Tjawangwa Dema: Meuterin

Unsere internationale Lyrikreihe setzen wir mit Gedichten der botswanischen Dichterin Tjawangwa Dema fort, die Anna Pia Jordan-Bertinelli ins Deutsche übertragen hat. „Die Verknüpfung von Gender und körperlicher wie emotionaler Arbeit zieht sich durch die Gedichte von Tjawangwa Dema: Mal in Gestalt der sorglosen (oder leichtfertigen, nachlässigen, achtlosen) Schneiderin, mal als Mutter, Tochter oder Schwester, als Ehefrau, Arbeiterin oder Meuterin. Dema richtet ihren Blick auf das, was gleichermaßen alltäglich wie übersehen ist, auf diejenigen, die ‚[s]chaffen im Schatten / und im Licht [sich] begnügen / mit Dingen wie Atem und Brot‘ (Frauen wie du). Der weibliche Körper, gerade in der Lyrik oft als makellos dargestellt, ist hier eben kein Ausstellungsobjekt: Er ‚blutet und vernarbt, altert, leistet Widerstand und warnt‘, wie es im Klappentext des Originals heißt. Die Frauen in Demas Gedichten erheben ihre Stimme und ihren Blick, artikulieren den female gaze auf eine männlich dominierte Landschaft” (aus dem Nachwort).

MEUTERIN

Ich wurde entdeckt
ein Bein zum Licht gestreckt

Sie holen mich
während ich nackt bin wie Wüstensand

Feucht hinterm Ohr / ich bin Regen
zwischen Schenkeln / ich bin Wald, lasse alles neu wachsen

Ich bin Sand, lasse die Fülle der Jugend verrinnen
Ich bilde Kiemen im Namen eines aufziehenden Sturms

Tjawangwa Dema: Meuterin. Gedichte aus dem Englischen von Anna Pia Jordan-Bertinelli, 60 Seiten, Preis: 12,- € – ab sofort lieferbar

Tjawangwa Dema / TJ Dema (*1981, in Gaborone/Botswana) ist Dichterin, Kulturschaffende und Honorary Senior Research Associate an der University of Bristol. Sie kuratiert und produziert Literaturfestivals und Veranstaltungen und hält Seminare und Workshops an Universitäten, Schulen und anderen Institutionen. Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte war sie u.a. beim Literaturfestival Stimmen Afrikas, beim Poesiefestival in Berlin sowie bei zahlreichen weiteren internationalen Literatur- und Poesieveranstaltungen zu Gast. Ihre Gedichte wurden als Songtexte sowie für Theater- und Tanzperformances adaptiert, auf Postkarten aus einem Hubschrauber über London abgeworfen und unter anderem ins Spanische, Chinesische, Kroatische, Portugiesische und Deutsche übersetzt. 2020 war ihr Gedicht Lethe das Festivalgedicht des ZEBRA Poetry Film Festivals. Eine Auswahl ihrer Gedichte wurde 2014 unter dem Titel Mandible in der Reihe New-Generation African Poets des Afrika Poetry Book Fund veröffentlicht. Ihr Band The Careless Seamstress, aus dem die hier ausgewählten übersetzten Gedichte stammen, wurde 2018 mit dem Sillerman First Book Prize For African Poets ausgezeichnet.

Anna Pia Jordan-Bertinelli, geb. 1991 in Aachen, studierte Germanistik und Skandinavistik in Tübingen und Köln. Vor und während des Studiums Auslandsaufenthalte in Asker, Oslo und Turin. Zurzeit lebt sie in Köln und Johannesburg/Südafrika und übersetzt aus dem Norwegischen und Englischen. Für die parasitenpresse übersetzte sie Hatte Kurt Cobain eine E-Mail-Adresse? von Audun Mortensen aus dem Norwegischen (2019).

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde mit Mitteln des Auswärtigen Amtes unterstützt durch Litprom e.V. – Literaturen der Welt.

Gedichte aus Myanmar

Im Literaturmagazin Bremen schreibt Artur Becker über seine Übersetzung der Gedichte des Dichters Di Lu Galay aus Myanmar, die er aus dem Englischen ins Deutsche überträgt, ohne das birmanische Original verstehen zu können. „Eine Übersetzung aus einer Übersetzung ist immer eine heikle Sache, da man vieles intuitiv erahnen muss – man darf vor allem keine Angst haben, Fehler zu machen. Aber man muss eine poetische Vorstellung von der Dichtung haben, deren Sprache und Schrift einem zudem komplett fremd sind.“ Der Band Ein Oktopus, aber so viele Handschuhe ist gerade im Druck, erscheint Anfang Juni in Zusammenarbeit mit der Sylt Foundation in Johannesburg und kann nun vorbestellt werden.

„Dis Gedichte kreisen oft um Gewalt und Angst vor dieser, und seit dem Militärputsch im Februar 2021 in Myanmar verstehe ich besser, warum die Gewalt in Dis Lyrik ein immer wiederkehrendes Motiv ist, wie zum Beispiel in dem kurzen Gedicht Rennen, verstecken, schießen und töten – er wuchs ja in einer Militärdiktatur auf. Während der Arbeit an der Übersetzung beschränkte sich unser Kontakt auf kurze, sporadische Nachrichten auf WhatsApp, da Di selten und nur für kurze Dauer das Internet nutzen konnte“. Der ganze Text findet sich hier.