Es knistert und raschelt

„Diesem Lyriker gelingt es in phantastischer Weise unsichtbare Bewegungen, die über das Erfahrbare hinausgehen, transparent zu machen, damit sie in unserer Phantasie aufleuchten können. Für mich ist das ein ganz wichtiger Anspruch, den ich an gute Lyrik stelle. In grandioser Weise wird Krišjānis Zeļģis diesem Anspruch gerecht. Es knistert und raschelt in seinen Gedichten, es tobt und jongliert, hinter, über und unter den Zeilen“, schreibt Kerstin Fischer über Wilde Tiere von Krišjānis Zeļģis auf ihrem Lyrikblog Lyrikatelier Fischerhaus.

Und weiter: „Der Dichter und Schriftsteller Adrian Kasnitz hat aus dem Lettischen ins Deutsche übertragen. Man muss des Lettischen nicht mächtig sein, um zu erspüren, dass hier eine sehr feine, einfühlsame Übersetzung vorliegt.“

Was wir vorhaben (2021)

Noch liegt das neue Jahr ziemlich im Nebel. Ein paar Dinge, die wir in den nächsten Monaten vorhaben, wollen wir euch trotzdem schon verraten. In der internationalen Reihe werden die Sprachen Portugiesisch, Russisch und Spanisch eine wichtige Rolle einnehmen. Portugiesische Lyrik wird im ersten Halbjahr gleich zweimal im Fokus stehen: Laurine Irmer und Beatrice Cordier bereiten eine Anthologie mit acht jungen portugiesischen Dichter*innen vor und Mathias Traxler überträgt für uns Gedichte von Álvaro Seiça. Den Auftakt ins russische Jahr bildet Das Handwörterbuch der russischen Seele von Alexander Estis, das Ende Januar erscheinen wird. In Kooperation mit dem Goethe-Institut St. Petersburg folgen später Übersetzungen ins und aus dem Russische(n). Spanisch wird es in der zweiten Jahreshälfte, wenn wir neue Bücher von Pablo Jofré, Luis Luna (beide in der Übersetzung von Odile Kennel) und von Adalber Salas Hernández (in der Übersetzung von Geraldine Gutiérrez-Wienken und Marcus Roloff) planen. Außerdem überträgt Anna Pia Jordan-Bertinelli Gedichte der botswanische Dichterin TJ Dema aus dem Englischen, die zum Europäischen Literaturfestival Köln-Kalk (ELK3) erscheinen sollen.

Bei den deutschsprachigen Titeln werden neben Alexander Estis neue Bücher u.a. von Nora Zapf, Thomas Podhostnik, Astrid Nischkauer, Kathrin Niemela, Sünje Lewejohann und Adrian Kasnitz erwartet. Mit Gedichten von Veronique Homann ist auch ein weiteres Lyrikheft einer Debütantin in Vorbereitung. Im Frühling starten wir die neue Reihe PARADIES, die junge Prosa jenseits des Romans vorstellen wird. Erzählungen von Thomas Empl und André Patten werden die Reihe begründen, auf die wir uns – wie auf alle neuen Bücher – schon sehr freuen.

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Freizeit und Nichtstun sind mir wichtig

„Die Wildheit der Gedichte des 1985 geborenen Krišjānis Zeļģis, der nach allerhand Berufs- und Auslandserfahrungen inzwischen als Bierbrauer in Riga lebt, ist vielleicht ihrem scharfen, unparteiischen Blick geschuldet. Menschen haben Probleme, werden aus ihren Wohnungen geworfen, der Strom ist abgestellt, und das Eisfach taut auf: ‚mir ist kalt / kauf Suppe / Schatz‘. Menschen schnorren sich durch WGs, stehlen Essen, klauen Geld, „und die Fischschuppen in meinem Portemonnaie stehen für Wohlstand“. In einem Text verfolgt das lyrische Ich in einem Zug die Diebin seiner Schuhe und schlägt sie: ‚das Blut tropft aus ihrer Nase auf ihren Rock / Entschuldigung sage ich‘, nur um anschließend festzustellen, dass ihm inzwischen sämtliche Fischkonserven geklaut worden sind: ’niemand hat was gesehen / niemand / hat was gesehen‘.

Man hört diese Worte förmlich ausgesprochen, lakonisch, doch mit unterdrückter Wut, sie zwingen die Leser zu einer Positionierung. Zeļģis setzt Wiederholungen geschickt ein, ihre Rhetorik, der ständige Dialog, ist eine Stärke der Gedichte: ‚mir ist Freizeit wichtig und Nichtstun / Freizeit und Nichtstun sind mir wichtig'“, schreibt Patrick Wilden über Wilde Tiere bei Fixpoetry.

Und weiter: „Wer die lakonischen, von einer spannungsreichen Menschlichkeit durchzogenen Texte von Adrian Kasnitz kennt, der seine ersten Lebensjahre an der Ostsee nicht weit von Zeļģis’ Heimat verbracht hat, erkennt bald, daß Autor und Nachdichter im Band Wilde Tiere schier idealtypisch zusammengefunden haben“.

