Kathrin Niemela: wenn ich asche bin, lerne ich kanji

Was passiert mit uns, wenn wir unterwegs sind, was setzt es frei? Und was, wenn wir fremd sind? Worin gründen Wurzeln? wenn ich asche bin, lerne ich kanji von Kathrin Niemela beschäftigt sich in fünf Kapiteln mit dem Reisen und dem Fremdsein: in der Liebe, in Paris, in der Welt, im Leben und Sterben, in der Herkunft. Es erzählt von (Ab)Gründen und Höhenflügen, vom Suchen und Ausgesetztsein, vom Großen im Kleinen und vom Kleinen im Großen, von Momenten der Betörung, Verstörung, Zerstörung und der Einsamkeit, der digitalen Getriebenheit, der Suche nach Liebe und dem Scheitern.

Kathrin Niemela ist eine vielreisende Lyrikerin. Schlägt man ihren Debütband auf, wird man nicht nur nach Südamerika und Asien geschickt, um die Dichterin bei ihren oft gesellschaftskritischen Beobachtungen zu begleiten, sondern auch in die Bilderwelt einer Autorin, deren poetische Wortschöpfungen durchaus auch für Semiotik- und Archetypenforscher interessant sein könnten. Der den Bandtitel gebende Satz „wenn ich asche bin, lerne ich kanji“ stammt aus dem Gedicht bad in shibuya, das geradezu ein Paradebeispiel für Niemelas Schreiben ist: urbane, vor Werbung für Weltmarken überbordende Welten prallen mit Menschenmassen und Anonymität zusammen, und mittendrin das lyrische Ich, das das Mysterium unseres Daseins nicht nur beschreiben, sondern auch verstehen will. Niemela schreibt im besagten Gedicht aus Japan: „(…) ich bin kein roboter, / wähle alle bilder mit brücken – hantle mich an mangas / entlang, acht stunden neben der zeit – das waka bricht / silben in splitter – ich schneide mich am sein“.

Kathrin Niemela liest am 14. Oktober bei Literatur im Lindley, am 21. Oktober bei der Parasites‘ Night und am 22. Oktober bei unserer Buchmessen-Lesung im Yok Yok, alles in Frankfurt.

Kathrin Niemela: wenn ich asche bin, lerne ich kanji. Gedichte, mit einem Nachwort von Artur Becker, 88 Seiten. Preis: 12,- € – ab sofort lieferbar

Kathrin Niemela, geboren 1973 in Regensburg, lebt in Passau und Regensburg und ist unterwegs als Lyrikerin und Markenbotschafterin. Sie studierte Betriebswirtschaft in Regensburg und Paris. Bisher erschienen ihre Gedichte in Anthologien und Literaturzeitschriften. wenn ich asche bin, lerne ich kanji ist ihr erster Lyrikband. Zuletzt ist sie mit dem Jurypreis beim Irseer Pegasus für den im Band enthaltenen Zyklus die süße unterm marmeladenschimmel ausgezeichnet worden.

Adrian Kasnitz: Kalendarium #7

Juli, Hitze und überlaufende Sprache aus Schleifen und Wendungen. Das alles versammelt das Kalendarium #7 von Adrian Kasnitz, der siebte Teilband des Kalendarium-Projekts. Schwimmen, Melone essen, lieben, den Tag auskosten, als gäbe es kein Morgen, heißt auch zu wissen von der Brüchigkeit der Welt, dem verlorenen Paradies, von den Stellen, die schon zerstört sind, den sterbenden Korallenriffen, den eingepferchten Tieren, dem stinkenden Fluss. Immer begleitet von dem Wunsch, die Stadt zu fluten oder alles in Flammen aufgehen zu lassen. In Dystopie und Endzeitstimmung bei knapp 40° C gleiten die Texte. Und doch bleibt da der Versuch, das Glück zu fangen, „das Unwiederbringliche am Abend bei den Containern“. Die Gedichte sind „kleine versteckte Scherzpistolen / die wir uns in den Mund stecken, tief hinein“. Und wieder zum Vorschein kommt die Welt, die wir gerupft und verschlungen haben. 

