Exotisches Krabbeln

„Zwei Teile hat das Buch, erst Gedicht(e), die längs und quer über die Seiten krabbeln, wie exotische Tiere, Leguan und Jaguar, Mondfisch, Fregattvögel oder die gemeinen Grackeln. Und dann Reisen im erdbebendurchschüttelten Dichterfieber durch Chiapas, angefreundet mit unendlichem Regen und zu Prosa lähmender Hitze“, schreibt Franz Hofner über Am Rande der Wahrscheinlichkeit von Mexiko von Stan Lafleur in einer halluzinierenden Besprechung bei fixpoetry.

Cover Lafleur 4

Wie Narben

„Schön komponiert, ist jedes Kapitel von einer kleinen Sinneinheit getragen, die die aufeinanderfolgenden Gedichte verbindet; die Erneuerung des Menschen bei Zahnarzt und Friseur, die Narben von Natur und Mensch, oder die Wäsche, die Anzeichen eines nicht erinnerbaren Geschehnisses trägt“, schreibt Elke Engelhardt über Die Handschrift einer Nadel von Arvis Viguls in einer ausführlichen Besprechung bei Fixpoetry. „Viguls Lyrik erscheint wie eine Abfolge einzelner Schnitte, die dennoch einen Film ergeben. Vielfältig. Eindeutig. Wie Narben, die immer als Narben zu erkennen sind, auch wenn unsicher bleibt, von welcher Verletzung sie herrühren.“

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Wälzen, rollen, kauen

„Das Wälzen oder Rollen eines Steines, das Abgeben eines eigenen Antriebes, durchzieht Künstliche Tölpel (…) Der zweitteilige Text (…) lebt auch stilistisch von einem Kauen bzw. Wälzen. Lange Sätze beschreiben gewollt umständlich das zielbefreiende Denken Laszlos, der (…) beschließt Stein am Rheinufer zu werden“, schreibt Jonis Hartmann auf Fixpoetry über Dominik Dombrowskis Erzählung. „Ein echter Runterzieher, schön (…), federleicht und galgenhumorig, trotz des schweren Bluts.“

Cover Dombrowski Tölpel

Verschlucken und verschlingen

Über stimmapparatvibrato von Walter Fabian Schmid schreibt Frank Milautzcki bei Fixpoetry eine aus führliche Besprechung, die alle Textteile und Illustrationen genau und treffend ins Visier nimmt: „Man beachte: es ist ein buchstabmbett. Da hat jemand sehr genau hingehört und gehört, daß wir oft gar nicht genau hinhören, wenn wir sprechen, daß wir verschlucken und verschlingen beim Raushaun und mmmmmen und nnnnnen und das auch gern vertauschen. Ganz klar erinnert man Thomas Kling, erinnert man Ernst Jandl, aber hat nie das Gefühl im Beerben läge irgendein Makel. Walter Fabian Schmid ist ein Lautmensch, dem die Vokale fehlen, weil der Mensch ins Stottern gekommen ist. Er ist auch ein genauer Schilderer, webt poetische Bilder in die Lautmalereien ein, die tragen, ist konstruktiv zugange in mutiger Abstraktion.“

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Sprache und Bild im Museum

„Hier offenbart Nischkauer auf anschauliche Weise diesen spezifischen Mehrwert des Interdisziplinären im künstlerischen Arbeiten an sich“, schreibt Marcus Neuert bei Fixpoetry über die Museumsgedichte in Satyr mit Thunfisch von Astrid Nischkauer. „In ihren Gedichten spiegelt sich nicht einfach ein kongenialer innerer Bezug zum bildnerischen Kunstwerk (auch das allein wäre ja schon geeignet, reizvolle und zur Reflexion anregende Rezeptionsmomente zu schaffen), sondern eine ganz enge Verschränkung der beiden unabhängigen Produktionsebenen. Dass sich im konkreten Fall, ausgehend vom bereits vorhandenen Dinglich-Bildnerischen, nur die Sprache eben darauf beziehen kann und nicht unmittelbar umgekehrt sich bildnerisches Schaffen an Sprache orientiert, kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich dadurch trotzdem auch das Bild verändert – nämlich durch die individuelle Sichtweise darauf, die ohne das Gedicht eine andere wäre – oder zumindest sein könnte.“

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Alles-wird-gut-Mann

„Lasters Texte klingen nach Spiel, das fällt den Klappentextern, Laudatoren (…) verlässlich ein, ein Hang ins Surreale, das mich das Büchlein im Regal neben ‚Hund und Mond‘ von Matthew Sweeney stellen ließe, wenn nicht die Kölner parasitenbände ihre Verwandtschaftsrechte durchsetzen“, schreibt Franz Hofner in einer Besprechung für Fixpoetry von Ruth Lasters‘ Lichtmesser. Und weiter: „Das beginnt bei den allerersten Worten des Buchs mit dem Spott über den ‚Alles-Wird-Gut-Mann‘, der täglich aufgezogen werden muss (sonst droht die Arbeitspflicht am Alles-Wird-Besser-Mann) und endet nicht bei der Reihung der vergangenen Liebhaber in der Lang-Badewanne, wo jeder dem Vorgänger den Rücken zu waschen hat.“

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