Der Kranich kriegt keine Panich

In der Süddeutschen Zeitung bespricht Antje Weber vier Gedichtbände zur aktuellen Lage getreu dem Motto: „Alle Gedichte bleiben geöffnet – auch die hermetischen!“ (Christoph Wenzel). Auch eins: zum andern von Karin Fellner wird darin empfohlen. Fellner „nimmt die Sprache auseinander, spielt mit ihrer Lautgestalt: Sprache wird da schon mal zur ’schsch bra-brach-e‘, wie man überhaupt die wichtigste Botschaft dieser Gedichte in dem Ausruf sehen könnte: ‚Sprahahache, ach! bewegtes Gefilde‘.“ Das Spiel mit der Sprache kann Rückzug sein, aber nicht nur. „Das schließt natürlich den Spaß am Spiel ein, denn immer wieder biegen Fellners Gedichte ‚von der Quetschung in den Quatsch‘ ab: ‚Der Kranich, der Kranich, / der kriecht keine Panich!‘

Cover Fellner eins

Flip-Flop im Kopf

„Vorsicht, dieser Gedichtband steht unter sprachelektrischer Hochspannung! Er ist derart aufgeladen, dass Lichtenberg-Figuren entstehen“, schreibt Tobias Lehmkuhl in der Süddeutschen Zeitung (12.11.) über eins: zum andern von Karin Fellner. Und weiter: „Karin Fellner hört in der Sprache das Ach, erkennt in der Störung den Stör und folgt mit ihm der Strömung weiter zu „komischen, kosmischen Ringen“. Dabei wirkt es so, als könnte sie nur mit Mühe das Brausen und Blubbern der Wörter unter Kontrolle halten – souveräne, sprich gepflegt-langweilige Meisterschaft sucht man in eins: zum andern zum Glück vergeblich. Die Münchner Dichterin setzt sich in ihrem fünften Band der Sprache, diesem verflixten Etwas, vielmehr ganz ungeschützt aus.“

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Federung, komplementär

„Wenn nun zwei gleichzeitig dasselbe sagen – so will’s der Volksmund –, bleiben sie ein weiteres Jahr zusammen. Hier bezeugen sie dabei einzig jenes Bezogen-Sein selbst, worin jeder den anderen als ‚Ko(mplementär)‘ schätzt. So ist diesem Bekenntnis vieles ergänzend hinzuzudenken: die Abgeklärtheit des Zen ins Kosen, Bücher (lat. libri) in die flirrend-flüchtige Augenweide eines Vogel-Winzlings und mitunter eben auch mut- oder böswillige Koboldhaftigkeit (von k.o., Koitus oder Kohinoor ganz zu schweigen …). Fest steht allein, DASS beide sich wechselseitig ergänzen und in allen Gravitationen des Lebens abfedern. Derart beziehungs-weise ist die anderweitige Welt leider selten“, schreibt Pia-Elisabeth Leuschner über eins: zum andern von Karin Fellner in der aktuelle Ausgabe von Literatur in Bayern (137/2019).

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Unerhörte Verästelungen

„Die Vielschichtigkeit lädt ein zu wiederholter Lektüre, zur Freude daran, sich hineinnehmen zu lassen in unerhörte Laut- und Sachverästelungen oder ungewohnte grafische Gliederungen. Es wird gehüpft und die schsch bra-brach-e zerteilt, es wird oft an- und hintergefragt und laut gerufen“, schreibt Vera Schindler-Wunderlich in einer Besprechung von Karin Fellners eins: zum andern in der Schweizer Literaturzeitschrift Orte. Und weiter: „vielmehr zeigt die Dichterin, wie viele verrückte Ordnungs-Spiel-Möglichkeiten die Welt hat und wie diese zusammengebracht werden können“.

Die ganze Besprechung ist hier nachzulesen: Orte_Schindler_Okt.2019.

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Poetische Motivkette

„Der poetische Prozess kann sich an ein paar Fragmenten mündlicher Rede entzünden, an Funden im Wörterbuch oder am taktilen Kontakt mit Naturstoffen oder Alltagsgegenständen. Und dann entfaltet sich mit immensem Sprachwitz und ebensolcher Assoziationskraft eine genuin poetische Motivkette“, schreibt Michael Braun in seiner Besprechung des Bandes eins: zum andern von Karin Fellner im Deutschlandfunk. Und weiter:
„So etwa in einem Gedicht, das sich mit der lautlichen Nähe der Wörter ‚Gelingen‘ und ‚Lehrlingin‘ befasst: ‚ha! habe kein Gelingen. Lehrlingin bleib ich von/ Pilzpartnern, Algenpartnern, Mitfellträgern, d.i./ Filets häkelnd, Filiationen/ entsprechen nicht notwendigerweise den/ Hüllen, Hymnen, Hymen, Hieroglypen, Hyphen.'“

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