Neben den Gedichten enthält das Buch vier Collagen des Autors. Das Lektorat besorgte diesmal Mathias Traxler. Die graphische Gestaltung stammt wie immer vom Kölner Büro Kikkerbillen.

Adrian Kasnitz: Kalendarium #7. Gedichte, 44 Seiten, Preis: 10,- € – ist ab heute lieferbar

Adrian Kasnitz, 1974 an der Ostsee geboren, aufgewachsen in den westfälischen Bergen, lebt in Köln. Von ihm erschienen zuletzt die Gedichtbände Kalendarium #1 bis #6 (parasitenpresse 2015-2020) und Glückliche Niederlagen (Sprungturm 2016), der zweisprachige Prosaband Pierre Huyghe hired me (parasitenpresse 2019) sowie der Roman Bessermann (Launenweber 2017). 2020 wurde er mit dem Dieter-Wellershoff-Stipendium der Stadt Köln ausgezeichnet.

Thomas Empl: Ausbruch

Die acht Erzählungen in Thomas Empls Debütband Ausbruch ziehen unvermittelt in ihren Bann und in ihre kleinen Welten, zu den Boxern und Sportlern, zu Leuten auf der Suche, zu Leuten auf der Flucht, die den Ausbruch wagen. Manche scheitern, werden müde, manche haben Glück und kommen frei. In den Texten steckt Energie und Kraft, aber auch viel Reflexion über das Leben und ein Batzen Liebe zu den Personen und Dingen. Uns erwartet die Zartheit eines Faustschlags.

Mit diesem Band und dem Erzählungsband So glücklich war ich noch nie von André Patten, der kommende Woche erscheint, starten wir die neue Reihe PARADIES, die neues Erzählen aus und über Nordrhein-Westfalen präsentiert. Am 3. Juni stellen wir beide Bände beim CityLeaks-Festival in Köln vor.

Thomas Empl: Ausbruch. Erzählungen, 72 Seiten, Preis: 12,- € (Paradies) – ab sofort lieferbar

(Hinweis für Abonennt*innen: die Reihe Paradies ist nur im Prosa-Abo enthalten)

Thomas Empl, 1991 in München geboren, lebt als freier Autor in Köln und arbeitet dort an einem Roman. Er stand auf den Shortlists des Wortmeldungen-Förderpreises sowie des Literaturpreises Prenzlauer Berg.

Hering mit Honig

„Dieses Buch ist wie Schokolade mit Chili, wie Hering mit Honig, eine Mischung widersprüchlicher Komponenten, die sich einzeln herausschmecken lassen – als Pendant für widersprüchliche Gefühle dieses Riesenland Russland betreffend. Etwas Liebe dazu möchte schon da sein, um die ironisch, satirisch, sarkastischen Texte von Alexander Estis zu genießen“, schreibt Irmtraud Gutschke über das Handwörterbuch der russischen Seele von Alexander Estis. Die ganze Besprechung kann jetzt auf literatursalon.online nachgelesen werden.  

Gerald Fiebig: motörhead klopstöck

Wie im Titel der Name einer Rockband und der eines Dichters, so werden auch im neuen Gedichtband motörhead klopstöck von Gerald Fiebig diverse thematische und formale Stränge zusammengeführt. Thematisch gilt dies etwa für die intensive Auseinandersetzung mit Massenmedien und Popkultur, aber auch die an konkreten Orten festgemachte Suche nach Spuren von Faschismus, Krieg und Kolonialismus. Wie in früheren Bänden begegnet uns Fiebig als melancholischer bis wütender Beobachter entfremdeten Alltags. Von einer gänzlich unbekannten Seite zeigt sich der Autor hingegen in den Liebesgedichten. Eine eigene Abteilung des Buches ist der sprachspielerischen Dekonstruktion von sprachlichen Geschlechter-Stereotypen gewidmet.

