Der Kranich kriegt keine Panich

In der Süddeutschen Zeitung bespricht Antje Weber vier Gedichtbände zur aktuellen Lage getreu dem Motto: „Alle Gedichte bleiben geöffnet – auch die hermetischen!“ (Christoph Wenzel). Auch eins: zum andern von Karin Fellner wird darin empfohlen. Fellner „nimmt die Sprache auseinander, spielt mit ihrer Lautgestalt: Sprache wird da schon mal zur ’schsch bra-brach-e‘, wie man überhaupt die wichtigste Botschaft dieser Gedichte in dem Ausruf sehen könnte: ‚Sprahahache, ach! bewegtes Gefilde‘.“ Das Spiel mit der Sprache kann Rückzug sein, aber nicht nur. „Das schließt natürlich den Spaß am Spiel ein, denn immer wieder biegen Fellners Gedichte ‚von der Quetschung in den Quatsch‘ ab: ‚Der Kranich, der Kranich, / der kriecht keine Panich!‘

Cover Fellner eins

Ruth Lasters: Lichtmesser

Wörter, Lücken und ihre Kombination, das ist es, woraus die flämische Dichterin Ruth Lasters ihre Texte komponiert. „Als man mir erzählte, dass das Alphabet nur 26 Buchstaben besitze, wurde ich argwöhnisch, weil meine Mutter mir doch jeden Abend die Bücher von Roald Dahl vorlas und die Sätze darin jedes Mal ganz anders klangen“, sagte sie selbst einmal. Der Übersetzer Stefan Wieczorek, der ihre Gedichte für den Band Lichtmesser auswählte und ins Deutsche übertrug, meint: „Ihre Gedichte sind häufig Versuchsanordnungen oder Spielanweisungen für performative Inszenierungen, die erst in der Poesie möglich werden.“ Beispielsweise in dem Gedicht Flosse, in dem Punkte eines Stadtplans gesetzt und verbunden werden. Die Koordinaten persönlicher Begegnungen mit Freunden und Bekannten ergeben etwas, das der Form eines Fisches gleicht. Aus allen Texten sprudelt hier die wunderbare Fähigkeit, mit Stift auf Papier Linien zu ziehen und dadurch poetisch-befremdliche Welten entstehen zu lassen.

Ruth Lasters: Lichtmesser. Gedichte aus dem Niederländischen von Stefan Wieczorek, 52 Seiten, Preis: 10,- € – ist ab sofort lieferbar

Cover Lasters

Ruth Lasters, geb. 1979 in Antwerpen, ist Dichterin, Romanautorin und Essayistin. 2006 debütierte sie mit dem Roman Poolijs, der mit dem Flämischen Debütpreis ausgezeichnet wurde. Der zweite Roman, Feestelijk Zweet, folgte 2010 und Vlaggenbrief, ihr jüngster Roman, wurde 2014 publiziert. Für ihr Lyrik-Debüt Vouwplannen (2007) erhielt sie den Preis der Zeitschrift Het Liegend Konijn. Ihr zweiter Lyrikband, Lichtmeters, erschien 2015 und wurde mit dem Herman De Coninckprijs ausgezeichnet. Mit dem Gedicht Chicorée aus Lichtmeters gewann sie zudem den Turing-Gedichtwettbewerb.

Stefan Wieczorek, geb. 1971 in Koblenz, ist Übersetzer, Literaturwissenschaftler und Essayist. Er lebt in Aachen, im Dreiländereck Niederlande-Belgien-Deutschland.
Sein Engagement gilt insbesondere der Lyrik aus Flandern und den Niederlanden, siehe auch die gemeinsam mit Christoph Wenzel herausgegebene Anthologie Polderpoesie. Junge Lyrik aus Flandern und den Niederlanden (2016) und den Themenband Bojen & Leuchtfeuer (2016) der Literaturzeitschrift die horen.

