Christian Kreis: Halle Alphabet

26 Buchstaben, 26 Notizen zu Halle versammelt das Halle Alphabet. Geschrieben hat es der Hallenser Schriftsteller und Stadtschreiber (von 2019) Christian Kreis. Von Scheibe A und der Bernburger Straße, den Hallorenkugeln und der Rivalität zu Magdeburg bis hin zu Objekt 5, Peter Sodann und dem Zoo reichen die Beobachtungen in der spannendsten Stadt (Sachsen-Anhalts). Kreis erzählt von Jobs, der Uni-Zeit und Begegnungen aller Art, meist leicht ironisch, mit Sinn fürs Absurde, immer mit einem liebevollen Blick, so wie man ihn von der Lesebühne Kreis mit Berg kennt.

Nach den Stadtteil-Alphabeten zu Ehrenfeld, Nippes und Kalk verlässt die Alphabet-Reihe erstmals Köln – so wie das Beatles Museum, das früher im Quartier Latäng und heute in Halle zuhause ist.

Falls Veranstaltungen dann möglich sind, findet am 15. Dezember die Buchvorstellung mit Christian Kreis und André Schinkel im Literaturhaus Halle statt.

Christian Kreis: Halle Alphabet, 46 Seiten, Preis: 10,- € – ist ab sofort lieferbar

Christian Kreis, geb. 1977 in Bernburg. Sein erster Gedichtband erschien 2008 beim Mitteldeutschen Verlag. Jeden Monat liest er auf der Halleschen Lesebühne Kreis mit Berg frisch verfasste Texte. Zum nächsten Termin und zu seiner neuesten Kolumne: www.banjolyrikundgeschichten.de/

Tobias Schulenburg: es sich schön machen

Der Kölner Dichter und Künstler Tobias Schulenburg, der Design an Hochschule für Gestaltung in Pforzheim und Mediale Künste an der Kunsthochschule für Medien in Köln studiert (hat), beschreibt in seinen Gedichten kleine Alltagszenen, Begegnungen mit Freunden, beim Einkaufen, auf der Uni-Wiese, in Lehrgängen. Das Bemühen um Kommunikation und das beiläufige Scheitern ergänzen einander: „Ich würde gerne / länger mit ihr reden, doch mir fällt auch nichts ein“. So endet ein Gespräch mit der Verkäuferin. Der Lucky Looser, der aus diesen Gedichten spricht, hat aber immer alles im Blick, zum Beispiel die Wespen im Park: „No offence, / meine gestreiften Freunde – aber ihr seid schon / ziemliche Racker.“

Die Gedichte werden ergänzt um 16 Zeichnungen von Tobias Schulenburg, die manchmal alltägliche Dinge wie Schreibtischlampen oder PET-Flaschen, manchmal Menschen beim Essen, Chatten, Zeichnen zeigen.

Tobias Schulenburg: es sich schön machen. Gedichte & Zeichnungen, 32 Seiten, Preis: 7,- € (Lyrikhefte Bd. 105) – ab sofort lieferbar

Ich (Tobias Schulenburg, geboren 1987 in Bergisch­-Gladbach) hatte im Jahre 2019 folgende Ø monatliche Ausgaben: 454 € Miete warm + Strom (1­Zimmer­-Apartment in Köln) / 33 € Handy + Internet / 12 € Versicherungen / 18 € GEZ / 7 € Website­-Hosting (www.tobiasschulenburg.de) / 55 € Studien­ gebühren (Kunsthochschule für Medien Köln – Diplom 1 für me­diale Künste, derzeitige Schwerpunkte: Zeichnung & Literarisches Schreiben) / 30 € Rückzahlungen (BAföG­-Schulden aus dem 1. Studium – B. A. Transportation Design an der Hochschule für Gestaltung Pforzheim) / 228 € Lebensmittel + Haushalt + Wohnung / 26 € Gesundheit + Derma / 15 € Kosmetik / 121 € Freizeit + Soziales / 16 € Kleidung / 11 € Kunst (Einnahmen aus Verkauf von Zeichnungen und Lesehonorare (5 € insgesamt bei der freien Dichterstunde am Montagabend im Café Storch, Ge­tränke schon abgezogen) bereits eingerechnet). Dies ergibt 1026 € monatliche Ausgaben insgesamt – dagegen stehen ca. 969 € monatliches Gehalt aus Lohnarbeit (Büroassistent). Der Rest­ betrag wurde durch Nachzahlungen und Geldgeschenke gedeckt.