In formaler Hinsicht ist motörhead klopstöck wohl Fiebigs variantenreichstes Buch. Das im Titel angekündigte Niederreißen von Pop- und „Hochkultur“-Grenzzäunen ist Programm. Von Odenstrophe und Sonett über chiffrenhafte Lakonik und dadaeske Collagetexte bis zu binnenreimgetriebenen Spoken-Word-Gedichten bringt Fiebig hier ein breites Spektrum an lyrischen Formen zum Einsatz.

Die Release-Lesung findet am 25. Juni im Parasiten TV statt, live gestreamt ab 20.30h unter http://www.facebook.com/parasitenpresse.

Gerald Fiebig: motörhead klopstöck. Gedichte, 52 Seiten, Preis: 10,- € – ist ab sofort lieferbar

cover fiebig motörhead

Gerald Fiebig (geb. 1973) wohnt in Augsburg. Er ist Lyriker, Audiokünstler sowie Mitglied der Band Jesus Jackson und die grenzlandreiter und des Duos KLONK (zusammen mit Tine Klink). Zuletzt erschienen von ihm der Gedichtband nach dem nachkrieg (parasitenpresse 2017) und die CD Gasworks (Gruenrekorder 2019). www.geraldfiebig.net

Ein Lexikon der Liebe

Über Sünje Lewejohanns Liebesgedichte, „von zarten erfüllten Momenten bis zu einer Wucht, bei der die gesamte Existenz auf dem Spiel steht“, schreibt Elke Engelhardt auf Fixpoetry. „Dabei überschreiten die Gedichte immer wieder die Grenzen der Körperlichkeit, um schließlich von ihr eingeholt zu werden, zwischen Hingabe und Gewalt bewegt sich der poetische Kosmos [dieser Gedichte] selbstbewusst verletzlich von der Natur zum Körper bis zur gesellschaftlichen Sprengkraft von Gefühlen. Mit die idiotische wucht deiner wimpern eröffnet Sünje Lewejohann ihren Leserinnen ein Universum der Liebe, das Abgründe ebenso beinhaltet wie Gipfel.“ Die ganze Besprechung ist hier nachzulesen.

Cover Lewejohann

Andre Rudolph: Ich bin für Frieden, Armut und Polyamorie – welche Partei soll ich wählen?

„hallo!“, sagt das Ich in Ich bin für Frieden, Armut und Polyamorie – welche Partei soll ich wählen?, meldet sich zurück, sagt es mehrmals und bittet um Aufmerksamkeit. Die neuen Gedichte des mehrfach ausgezeichneten Dichters Andre Rudolph handeln von der Sinnsuche in einer unsicher gewordenen Welt, in der der Kapitalismus noch einmal versucht, die letzten Reserven aus Natur, Mensch und Welt herauszupressen. Wo steht da der Einzelne? Wie kann er neu beginnen, wenn er schon gescheitert ist? Gibt es Frieden? Ist Liebe möglich? Schließen sich Armut und Glück aus oder bedingen sie sich erst? Immer balancieren die Gedichte zwischen ironischem Spiel, Zynismus, Witz und Menschenfreundlichkeit, springen von Wort zu Wort, hangeln sich an einzelnen Silben, bis sie neu aufgetrennt und zusammengesetzt werden. Das Spiel ist kein Selbstzweck sondern Rettungsstrategie.

Andre Rudolph: Ich bin für Frieden, Armut und Polyamorie – welche Partei soll ich wählen? Gedichte, 94 Seiten, Preis: 12,- € – ab sofort lieferbar

Cover Rudolph kladde

Andre Rudolph, geb. 1975 in Warschau, aufgewachsen in Leipzig. Zwischen 2009 und 2015 erschienen drei Gedichtbände von ihm im Luxbooks-Verlag (Wiesbaden). Lebt in Caputh am Schwielowsee.

