Gerald Fiebig: motörhead klopstöck

Wie im Titel der Name einer Rockband und der eines Dichters, so werden auch im neuen Gedichtband motörhead klopstöck von Gerald Fiebig diverse thematische und formale Stränge zusammengeführt. Thematisch gilt dies etwa für die intensive Auseinandersetzung mit Massenmedien und Popkultur, aber auch die an konkreten Orten festgemachte Suche nach Spuren von Faschismus, Krieg und Kolonialismus. Wie in früheren Bänden begegnet uns Fiebig als melancholischer bis wütender Beobachter entfremdeten Alltags. Von einer gänzlich unbekannten Seite zeigt sich der Autor hingegen in den Liebesgedichten. Eine eigene Abteilung des Buches ist der sprachspielerischen Dekonstruktion von sprachlichen Geschlechter-Stereotypen gewidmet.

In formaler Hinsicht ist motörhead klopstöck wohl Fiebigs variantenreichstes Buch. Das im Titel angekündigte Niederreißen von Pop- und „Hochkultur“-Grenzzäunen ist Programm. Von Odenstrophe und Sonett über chiffrenhafte Lakonik und dadaeske Collagetexte bis zu binnenreimgetriebenen Spoken-Word-Gedichten bringt Fiebig hier ein breites Spektrum an lyrischen Formen zum Einsatz.

Die Release-Lesung findet am 25. Juni im Parasiten TV statt, live gestreamt ab 20.30h unter http://www.facebook.com/parasitenpresse.

Gerald Fiebig: motörhead klopstöck. Gedichte, 52 Seiten, Preis: 10,- € – ist ab sofort lieferbar

cover fiebig motörhead

Gerald Fiebig (geb. 1973) wohnt in Augsburg. Er ist Lyriker, Audiokünstler sowie Mitglied der Band Jesus Jackson und die grenzlandreiter und des Duos KLONK (zusammen mit Tine Klink). Zuletzt erschienen von ihm der Gedichtband nach dem nachkrieg (parasitenpresse 2017) und die CD Gasworks (Gruenrekorder 2019). www.geraldfiebig.net

Gedichte atmen

„Dimkovskas Texte zeigen die Extreme von schwarz und weiß, bemühen sich zugleich aber um eine Palette reicher Grautöne. Man gewinnt zuweilen dein Eindruck, die Lyrikerin atmet ihre Gedichte, die aus ihr heraus müssen, die gegenwärtig sind und zugleich von zeitloser Aktualität. Sie spielt dabei nicht subtil mit Sprache, sondern sie lässt Bildern entstehen, die sie manchmal wie nebenbei kreiert“, schreibt Monika Vasik über Schwarz auf weiß von Lidija Dimkovska bei Fixpoetry. Sie „liebt Wendungen ins Surreale, die besonders dann überzeugen, wenn sie damit vermeintlich Triviales konterkariert oder das Unvermögen, etwas Unbegreifbares begreifen zu müssen, veranschaulicht. Und sie verfügt über leisen Witz, der manchmal in kleinen Wendungen aufblitzt, und neben der Melancholie gut seinen Platz findet. Ein eindrückliches Buch!“

Cover Dimkovska

Kleine Roadmovies

Lidija Dimkovska nimmt uns mit in eine Welt, die auch noch viele Jahre nach den Jugoslawienkriegen geprägt ist von den schweren Verletzungen an Körpern und Seelen der Menschen, die in diesen Kriegen gelitten haben. Es sind Gedichte über sie selbst und über Menschen, die Lidija Dimkovska auf der Straße und dem Markt trifft oder die sie als Familienväter, Mütter oder Kinder kennt. Deren Ängste und Traumata, deren Veränderungen und Verstümmelungen fasst sie in Worte, die konkrete Geschichten erzählen, dabei aber immer noch Poesie bleiben“ schreibt Matthias Ehlers über den Band Schwarz auf weiß in einer Besprechung bei WDR5 Bücher. Und weiter: „Lidija schreibt extrem gute Gedichte, die bisweilen wie kleine Roadmovies anmuten und unter die Haut gehen, dabei den Leser aber nicht in den Zustand der Schockstarre versetzen. Fast beiläufig, wie im Vorbeischlendern, erzählt sie in unaufdringlicher, glasklarer, äußerst prägnanter und bilderstarker Sprache die Geschichten, die sich hinter den Menschen und Dingen verbergen, ohne jemals in irgendeiner Form politische Positionen einzunehmen.