Als es im Winter noch nach Kohleöfen roch

„Bloß kein Kölsches Jeföhl der Berauschtheit am stets frisch gezapften und fleißig augeschenkten Mythos der Dom-Metropole aufkommen lassen“, schreibt Thomas Dahl in seiner Besprechung über das Kalk Alphabet von Jonas Linnebank auf Rheinerlei.de und weiter: „Durch ein graubraun-visualisiertes Straßenbild, das sinnliche Erinnerungen an den Geruch von winterlichen Kohleöfen verströmt, ziehen die Menschen ihre Runden zwischen Aldi, Amt und Nudelrestaurant sowie einem lautstarken Palaver oder nicht minder hörbaren Streit vor den Teestuben.“ Den ganzen Beitrag kann man hier nachlesen.

Kalk für Fortgeschrittene

„Nein, an Ortsfremde, Zugezogene mit konkretem Informationsbedarf zum Alltagsleben oder gar an Touristen wendet sich das kürzliche erschienene Kalk Alphabet überhaupt nicht. Doch [es] versammelt sehr persönliche Erinnerungen, Impressionen, Beschwerden oder Fantasien von 15 Autoren, die sich eines oder mehrerer Buchstaben angenommen haben. Kalk für Fortgeschrittene also – oder für Leser, die mehr über Kalk erfahren möchten“, schreibt Hans-Willi Hermans in seiner Besprechung des Kalk Alphabets von Jonas Linnebank im Kölner Stadt-Anzeiger.

Roland Schappert: Du fällst mir leicht

Geht es Ihnen auch so, dass sie bei Möhre gar nicht mehr zuerst an das Gemüse sondern an die U-Bahn-Station in Berlin denken? Die Gedichte in Du fällst mir leicht von Roland Schappert jonglieren mit sprachlichen Versatzstücken und arrangieren sie neu. Sie sind der täglichen Aktualisierung von Sprache auf der Spur und loten den fließenden Bereich zwischen der Freiheit der Rede / Freedom to speak und dem sorgfältigen Abwägen von Sprache, die immer auch Machtkonstellationen ausdrückt.

Am 2. Oktober 2020 diskutieren Roland Schappert und Ilka Helmig mit NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen und dem Vorsitzenden des Kulturrates NRW, Gerhart Baum über Nach der Krise: Durchstarten!, im Künstlerverein Malkasten in Düsseldorf (18 Uhr). Die Buchpremiere findet am 14. Oktober im Kunstverein Essen statt (19 Uhr).

Roland Schappert: Du fällst mir leicht. Gedichte, 78 Seiten, Preis: 12,- € – ist ab sofort lieferbar

Roland Schappert, der flackerndes Licht in Köln erblickte, ahnt lange nichts von Kunst und Fragen der Identität. Mehrdeutigkeiten und Unmöglichkeiten der Sprache, die er selbst nie erreicht, die interessieren ihn schon. Widersprüche nicht unbedingt als Vertrauensverlust zu werten und dabei weder in Lähmung noch Gleichschaltung zu verfallen, wäre doch ein Leben wert.

Kinga Tóth erhält den Prix littéraire Bernard Heidsieck – Centre Pompidou 2020

Im Pariser Centre Pompidou wurde gestern (am John Giorno Poetry Day) der Prix littéraire Bernard Heidsieck – Centre Pompidou verliehen. Für ihre Literatur „hors du livre“ (außerhalb von Büchern) wurde Kinga Tóth geehrt. Der Ehrenpreis ging an den Gerhard Rühm (Köln/Wien). „Poète, performeuse et artiste, Kinga Toth écrit et publie des nouvelles, des poèmes et des pièces de théâtre en hongrois, en allemand et en anglais. Musicienne, chanteuse, poète visuelle et sonore, elle présente son travail dans des performances, des expositions et des installations internationales“, wie ActualLité berichtet. 