 

Unverwechselbar

Ein ausführlicher Essay von Stefan Wieczorek über neue Poesie aus Flandern und den Niederlanden ist auf der Seite von artefakt-berlin zu finden. Neben vielen Hinweisen auf Dichter/innen und ihre aktuellen Übersetzungen ins Deutsche fehlt auch der Hinweis auf Menno Wigmans Buch nicht. „Der Band Im Sommer stinken alle Städte erlaubt endlich auch einen Einblick in das unverwechselbare und hochgepriesene Werk von Menno Wigman“, schreibt Wieczorek, der gemeinsam mit Christoph Wenzel die Anthologie Polderpoesie. Junge Lyrik auf Flandern und den Niederlanden bei den Kollegen von [sic] – Literaturverlag herausgibt.

Wigman Coveransicht

15 Jahre parasitenpresse in Leipzig

In diesem Jahr wird die parasitenpresse 15 Jahre alt. Für uns ist das natürlich ein Grund, unser Jubiläum mit alter und neuer Poesie zu feiern. Während der Buchmesse in Leipzig (11.-15. März) lesen unsere Autor/innen an verschiedenen Orten. Christoph Danne, Dominik Dombrowski und Mario Osterland lesen in der temporären Lyrikbuchhandlung in der Galerie D21 (Donnerstag und Freitag), Dominik Dombrowski liest bei der UV-Lesung (Freitag), Georg Leß bei der Lyriknacht im Helheim (Freitag) und am Samstag zelebrieren wir unser parasitäres Lyrikfest 15 magische Aurelien in der Galerie BüKü mit neuen, alten und befreundeten Autor/innen. Zugesagt haben bislang: Astrid Nischkauer, Christoph Danne, Christoph Wenzel, Daniel Ketteler, Dominik Dombrowski, Georg Leß, Jan Kuhlbrodt, Kathrin Bach, Mario Osterland, Niklas Lem Niskate, Thorsten Krämer und Adrian Kasnitz. Postkarte 15magischeAurelienn

gestern hab ich mich glücklich gekauft

Im HausBlog Nottbeck schreibt Crauss über die Gedichte von Katharina Bauer, die er zunächst in der Anthologie Westfalen, sonst nichts? entdeckte und später in weiteren Publikationen verfolgt hat, bis zum jünst in der Edition Nottbeck erschienen Band ein ganzes vielleicht. Als regional und in der Auswahl genau begrenzter Sammelband kommt Westfalen, sonst nichts? ganz gut weg. So schreibt Crauss: „Kasnitz und Wenzel konzentrieren sich nicht nur geographisch genauer, sondern auch zeitlich, und finden daher mehr als die üblichen verdächtigen und beispielsweise auch Katharina Bauer. „noch einmal / kurz innehalten / dich vor mir warnen“, endet ihr beitrag in der anthologie, und es ist eine jener warnungen, die man vernimmt, aber nicht versteht.“  Dass es „gleichzeitig gefährliche lyrik ist: viral, sich festsetzend“, dessen ist sich der Rezensent jetzt sicher. Nachzulesen ist der ganze Beitrag hier.

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„gestern hab ich mich glücklich gekauft“ ist ein Vers von Katharina Bauer aus der Anthologie.

Büchercharts 2013 #1

Wie in den letzten Jahren haben wir auch diesmal die Parasiten-Jahrescharts ermittelt. So sieht die Spitzengruppe der in den vergangenen elf Monaten verkauften Titel aus (Stand: Anfang Dezember):

1. Dominik Dombrowski: Finissage

2. Georg Leß: Schlachtgewicht

3. Wolfram Lotz: Fusseln

4. Stan Lafleur / Helena Becker: Das Lachen der Hühner

5. Tom Nisse: Dass ich dich so beschnuppere

6. Adrian Kasnitz / Christoph Wenzel (Hg.): Westfalen, sonst nichts?

7. René Hamann: Katalan

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dombrowski