Neunzehn Notizen zum Notizbuch der Liebe

In 19 Notizen nähert sich Tino Schlench dem Notizbuch der Liebe von Shpëtim Selmani. Hier eine kleine Auswahl, alle Notizen findet man auf Literaturpalast.at:

„1.
Aber der Stuhl ist umgefallen und der Wind geht. Die Bleistifte sind zerbrochen, die Leitungen gekappt und das WLAN hat den Geist aufgegeben. An das Gesicht des Briefträgers kann sich hier im Ort niemand mehr erinnern, während der Stuhl noch immer verlassen auf dem Gras liegt und wie ein toter Esel die Beine ausstreckt.

7.
Im Verlauf der Lektüre fügen sich die einzelnen Versatzstücke zu einem Ganzen zusammen. Das braucht einen Moment, aber es passiert, und so lässt sich das Buch als ein autofiktionaler Roman in Fragmenten bezeichnen. So man denn möchte. (Ich möchte das nicht.)

14.
In einer der Miniaturen erzählt Selmani von einer Einladung auf die Leipziger Buchmesse. Als Autor aus einem der Nachfolgestaaten Jugoslawiens muss er sich auf einer Podiumsdiskussion zu Josip Broz Tito äußern, zu dem ihm einigermaßen wenig einfällt. Aber wenn man als ex-jugoslawischer Schriftsteller gebucht ist, dann ist man als ex-jugoslawischer Schriftsteller gebucht. Im Rahmen eines Pressegesprächs im Vorfeld der „Leipziger Buchmesse“ 2022 berichte ich Podium und Publikum von dieser Passage. Mir gegenüber sitzt der Messedirektor Oliver Zille, dem während meines Monologs das Gesicht entgleist. In diesem Moment wünsche ich mir nichts sehnlicher, als dass die im Buch geschilderte Szene authentisch ist, Zille damals zugegen war und noch immer einen Groll auf diesen undankbaren und dreisten kosovarischen Autor hat.

17.
Es ist amüsant und berührend, wie Selmani von seiner Liebe zu Frau und Kind, von seinem Vater oder von seinem Alltag als flatulierender Schriftsteller und Schauspieler erzählt. Noch eindrucksvoller sind jedoch diejenigen Passagen, in denen er aufs Ganze geht und sich der unverschämten Schönheit und strahlenden Grausamkeit der Welt zuwendet. Seine Sinnsuche und Selbstbefragung oszilliert zwischen Hoffnung und Zynismus. Widersprüche werden nicht geglättet.

19.
Kein Kitsch, kein Fragezeichen. Die Lücke, die der Teufel lässt.“

Unsere Leipziger Buchmesse 2022

Auch wenn die offizielle Buchmesse abgesagt ist, sind wir vom 17. bis 20. März mit unseren Büchern, Autor*innen und Übersetzer*innen in Leipzig.

Vom 18. bis 20. März findet die Buchmesse Popup der unabhängigen Verlage statt. Wir sind mit einem Stand dabei, an dem ihr Autor*innen, Übersetz*innen und Freunde des Verlages treffen könnt, u.a. Olav Amende, Dirk Bretschneider, Evelyn Bubich, Zuzana Finger, Philipp-Bo Franke, Adrian Kasnitz, Christian Kreis, Sünje Lewejohann, Jonas Linnebank, Kathrin Niemela, Thomas Podhostnik, Mathias Traxler, Patrick Wilden und Nora Zapf. Am Sonntag lesen dort Sünje Lewejohann und Thomas Podhostnik (12.15-12.45h). Sowohl für die Popup-Messe als auch für die Lesungen sollte man Tickets reservieren! Ort: Werk 2, Kochstr. 132 (Haltestelle: Connewitzer Kreuz), Fr. 12-18h, Sa.+So. 10-18h.

Zusätzlich sind wir am 19. März mit einem Stand bei It’s a book in der Hochschule für Grafik und Buchkunst vertreten (Wächterstr., 12-21 Uhr) – gemeinsam mit der Kölner Literaturzeitschrift KLiteratur.

In zwei parasitären Abendveranstaltungen stellen wir am 18. März beim Books & Beers im Textat (Erich-Zeigner-Allee 64, 20 Uhr) und am 19. März bei So glücklich war ich noch nie im Besser Leben (Holbeinstr. 2, 20 Uhr) unsere Bücher vor. Am 18.3. lesen: Thomas Empl, Alexander Estis, Zuzana Finger, Philipp-Bo Franke, Adrian Kasnitz, Christian Kreis, Sünje Lewejohann, Jonas Linnebank, Kathrin Niemela, Thomas Podhostnik, Mathias Traxler, Patrick Wilden und Nora Zapf. Am 19.3. lesen: Olav Amende, Dirk Bretschneider, Beatrice Cordier, Veronique Homann, Laurine Irmer, Adrian Kasnitz, Sünje Lewejohann, Kathrin Niemela, André Patten, Thomas Podhostnik, Andre Rudolph und Patrick Wilden.

Wer gar nicht nach Leipzig kommen kann, dem sei die Lyrikbuchhandlung empfohlen. Von der ‚Buchhandlung‘ sind zwar nur die Online-Lesungen übriggeblieben, das Programm reicht aber für zwei Lyrik-Abende am 17. und 18. März. Am 17.3. liest dort Kathrin Niemela (ab 20.20 Uhr).

In jedem Fall freuen wir uns auf Begegnungen und Gespräche!

Thomas Podhostnik bei der parasitären Lesung vorm
Besser Leben, Leipzig 2021. Foto: AK.

Portugal-Bücherpaket

Portugal sollte schon 2021 Gastland der Leipziger Buchmesse sein und auch in diesem Jahr gab es Pläne, den Gastland-Auftritt nachzuholen, der nun größtenteils der Absage der Buchmesse zum Opfer fällt. Trotzdem sind in diesen zwei Jahren viele Neuübersetzungen aus dem Portugiesischen erschienen, u.a. auch unsere beiden Titel, die Anthologie mit junger Lyrik aus Portugal Wie man ein Wunder löscht, den Beatrice Cordier und Laurine Irmer zusammengestellt und übersetzt haben, und der Gedichtband 365 vorhergesagte Gedichte von Álvaro Seiça in der Übersetzung von Mathias Traxler. Beide Bücher gibt es nun zusammen für 24,- €, dazu bekommen alle Besteller*innen eine parasitäre Umhängetasche. Bitte direkt in unserem Buchladen bestellen.

Beide Bücher werden trotz alledem im März vorgestellt. Mathias Traxler liest am 18. März bei Books & Beers im Leipziger Textat. Beatrice Cordier und Laurine Irmer lesen am 19. März bei So glücklich war ich noch nie im Leipziger Besser Leben. Außerdem liest Beatrice Cordier am 16. März bei unserem Verlagsabend im Kulturpalast Linden in Hannover.

Portugal-Bücherpaket