Argentinisches Bücherpaket

Heute beginnen wir wieder mit unseren beliebten, vorweihnachtlichen Bücherpaketen. Den Aufschlag machen zwei Titel mit Argentinien-Bezug. In der lateinamerikanischen Reihe Barra de poesía erschien im Oktober der Band Füllhorn von José Villa aus Buenos Aires in der Übersetzung von Léonce W. Lupette. Im September starteten wir mit Señoritas eine neue Booklet-Reihe, die Text und Kunst zusammenbringt. Dort steht das Bild Señoritas des argentinischen Künstlers Gastón Liberto im Mittelpunkt. Dazu haben Christian Ingenlath und Kathrin Schadt Gedichte geschrieben. Das Ganze ist zwar in Barcelona angesiedelt, ist aber wiederum von der argentinischen Autorin Esther Andradi ins Spanische übersetzt. Beide Titel zusammen gibt es bei uns für 15,- €.

 

José Villa: Füllhorn

„Wahrnehmung, Zeit, Erinnerung – das sind die Themen dieser Gedichte. Und zwar nicht die Zeit, wie man sie auf den ersten Blick von einem Füllhorn erwarten könnte: Hier geht es nicht um Herbst und Ernte, um den Zyklus der Fruchtbarkeit und die Feier der Fülle. Zwar wird die Göttin Copia, als Allegorie der Fülle mit dem Cornucopia genannten Füllhorn dargestellt; sie ist damit aber auch Personifikation des Übermaßes und der .berfülle. Denn das Füllhorn ist vor allem eine Referenz auf die Bewegung zwischen dionysischem Exzess und dem darauf folgenden Absterben, auf den niemals endenden Übergang zwischen Exzess und Vergänglichkeit. Und diese Texte wimmeln vor Übergängen aller Art: metaphorischen, lexikalischen, visuellen, rhythmischen, zeitlichen“, schreibt der Übersetzer Léonce W. Lupette im Nachwort zum Gedicht-Zyklus Füllhorn von José Villa. Füllhorn erscheint heute in unserer Reihe Barra de Poesía – Lyrik aus Lateinamerika.

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TRAUBEN

Skizziert ein Chronogramm in seinem Kopf. Die Trauben erscheinen.

Hoch. Der Mann betrachtet sie. In abrupten Intervallen. Wie

abgebracht von seinem Weg: rote Fadenlinien

mit Nummern; Streichungen; Zeichen die sie ändern.

Die lauen Trauben. Zwischen Tageslichtern.

Unwirklich. Der Gedanke der Trauben setzt im nächsten Monat nicht an.

Gläsern. Blaues Samtfutter deckt sie.

Sie scheinen zu kreisen. Mit melodischer Natürlichkeit die ihre Form

zurückgewinnt. Um sich herum erwecken sie bloße Kehrseiten.

Benommene Punkte.

*

DER AUTOR

José Villa (geb. 1966 in Martín Coronado, Provinz Buenos Aires) ist ein argentinischer Lyriker und Vertreter der generación del 90. Er war Herausgeber der legendären Zeitschrift 18 Whiskys sowie Teil des Verlags Ediciones DelDiego. Veröffentlichungen: 8 Poemas (DelDiego, Buenos Aires 1998), Poemas largos (Ediciones 73, Bariloche 2005), Es un campo (Selecciones de Amadeo Mandarino, Buenos Aires 2006) und Camino de Vacas (Gog y Magog, Buenos Aires 2007).

DER ÜBERSETZER

Léonce W. Lupette, freier Autor, Übersetzer und Herausgeber zwischen Göttingen und Buenos Aires. Lyrik: Tablettenzoo (Luxbooks 2013). Übersetzung: John Berryman: 77 Dream Songs (Luxbooks 2015). www.karawa.net

José Villa: Füllhorn. Gedichte aus dem Spanischen und mit einem Nachwort von Léonce W. Lupette, 16 Seiten, 7,- € (Barra de Poesía Nr. 04)