Sünje Lewejohann: die idiotische wucht deiner wimpern

Die Texte im neuen Gedichtband die idiotische wucht deiner wimpern der Berliner Dichterin Sünje Lewejohann widmen sich der totalen Hingabe und dem Verfallen einer Leidenschaft, ironisieren sie jedoch gleichzeitig und zeigen die Verwunderung darüber. Eine Art Trotzreaktion, die sich zurückbesinnen will auf das Ich, auf das eigene Wesen, es will versuchen, der Versuchung nicht zu widerstehen, es will bei sich bleiben und ist aber schon längst einen Schritt zu weit gegangen. Es ist die Frage danach, wie die Balance zwischen Begehren und der Angst vor Kontrollverlust gelingen kann und in wie weit die ganz alltäglichen Formen der Leidenschaften, Sexualität und Sexismus prägend sind für die Wahrnehmung der eigenen Weiblichkeit oder der Wahrnehmung von Weiblichkeit im Allgemeinen.

„da mache ich es mir gemütlich und streiche mein kleid glatt an den schönen stellen“

„In pulsierender Sprache schwebende Texte zwischen ‚Honigmund, Hysterie und Herzbestie‘ … Mutig und neugierig, verletzlich und selbstbewusst schafft sie eine poetische Welt klanglicher Vielfalt, die formal auf überzeugende Weise gebändigt wird“, schrieb Ilma Rakusa über Sünje Lewejohanns Texte in der Jurybegründung zum Lyrikpreis Meran.

Sünje Lewejohann: die idiotische wucht deiner wimpern. Gedichte, 90 Seiten, 12,- € – ab sofort lieferbar!

Cover Lewejohann

Sünje Lewejohann, geb. 1972 in Flensburg, veröffentliche 2005 den Roman Am Sonntag will Gott zu Atem kommen im DuMont Verlag und 2013 den Gedichtband in den hirschen bei der Connewitzer Verlagsbuchhandlung. 2010 erhielt sie beim Lyrikpreis Meran den Alfred­-Gruber­-Preis für eine Auswahl ihrer Gedichte. Sie lebt in Berlin.

 

Artur Becker: Bartel und Gustabalda

Neue Gedichte von Artur Becker versammelt der Band Bartel und Gustabalda. Die Gedichte führen uns in die Wälder Masurens, die niedersächsische Tiefebene oder auf Venedigs schwankende Gondeln. Auf der nie endenden Suche nach Schönheit und Liebe in dieser vertrackten Welt ist sich Becker immer um die schwierige Geschichte bewusst, die unter unseren Füßen liegt, und greift metaphysische Fragen auf.

„Der masurische Akzent verweist auf das Wesentliche der Beckerschen Lyrik: Sie ist gespickt mit für die deutsche Literatursprache ungewöhnlichen neuen Bildern, sie ist als Vorlage für Lieder geeignet und sie wartet mit über das Konkrete hinausgehenden Perspektiven auf. Seine Gedichte sind also nicht nur nützlich für unseren Kram auf der Erde, sie weisen darüber hinaus“, schrieb Bernd Gosau über Beckers Gedichte.

Artur Becker: Bartel und Gustabalda. Gedichte, 140 S., Preis: 14,- € – ist ab sofort lieferbar

Cover Becker 19Aug Kopie

Artur Becker, geb. 1968 in Bartoszyce (Masuren), lebt seit 1985 in Deutschland. Becker schreibt Romane, Erzählungen, Gedichte und Essays. Zuletzt veröffentlichte er den Roman Drang nach Osten bei weissbooks.w, wo viele seiner Romane und Essays erschienen sind. Für sein Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Adalbert-von-Chamisso-Preis und dem Dialog-Preis.