Klopstock mit ö

„Mit Witz und intellektueller Verve schöpft er aus der Wirklichkeit und findet die guten Kalauer“, schreibt Tom Schulz über Gerald Fiebig und seinen neuen Gedichtband motörhead klopstöck (in einer Doppelbesprechung mit Marcel Beyer) im Luxemburger Tageblatt. Und weiter: „Die Gedichte haben mitunter einen Flow, der seinesgleichen sucht. Fiebig tanzt in seinen Texten zur besten Musik, so wie einst die Band Fehlfarben sang … Für den Band Motörhead Klopstöck, …, sollte man ihm die Goldene Schallplatte verleihen.“

Gerald Fiebig: motörhead klopstöck

Wie im Titel der Name einer Rockband und der eines Dichters, so werden auch im neuen Gedichtband motörhead klopstöck von Gerald Fiebig diverse thematische und formale Stränge zusammengeführt. Thematisch gilt dies etwa für die intensive Auseinandersetzung mit Massenmedien und Popkultur, aber auch die an konkreten Orten festgemachte Suche nach Spuren von Faschismus, Krieg und Kolonialismus. Wie in früheren Bänden begegnet uns Fiebig als melancholischer bis wütender Beobachter entfremdeten Alltags. Von einer gänzlich unbekannten Seite zeigt sich der Autor hingegen in den Liebesgedichten. Eine eigene Abteilung des Buches ist der sprachspielerischen Dekonstruktion von sprachlichen Geschlechter-Stereotypen gewidmet.

In formaler Hinsicht ist motörhead klopstöck wohl Fiebigs variantenreichstes Buch. Das im Titel angekündigte Niederreißen von Pop- und „Hochkultur“-Grenzzäunen ist Programm. Von Odenstrophe und Sonett über chiffrenhafte Lakonik und dadaeske Collagetexte bis zu binnenreimgetriebenen Spoken-Word-Gedichten bringt Fiebig hier ein breites Spektrum an lyrischen Formen zum Einsatz.

Die Release-Lesung findet am 25. Juni im Parasiten TV statt, live gestreamt ab 20.30h unter http://www.facebook.com/parasitenpresse.

Gerald Fiebig: motörhead klopstöck. Gedichte, 52 Seiten, Preis: 10,- € – ist ab sofort lieferbar

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Gerald Fiebig (geb. 1973) wohnt in Augsburg. Er ist Lyriker, Audiokünstler sowie Mitglied der Band Jesus Jackson und die grenzlandreiter und des Duos KLONK (zusammen mit Tine Klink). Zuletzt erschienen von ihm der Gedichtband nach dem nachkrieg (parasitenpresse 2017) und die CD Gasworks (Gruenrekorder 2019). www.geraldfiebig.net

Release-Tour: motörhead klopstöck

Ende Juni erscheint motörhead klopstöck, der neue Gedichtband des Augsburger Schriftstellers Gerald Fiebig. Bis zum Erscheinungstermin gibt es vom 21. Mai bis 25. Juni 2020 immer donnerstags um 19 Uhr im Literaturkanal Augsburg eine Online-Lesung von Fiebig, erst aus älteren Büchern, dann aus motörhead klopstöck. Alle Termine en détail sind hier zu finden. Den Band, der 10,- € kosten wird, kann man jetzt schon vorbestellen. Wer den Vorgänger-Band nach dem nachkrieg noch nicht kennt, dem empfehlen wir das Gerald-Fiebig-Bücherpaket. Wer jetzt bestellt, bekommt nach dem nachkrieg zuerst geliefert, motörhead klopstöck folgt dann Ende Juni (Preis 15,- €).

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Zerebraler Kontaktaufbau

„Fiebigs Lyrik ist lyrisch und kantig zugleich“, schreibt Martin Schmidt über nach dem nachkrieg in a3kultur, dem Feuilleton für Augsburg, „die Gedichte sind ein emotionaler und zerebraler Kontaktaufbau mit einem Steingebäude, das vor Historie flirrt. Fiebigs Worte sind eine Deutschstunde im doppelten Sinne: Geschichte, Gedichte, (alte und neue) Gewichte.“

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Geschichte beschwören

Die Süddeutsche Zeitung bringt eine großen Bericht über Gerald Fiebigs nach dem nachkrieg und das Augsburger Kulturhaus Abraxas. „Die Texte in dem schmalen, gut gestalteten Heft ‚Nach dem Nachkrieg‘ (Parasitenpresse) handeln vom Kulturhaus im Augsburger Stadtteil Kriegshaber, das Fiebig seit 2015 leitet. Die Verse kommen leichtfüßig daher, transportieren ihren Inhalt unmerklich. Das geht bei der Adresse los“, schreibt Sabine Reithmaier. Den ganzen Artikel gibt es hier nachzulesen.

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kein schlaf bis kriegshaber

Zum Gedichtband nach dem nachkrieg von Gerald Fiebig veröffentlichen wir heute einen Bonustext, der nicht im Band enthalten ist.

 

kein schlaf bis kriegshaber (nach motörhead)

we are the road crew, auf signalwegen unterwegs
durch die besatzungszeitzonen, zwischen 45 & 95,
zwischen 230 & 110 volt: another europe map to learn.

wir arbeiten da, wo sich aux & esel gut’ nacht sagen.
wo sich hase & igel & raupe & raupe
& der schweigefuchs mit den devil horns
die klinkenkabel in die hand geben. we are the road crew.

wir arbeiten an der basis, & umverteilung kommt
an uns nicht vorbei. schon gar nicht, wenn’s um
elektroverteilung geht. i sing the body electric,
& ohne elektrizität singt hier niemand. du brauchst
mehr monitor? „shure, man.“ (das können wir auf türkisch,
vietnamesisch, auf russisch & butoh. another word i learned to say.)

wir entscheiden, wem wir seine (oder ihre) stimme geben,
denn der fader ist mächtiger als das schwert.
wir sind die herren über licht & schatten,
über die ballettteppichschicht auf den bodenlatten,
über riser & trusses, über nacht & nebelmaschinen.
we are the road crew.

wir halten hier mit leiter & gehörschutz,
mit hammer & sichel, äh, akkuschrauber,
mit geduld & spucke & kleber den laden zusammen:
another tube of superglue. another turn. another screw.
wir nehmen’s immer ganz genau. wir kennen unsre VstättV.
we are the road crew.

& wenn ihr weg seid, sind wir die letzten, die bleiben.
wir messen die stille nach dem ende des lärms.
another gig, my ears bleed. alle fader
sind unten, doch die feder
ist mächtiger als die schwerkraft & macht,
dass die blauen stühle im leeren theater
langsam nacheinander nach oben klappen.
& das macht ein geräusch, das ihr nie hören werdet.
das kennen nur wir. we are the road crew.

ihr seid die gaffer, aber wir ha’m das gaffa.
& wenn’s mit gaffa nicht mehr hält, dann spax ma’s.
we are the road crew aus dem abraxas.

für Andi, Bert, Georg, Peter & Wolfi

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Das Echo der Kaserne

„Was sich da (in das Kasernengelände) eingeschrieben hat, dem spürt Fiebig in einem neuen Gedichtband nach“, schreibt die Augsburger Allgemeine über nach dem nachkrieg. Und weiter: „Ein sehr ungewöhnliches Kapitel Augsburger Geschichtsschreibung ist Fiebig an diesem Ort gelungen.“ Dass Lyrik auch Geschichte kann, freut uns natürlich.

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