Die Preisverleihung unter Palmen kann man hier im Video anschauen (Laudatio ab Min. 22:00). Party und Wir bauen eine Stadt – Literatur in Büchern von Kinga Tóth erhalten Sie bei uns!

Die Kletterpflanze unter den Literaturfestivals

Für das Stellwerk Magazin berichtet Lisa James von unserem Europäischen Literaturfestival: „Samstagmittag in Köln-Kalk. Pastellfarbene Papier-Pompons wippen im Wind, die Leute stöbern mit einem Kaffee in der Hand am bunt gemischten Büchertisch unter den Kirschbäumen, aus den Boxen tönt Musik. Auf dem Ottmar-Pohl-Platz ist eine kleine Bühne aufgebaut, rundherum stehen vereinzelt Stühle, Bänke und eine Hängematte. Kinder spielen im Hintergrund auf den Weiten des Platzes, die Sitzplätze füllen sich allmählich mit Studierenden, älteren Frauen und Männern, AnwohnerInnen – Literaturinteressierten.“

Von den Lesungen, den Gesprächen über Literatur und Übersetzung auf dem Ottmar-Pohl-Platz oder der Pflanzstelle, vom Festival als Kletterpflanze und Oktopus erfährt man im ausfühlichen Artikel hier.

Festival-Bücherpaket ELK 2020

Wer das 2. Europäisches Literaturfestival in Köln-Kalk verpasst hat oder alle Texte noch einmal nachlesen möchte, dem sei das Festival-Bücherpaket empfohlen. Darin enthalten sind Abecedar von Pablo Jofré, was sollen wir mit all der schönheit? von Rasmus Nikolajsen, Wellenlängen deines Liedes von Eleonore Schönmaier, Wilde Tiere von Krišjānis Zeļģis, die Anthologie Was es bedeuten soll mit Texten von Zahava Khalfa, In Frauenkleidung von Zoltán Lesi (erschienen bei mosaik), die neuste Ausgabe der KLiteratur mit Texten von Željana Vukanac, das Kalk Alphabet und der Festival-Reader mit Autorenportraits und Texten aller Autor*innen (inkl. Margarita Athanasiou). Das Paket gibt es zum Preis von 85,- € (Lieferung in D frei haus) und kann nur hier in unserem Buchladen bestellt werden.

Eleonore Schönmaier: Wellenlängen deines Liedes

Die Gedichte der kanadischen Dichterin Eleonore Schönmaier aus dem Band Wellenlängen deines Liedes sind in der nordkanadischen, post-industriellen Landschaft der borealen Wälder angesiedelt. Sie ziehen eine Spur von dort in die urbane Welt der Exilanten, der Kunst, Musik, Literatur und Wissenschaft und wagen den Sprung über den Atlantik nach Europa. Wie Kettenglieder fügt sich ein Gedicht zum anderen. Das folgende Gedicht ist immer eine Antwort auf das vorherige und ein Weiterschreiten auf einem langen, musikalisch-poetischen Weg. „Das Fließende innerhalb der Gedichte spiegelt sich in ihrer feinsinnigen Anordnung. Die Wirkung gleicht der einer Symphonie mit verwobenen und subtil variierten musikalischen Motiven, und wie bei einer Symphonie entsteht so ein komplexer Zusammenklang.“ (Arc Poetry Magazine)

Die Übersetzung von Wavelenghts of your song ins Deutsche hat Knut Birkholz besorgt. Mit dem umfangreichen Gedichtband veröffentlichen wir als Verlag zum ersten Mal einen Titel aus Nordamerika, aus Kanada, dem Gastland der Frankfurter Buchmesse 2020 bzw. 2021. Eleonore Schönmaier wird am 4.-6. September 2020 beim Europäischen Literaturfestival in Köln und voraussichtlich am 15. Oktober 2020 bei der Buchmesse in Frankfurt lesen.

