Adrian Kasnitz: Kalendarium #6

Mit dem neuen Band Kalendarium #6 erreicht das Kalendarium-Projekt von Adrian Kasnitz die Hälfte der Strecke. Der sechste Teil versammelt 30 Gedichte für jeden Tag des Monats Juni. Die Texte reisen von Lissabon über Kreta nach Istanbul. Sie sind in Gärten zu Haus (bei Him- und Maulbeeren), treiben sich in Garagen herum, hocken bei Eis oder Bier. Pferde kommen darin vor, Bachstelzen und Grünspechte, Katzen und Hunde. In jedem Fall sind die Gedichte unterwegs, auch im Dunkeln: „an dieser Nacht heißt alles Du“. Zugehörigkeit entsteht dabei nur für eine kurze Zeit: „ich weiß, wir werden Fremde sein“.

Neben den Gedichten enthält das Buch wieder fünf Zeichnungen / Collagen des Autors. Das Lektorat besorgte diesmal Sünje Lewejohann. Die graphische Gestaltung stammt wie immer vom Kölner Büro Kikkerbillen.

Adrian Kasnitz: Kalendarium #6. Gedichte, 44 Seiten, Preis: 10,- € – ist ab heute lieferbar

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Adrian Kasnitz, 1974 an der Ostsee geboren, aufgewachsen in den westfälischen Bergen, lebt in Köln. Von ihm erschienen zuletzt die Gedichtbände Kalendarium #1 bis #5 (parasitenpresse 2015f.) und Glückliche Niederlagen (Sprungturm 2016), der zweisprachige Prosaband Pierre Huyghe hired me (parasitenpresse 2019) sowie der Roman Bessermann (Launenweber 2017). 2020 wurde er mit dem Dieter-Wellershoff-Stipendium der Stadt Köln ausgezeichnet.

Durchgeknallt, in diesem Land

„‚Ich glaube, ich bin, / hier, in diesem Land, durchgeknallt‘ – diese Sentenz von Admiel Kosman, dem ältesten Autor der Sammlung (* 1957), ist durchaus wörtlich zu verstehen. Was es bedeuten soll ist schon deshalb ein lesenswertes Buch, weil die Gedichte, oft aus sprachlichen Mischformen entstanden, bislang auch im Original noch unveröffentlicht sind – als Anregung und Einladung, eine jahrhundertealte Tradition zurückkehren zu sehen, als „neue hebräische Dichtung in Deutschland“, schreibt Patrick Wilden in einer Besprechung unserer hebräischen Anthologie bei Fixpoetry.

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Dieter-Wellershoff-Stipendium für Adrian Kasnitz

Adrian Kasnitz erhält eins der beiden Dieter-Wellershoff-Stipendien des Literaturhauses Köln für das Jahr 2020. Gefördert wird damit die Arbeit am dritten Roman mit dem Arbeitstitel Der Schatten. Die Jury begründete so ihre Entscheidung: „Als der Vater im Sterben liegt, wird der Erzähler mit einer Zeit und Welt konfrontiert, die er gründlich hinter sich gelassen zu haben wähnte: das mühevolle Aufwachsen auf einem abgelegenen Hof in Masuren, die ersten Schritte in ein anderes, eigenes Leben am Rand einer mittelgroßen Stadt in Nordrhein-Westfalen, die zunehmend konfliktbehaftete Beziehung zu seiner Familie. Adrian Kasnitz‘ Text erzählt von der Bedeutung der Herkunft, von Abschied und Aufbruch, Fremdsein und Identität – voll spannungsvoller Ruhe, sinnlicher Intensität und zarter Archaik.“

Bei uns sind von ihm zuletzt der Gedichtband Kalendarium #5 und der zweisprachige Prosaband Pierre Huyghe hired me erschienen.

Die etwas andere Leipziger Buchmesse 2020

Die Leipziger Buchmesse fällt aus, dennoch laden wir Sie zu unseren Veranstaltungen in der kommenden Woche in Leipzig ein. Unsere Verlagslesung Books and Beers und die Lesungen in der Lyrikbuchhandlung finden statt. Hinzugekommen ist der Leipziger Indie Book Pop Up Store, den wir mit den Kolleg*innen von KLiteratur und Mosaik im Textat am Samstag aufklappen. Auf viele freundliche Begegnungen freuen wir uns!