Cover Dimkovska

Lidija Dimkovska: Schwarz auf weiß

Mit Schwarz auf weiß, dem neuen Gedichtband der nordmazedonischen Dichterin Lidija Dimkovska, setzen wir unsere Reihe mit internationaler Poesie fort. „Die Zeit überrollte dich in dem Augenblick, als du aufbrachst“, heißt es in ihrem Gedicht Reise. Der Aufbruch in ihren Texten ist oft aus der Not geboren, dem Krieg. Die Verheerungen sind noch überall zu spüren, die Ruinen der Häuser und Menschen. Die Menschenrechte eignen sich zum Staubwischen. Auch wenn die Reisen nach Berlin, Lissabon oder New York führen, immer bleibt die Herkunft, der Balkan präsent. Aber da ist nun eine Trennwand dazwischen, eine Scheibe wie in einem New Yorker Taxi oder „eine automatische Tür eines Zugs“, die dich von den anderen trennt, die dich vom eigenen Leben abschneidet. Der Wiener Übersetzer Alexander Sitzmann übertrug für uns die Texte ins Deutsche.

Lidija Dimkovska wird am 6./7. September beim Europäischen Literaturfestival Köln-Kalk zu Gast sein und das Buch vorstellen.

Lidija Dimkovska: Schwarz auf weiß. Gedichte aus dem Mazedonischen von Alexander Sitzmann, 66 Seiten, Preis: 10,- € – ist ab sofort lieferbar  

Cover Dimkovska

Lidija Dimkovska, geb. 1971 in Skopje, studierte Komparatistik an der Universität Skopje und promovierte an der Universität Bukarest. Sie lebt und arbeitet gegenwärtig als Lyrikerin, Prosaschriftstellerin, Essayistin und literarische Übersetzerin in Ljubljana. Seit 1991 erschienen sechs Gedichtbände und drei Romane. Ihr Werk wurde in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, u.a. 2009 mit dem Hubert-Burda-Preis für junge osteuropäische Lyrik und den Literaturpreis der Europäischen Union (2013). Mit dem Gedichtband Anständiges Mädchen stand sie überdies 2013 auf der Shortlist für den Brücke-Berlin-Preis.

Alexander Sitzmann, geb. 1974 in Stuttgart, lebt und arbeitet als literarischer Übersetzer, Herausgeber, Sprach- und Kulturwissenschaftler und Lehrbeauftragter in Wien, 2004 Ehrenpreis des bulgarischen Kultusministeriums, 2016 Österreichischer Staatspreis für literarische Übersetzung.

Tom Nisse: Reprise de positions

Nun online nachzulesen ist Tom Nisses Essay Reprise de positions auf dem französischsprachigen Blog SILO. Der Essay handelt von den Bedingungen der Poesie in Zeiten des permanenten Krieges:

„Le corps. La voix principalement, mais aussi le corps tout entier. Ce qui nous crée une distance au cliché usé du poète accroupi sur sa page, le regard laiteux foudroyé par l’inspiration lyrique. Ce qui nous crée une tension musculaire et cérébrale aiguisée et profonde à la fois. Tension physique, psychique et émotionnelle, naissant dans des moments d’exception, moments d’avancées dans l’expérience personnelle et celle partagée ; et par extension durables dans l’art de se façonner, au même titre que de façonner son œuvre : mouvement qui va irrémédiablement toujours dans les deux sens. Tension vitale dans le quotidien urbain contemporain assommant. Dans l’entreprise d’empoisonnement massif du paysage. A l’époque des pornographies et des frustrations maculant tant d’inexpérimenté sur leur passage. Pendant l’ère de Fukushima. En temps de guerre ininterrompue.“

In der parasitenpresse ist von Tom Nisse der Band Dass ich dich so beschnuppere erschienen.

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