Eleonore Schönmaier: Wellenlängen deines Liedes. Gedichte aus dem Englischen von Knut Birkholz, 166 Seiten, Preis: 15,- € – ist ab sofort lieferbar

Eleonore Schönmaier, geboren und aufgewachsen in einer abge­legenen Siedlung Nordkanadas, lebt sie heute teils an der kana­dischen Atlantikküste, teils an der niederländischen Nordseeküste. Sie ist die Autorin von drei von der Kritik gefeierten Gedichtsamm­lungen, erschienen bei McGill­Queen’s University Press, wo im Jahr 2021 ihr vierter Band, Field Guide to the Lost Flower of Crete, erscheinen wird. Sie hat namhafte Literaturpreise gewonnen, da­runter den Alfred G. Bailey Prize, den Earle Birney Prize, den National Broadsheet Contest und den Sheldon Currie Fiction Prize. Ihre Gedichte wurden von griechischen, niederländischen, schottischen, amerikani­schen und kanadischen Komponisten vertont. Ihre Lyrik wurde in vielen Anthologien in Kanada und den Vereinigten Staaten und zu­ dem in Best Canadian Poetry veröffentlicht.

Knut Birkholz ist Autor, Übersetzer und Kurator. Er hat in den Be­reichen Ausstellungskuration, Architekturjournalismus und Kunst­kritik gearbeitet, seine nichtliterarischen Texte wurden in Ausstel­lungskatalogen, Architekturzeitschriften und Kunstausstellungen veröffentlicht. Im Jahr 2007 wurde er für den Literaturpreis Open Mike nominiert. Er hat bislang drei Romane geschrieben und litera­rische Arbeiten in Anthologien, Literaturmagazinen und Kunstaus­stellungen publiziert. Seit 2017 initiiert er Erstübersetzungen von Lyrik, Drama und Prosa aus dem Niederländischen und Englischen ins Deutsche. Seit 2018 ist er Kurator des internationalen Atelier­programms IAP Weimar, seit 2019 Kurator der Kunstinitiative Manifold Books Amsterdam. Geboren und aufgewachsen in der DDR, lebt er seit bald zwanzig Jahren in den Niederlanden

2. Europäisches Literaturfestival Köln Kalk

Zum 2. Mal findet vom 4. bis 6 September 2020 das Europäische Literaturfestival Köln Kalk (ELK) statt. Das ELK2 ist eine Kooperationsveranstaltung des Integrationshaus e.V., der KLiteratur, des KUNTS e.V. und der parasitenpresse.

Acht internationale Dichter*innen aus Europa und darüber hinaus kommen an einem langen Wochenende nach Köln Kalk.
Lesen werden im Hauptprogramm: Margarita Athanasiou (Griechenland), Pablo Jofré (Chile), Zahava Khalfa (Israel), Zoltán Lesi (Ungarn), Rasmus Nikolajsen (Dänemark), Eleonore Schönmaier (Kanada), Željana Vukanac (Serbien) und Krišjānis Zeļģis (Lettland)

Grober Ablaufplan

Freitag, 4.9., 18 Uhr: Auftaktveranstaltung mit allen Autor*innen auf dem Ottmar-Pohl-Platz (Open Air)

Samstag, 5.9., 12 bis 22 Uhr: Europa liest – Lesungen mit allen Autor*innen und Nebenprogramm auf dem Ottmar-Pohl-Platz und in der Pflanzstelle Kalk (Open Air)

Sonntag, 6.9., 10 bis 16 Uhr: Kater, Kultur & Kalk Alphabet – Lesungen und Musik mit den ELK Alumni, den Teilnehmer*innen des ELK Schreibworkshops und den Autor*innen des Kalk Alphabets auf dem Ottmar-Pohl-Platz (Open Air)

Lesungen auf Griechisch, Spanisch, Hebräisch, Ungarisch, Dänisch, Englisch, Serbokroatisch und Lettisch und in deutscher Übersetzung.

Zu allen Veranstaltungen ist der Eintritt frei!

Weitere Infos: www.eulit.org

ELK2 Teaser