Bilder und Kippbilder

„Ein Buch über Bilder und ihre Wahrnehmung: Wie lesen wir in Bildern? Was finden, was entdecken, was sehen wir in ihnen? Von John Berger haben wir gelernt, wie und was wir aus unserem Blick auf Bilder erfahren  können. Nischkauers scheinbar kleines, scheinbar beiläufiges Buch zu rezipieren, kann einem weiter die Augen öffnen – mal für das Ganze, mal die Situationen, mal die Details. Immer aber ist es das Figurative, das sich in den Text überträgt, selbst in der Abstraktion wird das Atmosphärische, die Komposition spürbar, fließend zusammengesetzt zu einer Satz-Miniatur“, schreibt Martin Kubaczek in einer ausführlichen Besprechung des Gedichtbandes Satyr mit Thunfisch von Astrid Nischkauer für den Blog der Poesiegalerie. Und weiter: „Die Gedichte erweisen sich als kleine geometrische Figur oder als Gebärde, sind in sich kohärent als stimmiger Ausgang und situativer Reflex. Sie bleiben wach und aufmerksam, überraschen immer wieder in neuer Weise, nichts wiederholt sich, es gibt keine Redundanzen, die Gedichte sind effektiv und ökonomisch gestaltet, „schlenkern“ nicht (wie das in Walter Benjamins kurzem Text „Gut schreiben“ heißt), sondern führen direkt zum Punkt dessen, was sie sagen oder zeigen wollen, sind punktgenauen Ziellandungen: sie dauern bloß ein paar Sekunden vom Absprung bis zur Landung, und öffnen sich mit einem kleinen Ruck, der uns auffängt, schaukelnd und schützend trägt, sicher absetzt und entlässt. Dann schaut man nochmals hinauf an den Beginn, und sieht, wie bewusst hier alles in seine Gestalt gebracht ist.“

Der zweite Band mit Wiener Museumsgedichten, du Wundergecko, ist gerade ebenfalls bei uns erschienen.

Manuel Araneda: Die Armutslehre der Bohne

Der chilenische Dichter und Fotograf Manuel Araneda (Jg. 1986) ist mit seiner Kamera in den Straßen von Santiago de Chile unterwegs und dokumentiert die sichtbare Seite von Armut und das Leben auf der Straße. Seine Bilder zeigen Kinder und Alte, Männer wie Frauen – alle, die nicht nur von einem persönlichen Schicksal gezeichnet sind, sondern die manchmal latent, manchmal sehr offensichtlich als Opfer von historischen und aktuellen Machtstrukturen zu erkennen sind. „Die Porträtierten sind nicht allein“, schreibt Araneda im Begleittext, „da sind ganze Generationen in ihren Blicken.“ Der Titel der Fotos rekurriert auf ein Gedicht des chilenischen Dichters Pablo de Rokha, in dem er von „Rotología“, der Armutslehre der „betrogenen Nation“ spricht.

Adrian Kasnitz, der Herausgeber des Bandes, traf den Fotografen auf einer Buchmesse in Santiago, auf der er von seinen Fotos und dem anderen Blick auf Chile erzählte. Aus der zufälligen Begegnung wurde ein Austausch über Fotografie und Poesie, der in diesem Fotobuch mündet.

Manuel Araneda: Die Armutslehre der Bohne. Fotos aus Chile, 44 Seiten (38 Fotos, schwarzweiß und farbig; Begleittext auf Deutsch, Spanisch und Englisch; Texto en español; Text in English), Preis: 10,- €

Cover Araneda

Manuel Araneda, geb. 1986, lebt als Fotograf, Dichter und Psychotherapeut in Santiago de Chile.

(Hinweis für Abonnenten: Als Sonderdruck ist dieses Fotobuch kein Bestandteil von Abos.)