Übrig und fräßig

„Kaffesatz als etwas Übriges, zum Übrigen Bestimmtes, als Indikator vor dem Satz“, schreibt Elisa Weinkötz in ihrem Versuch über rost und kaffeesatz von Nora Zapf. Und weiter: „Rost als etwas Fräßiges, Abtragung, Verfärbung, Ansatz, Zusatz.
Das Ganze dann programmatisch: Sprachlich, lautlich, syntaktisch. Da fehlen Endungen von Verben, da setzt was Neues an.
‚woher wird das bohnenfutter kämen bloß wären vielstaltig auf weltreise ging‘.
Ich denke an die harte Fügung, mit der Hellingrath Hölderlin erklärt, das nur am Rande.
Ich denke an dialektale Tilgung. Ich denke, dass das hier nichts mit suggerierter Sprachohnmacht zu tun hat. Da spricht niemand Deutsch, der’s nicht kann.“ Der ganze Text ist im Signaturen-Magazin nachzulesen.

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Über verschwundene O.s

In einer ausführlichen Auseinandersetzung mit den Gedichten aus Christoph Georg Rohrbachs O. geht Armin Steigenberger den geographischen und geschichtlichen Spuren in deutsch-polnisch-tschechische Gefilde nach und verknüpt seine Überlegungen mit Hölderlin. „Wo Hölderlin sein Lied an die heilige Unschuld intoniert, das Gute und Reine huldigt und mit dem Himmlischen allein sein möchte, kreisen Rohrbachs Texte um Verlust, Zerstörung, Auslöschung, Entweihung“, schreibt Steigenberger. Erschienen ist der Beitrag im Signaturen-Magazin.

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Dominik Dombrowski: Fremdbestäubung

Fremdbestäubung heißt der neue Gedichtband von Dominik Dombrowski. „Fremdbestäubt“ ist in den Texten zunächst ein Kind von „verbotenen Stuyvesants“. Doch dieses Verbot und seine Übertretung weisen schon auf den Fortlauf hin, auf den Menschen – als Einzelkämpfer, auf die Gedichte, die durch viele literarische und filmische Einflüsse ihre eigenen Grenzen übertreten. Dombrowski galoppiert durch die Prärie von Bibel zu Western, von Hölderlin zu Hühnerfarm. Es gelingt ihm, das Disparate und Verstörende unserer Zeit einzufangen, zu bündeln und in kleine giftige Dosen aufzuteilen, die diese Gedichte sind.

„Dombrowski ist ein Road-Melancholiker Cut. 1 Fortfremdler Cut. In Bildschnitten, die ausschneisen Cut. Weil diese Gedichte so bildverstörend Cut. unterwegs sind und im Dialog mit den Verhältnissen Cut. Verluste schlürfen, beworten sie Cut. Gedächtnisklammern Cut. wider die Vereinsamung Cut. Manchmal sanftironisch, bisweilen in lindkruder Verwunderung Cut. Was für ein Lonely-Rider der Poesie, die Hand ausstreckend!“ schreibt José F.A. Oliver über die Gedichte.

Dominik Dombrowski, geb. 1964 in Waco/Texas/USA, lebt in Bonn. Studium der Philosophie und Literaturwissenschaften. Freier Lektor. Er war u.a. Finalist beim Lyrikpreis München, Hausacher Stadtschreiber und Stipendiat im Künstlerdorf Schöppingen. 2013 erschien von ihm in der parasitenpresse das Lyrikheft Finissage.

Dominik Dombrowski: Fremdbestäubung. Gedichte, 44 Seiten, Preis: 9,- € – erscheint heute in unserer Reihe Die nummernlosen Bücher und ist ab sofort lieferbar.

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