Kölner Literaturclips: Roland Schappert

Für das Türchen Nr. 5 der Kölner Literaturclips liest Roland Schappert aus dem Band Du fällst mir leicht. Die Literaturclips sind ein Gemeinschaftsprojekt von Literaturhaus Köln, Kliteratur, Land in Sicht, Insert female artist und Literaturklub Köln. Roland Schappert kann man übrigens am 5. und 6. Dezember in seiner Ausstellung in der davidbehning galerie in Düsseldorf erleben. Dort spricht er mit Franz-Josef Heumannskämper (5.12.) und Adrian Kasnitz (6.12.) zwischen 15-18 Uhr. (Um Anmeldung wird gebeten.)

Weitere Literaturclips der neuen Staffel kann man täglich bis zum 24.12. auf dem Youtube-Kanal finden, dort sind auch die Beiträge der ersten Staffel mit Anna Pia Jordan-Bertinelli, Adrian Kasnitz, Stan Lafleur, Jonas Linnebank, Gundula Schiffer, Tobias Schulenburg u.a. zu finden.

Kölner Bücherpaket

Zur Weihnachtszeit schnüren wir für euch das Kölner Bücherpaket. Darin enthalten sind die neuen Bücher Du fällst mir leicht von Roland Schappert und es sich schön machen von Tobias Schulenburg, das Kalk Alphabet von Jonas Linnebank, Kalendarium #6 von Adrian Kasnitz sowie ein etwas älterer Band mit Reisegedichten und -notizen von Stan Lafleur (Am Rande der Wahrscheinlichkeit von Mexiko). Wir sind ja sonst nicht so heimattreu, aber in diesem von Kontakt- und Reisebeschränkungen geprägtem Jahr hat es einfach Sinn gemacht, lokal zu arbeiten. Die Ergebnisse könnt ihr nun nachlesen. Zu den Büchern legen wir eine parasitäre Tasche bei. Das ganze Paket gibt es für 50,- € (portofrei) wie immer direkt bei uns. Bitte über das Online-Bestellformular oder als Nachricht an uns ordern.

Die Kletterpflanze unter den Literaturfestivals

Für das Stellwerk Magazin berichtet Lisa James von unserem Europäischen Literaturfestival: „Samstagmittag in Köln-Kalk. Pastellfarbene Papier-Pompons wippen im Wind, die Leute stöbern mit einem Kaffee in der Hand am bunt gemischten Büchertisch unter den Kirschbäumen, aus den Boxen tönt Musik. Auf dem Ottmar-Pohl-Platz ist eine kleine Bühne aufgebaut, rundherum stehen vereinzelt Stühle, Bänke und eine Hängematte. Kinder spielen im Hintergrund auf den Weiten des Platzes, die Sitzplätze füllen sich allmählich mit Studierenden, älteren Frauen und Männern, AnwohnerInnen – Literaturinteressierten.“

Von den Lesungen, den Gesprächen über Literatur und Übersetzung auf dem Ottmar-Pohl-Platz oder der Pflanzstelle, vom Festival als Kletterpflanze und Oktopus erfährt man im ausfühlichen Artikel hier.

Jonas Linnebank (Hg.): Kalk Alphabet

Der Kölner Stadtteil Kalk ist die rechtsrheinische Hauptschlagader der Stadt. Nicht von ungefähr fuhr die erste Kölner Straßenbahn von Deutz nach Kalk. Gut erschlossen von den Linien 1 und 9 ist es heute ein vielfältig bunt gemischter und auch für junge Leute attraktiver Stadtteil. Vom Leben im Veedel erzählen die 26 Texte, die Jonas Linnebank für das Kalk Alphabet gesammelt hat. Von den Straßen und Plätzen, von Köfte und Pizza, von verwunschenen Hinterhöfen, stillen Örtchen und heimlichen Wäldchen, von Kalk als Risikoviertel und Kalk als Nachbarschaft, von dem, was die Humboldt-Opas trieben, was im Wasserturm vor sich geht und wo früher die Landesgrenze war.

Mit Texten von Fritz Bilz, Alexander Estis, Philipp-Bo Franke, Ulla Hiltl, Anna Pia Jordan-Bertinelli, Elizaveta Khan, Adrian Kasnitz, Jonas Linnebank, Mirjam Kay „MK“ Mashkour, Carina Plinke, Ruth Scheuer, Ulrike Serowy, Olga Tchepikova-Treon, Maia Traine und Peter Zillig.

Getreu dem Motto Alles Schlechte dieser Welt kommt aus Nippes, Kalk und Ehrenfeld sind in der Alphabete-Reihe bereits das Ehrenfeld Alphabet und das Nippes Alphabet erschienen.

Jonas Linnebank (Hg.): Kalk Alphabet, 36 Seiten, Preis: 8,- € – ab sofort lieferbar

Jonas Linnebank ist Mitherausgeber und Redakteur der Kölner Literaturzeitschrift KLiteratur. Ehemals Piaaztaxifahrer und Allrounder bei Borussia Kalk III, jetz eher per pedes und ohne Sport rundbäuchig, dafür Rückenschmerzen und Schriftstellerei.