, ist jedes Kapitel von einer kleinen Sinneinheit getragen, die die aufeinanderfolgenden Gedichte verbindet; die Erneuerung des Menschen bei Zahnarzt und Friseur, die Narben von Natur und Mensch, oder die Wäsche, die Anzeichen eines nicht erinnerbaren Geschehnisses trägt“, schreibt Elke Engelhardt über Die Handschrift einer Nadel von Arvis Viguls in einer ausführlichen Besprechung bei Fixpoetry. „Viguls Lyrik erscheint wie eine Abfolge einzelner Schnitte, die dennoch einen Film ergeben. Vielfältig. Eindeutig. Wie Narben, die immer als Narben zu erkennen sind, auch wenn unsicher bleibt, von welcher Verletzung sie herrühren.“

cover viguls

Arvis Viguls: Die Handschrift einer Nadel

Mit Lyrik aus Lettland geht es weiter in unserer Reihe Die nummernlosen Bücher. Der lettische Dichter Arvis Viguls stochert im Leben herum, kratzt alte Narben auf, verkriecht sich im Bett, wäscht seinen Vater. Cut your hair!, diesem Ruf, halb Rat, halb Befehl, folgt er und steht als neuer Mensch da, „jemandem ähnlich, / dem die schwere Krone vom Kopf gehoben wird / und der jetzt / ohne Zepter oder Schirm / durch die kalten verregneten Straßen laufen muss“. Erstmals liegt nun auf Deutsch ein Gedichtband von Viguls vor, den die Wiener Dichterin Astrid Nischkauer für uns übersetzt hat.

Arvis Viguls: Die Handschrift einer Nadel. Gedichte, aus dem Lettischen übersetzt von Astrid Nischkauer, 86 Seiten, Preis: 12,- € – ist ab sofort lieferbar

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Arvis Viguls, geb. 1987 in Jēkabpils, lebt als Dichter und Übersetzer in Riga. Er veröffentlichte bisher drei Gedichtbände Istaba (Raum, 2009), 5:00 (2012) und Gramata (Buch, 2018) und erhielt dafür mehrere Preise, u.a. den Preis des Lettischen Autorenverbandes für das beste Debüt, den Preis des lettischen Poesiefestivals Dzejas dienas für den besten Band des Jahres und den Preis der Anna-Dagda-Stiftung. Einzelne Gedichte wurden in mehr als vierzehn Sprachen veröffentlicht. 2017 erschien ein Auswahlband auf Spanisch, La caligrafía de la aguja.

Astrid Nischkauer, geb. 1989, Dichterin und Übersetzerin. Drei Gedichtbände in der parasitenpresse, zuletzt: Satyr mit Thunfisch (2018). Rezensionen und Literarische Selbstgespräche für fixpoetry.com. Lebt zwischen Bücherbergen und in Wien.