  • 11.-13.3., 19-01 Uhr / Lyrikbuchhandlung mit Lesungen von Adrian Kasnitz (Do., 23h), Sünje Lewejohann (Do., 23h), Arnold Maxwill (Do., 22h), Andre Rudolph (Fr., 23h) u.a., Rubikon/Tapetenwerk, Lützner Str. 91 (hier können sich noch Lesezeiten ändern)
  • 1.3., 20 Uhr / Leipzig streamt – die lange virtuelle Lesenacht der Bundeszentrale für politische Bildung mit Eva Brunner, Johanna Dombois, Gerald Fiebig, Mati Shemoelof u.a.: online
  • 12.3., 20 Uhr / Indie Nacht mit Bernd Lüttgerding (ab 21.50 Uhr) u.a., Beyerhaus, Ernst-Schneller-Str. 6
  • 13.3., 20 Uhr / Books and Beers  unsere Verlagslesung mit Anna Pia Jordan-Bertinelli, Adrian Kasnitz, Christian Kreis, Sünje Lewejohann, Jonas Linnebank, Bernd Lüttgerding, Arnold Maxwill, Mario Osterland, Elena Pallantza, Thomas Podhostnik und Andre Rudolph, Textat, Erich-Zeigner-Allee 64a
  • 14.3., 15-20 Uhr / Leipziger Indie Book Pop Up Store mit Büchern der parasitenpresse, KLiteratur, Mosaik, Voland&Quist u.a. und einer Ausstellungen mit Arbeiten von Johanne Ritter, Textat, Erich-Zeigner-Allee 64a (im Anschluss: Das Dreieck ist die stabilste Form)

Eine Liste über weitere stattfindende Veranstaltungen führt der MDR.

findet statt

Mario Osterland: final image

Letzte Besuche, letzte Gespräche, letzte Verabschiedungen auf ein Wiedersehen. Wann immer uns die Nachricht vom Tod eines uns nahestehenden Menschen erreicht, erinnern wir uns daran, wann wir zuletzt mit ihm oder ihr gesprochen, wann wir ihn oder sie zuletzt gesehen haben. Diese letzten Eindrücke nehmen, neben all den anderen Momenten, die man im Gedächtnis behält, eine Sonderstellung in unseren Erinnerungen ein. Wie aber verhält es sich mit verstorbenen Berühmtheiten? Prominente Musiker, Schriftsteller, Schauspieler, die fast ihr ganzes Leben lang im Rampenlicht standen, unzählige Male fotografiert, gefilmt und interviewt. Persönlichkeiten, die wir in ihrem öffentlichen Leben begleitet haben und gleichzeitig Teil unseres Lebens werden ließen. Begleiter und Begleitete, die wir bejubeln und bewundern, irgendwann betrauern, vielleicht sogar wie verstorbene Freunde.

Die neuen Texte von Mario Osterland beschreiben diese letzten Bilder. Zusammen mit den Tusche-Zeichnungen von Alexander Neugebauer entsteht ein Album persönlicher Ikonen.

Vom 4. März bis zum 6. Mai 2020 ist auch die gleichnamige Ausstellung in der Villa Rosenthal in Jena zu sehen. Zur Vernissage am 4.3. stellen Mario Osterland und Alexander Neugebauer auch das Buch vor. Am 1.4. wird der Film last days von Gus Van Sandt geziegt, in den Mario Osterland einführt. Zur Vernissage am 6.5. besucht die parasitenpresse Jena. Es lesen dann Dominik Dombrowski, Adrian Kasnitz und Sünje Lewejohann.

Mario Osterland: final image. Ein Album, mit Zeichnungen von Alexander Neugebauer, 78 Seiten, 12,- € – ab sofort lieferbar

(Hinweis für Abonnent*innen: Sonderausgabe, nicht im Abo enthalten)

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Mario Osterland, geboren 1986 in Mühlhausen/Thüringen, lebt in Erfurt. Studierte Germanistik, Komparatistik und Kunstgeschichte an der Universität Leipzig. In der parasitenpresse erschienen bereits heimische Arten (2017) und In Paris (2014).

Alexander Neugebauer, geboren 1980 in Gera, wo er als frei­schaffender Künstler und Dozent lebt. Er besuchte u.a. Malereikurse bei Barbara Toch an der Musik­ und Kunstschule „Heinrich Schütz“ Gera. Seit 2004 verschiedene Einzel­- und Gruppenausstellungen deutschlandweit.

Lyrik einer jungen Diaspora

Über unsere hebräische Anthologie Was es bedeuten soll und unsere Berliner Release-Lesung in der Lettrétage berichtet Ralf Balke von der Jüdischen Allgemeinen. „… in den vergangenen Jahren zog es zahlreiche Israelis ins Ausland. Vor allem in Berlin ist eine äußerst kreative und vielfältige israelische Szene entstanden. Man lebt zwar in Deutschland, spricht häufig auch mittlerweile die Sprache, aber schreibt weiterhin auf Hebräisch. Eine quasi eigenständige Stilrichtung konnte sich so weltweit herauskristallisieren, das »Ivrit Diasporit«, zu Deutsch: das Hebräisch der Diaspora. ‚Das führt natürlich zu der Frage, wie man eine Literatur am Leben erhält und weiterentwickeln kann, wenn man als Israeli in einem anderen Land lebt‘, sagt Schiffer.“

Wie sehr die Erfahrungen von Diaspora und Migration in das Schreiben einfließen, bringt auch Maya Kuperman auf den Punkt: „Migration ist eine sehr nachhaltige Erfahrung, die einer der zentralen Gegenstände meiner Texte geworden ist, seit ich hier lebe.“

Fazit der Jüdischen Allgemeinen: „Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag dazu, der hebräischen Lyrik in Deutschland Aufmerksamkeit zu verschaffen.“ Der ganze Beitrag kann hier nachgelesen werden.

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