Europäisches Literaturfestival Köln-Kalk 2022

Zum vierten Mal findet das Europäische Literaturfestival Köln-Kalk (ELK) vom 2. bis 4. September 2022 statt, wie immer kostenlos & zugänglich für alle auf dem Ottmar-Pohl-Platz und in der Pflanzstelle!

Mit der Großen Eröffnungslesung beginnen wir am Freitag (Begrüßung: 19 Uhr), setzen das Programm am Samstag mit Einzellesungen fort (13-22h) und beschließen das Festival am Sonntag mit dem Rahmenprogramm (13-16h).

Wir freuen uns auf Greta Ambrazaitė, Jelena Jeremejewa, Jazra Khaleed, Ronya Othmann, Shpëtim Selmani und Krzysztof Siwczyk im Hauptprogramm (mit Texten auf Deutsch, Litauisch, Englisch, Griechisch, Kurdisch, Albanisch und Polnisch.

Als ELK-Alumni und im Nebenprogramm lesen oder moderieren mit u.a. Alexander Estis, Pablo Jofré, Eleonore Schönmaier, Mati Shemoelof, Andreea Simionel, Arvis Viguls und Krišjānis Zeļģis (mit Texten auf Deutsch, Spanisch, Hebräisch, Englisch, Italienisch und Lettisch).

Als Literatur-/Kulturzeitschrift sind diesmal Qamar dabei. Musik gibt es von Donia Touglo und Ramblin‘ Boy Harrers.

Als Moderator:innen oder deutsche, englische oder kurdische Stimmen sind Artur Becker, Zuzana Finger, Philipp-Bo Franke, Laura Jordan-Bertinelli, Adrian Kasnitz, Elizaveta Khan, Wassiliki Knithaki, Jonas Linnebank u.a. zu sehen und zu hören.

Kommt vorbei – wir freuen uns auf euch!

Das komplette Programm findet ihr hier: https://elk-festival.com/de/programm-2022

Das ELK 2022 wird präsentiert von Integrationshaus e.V., KLiteratur, KUNTS e.V. und der parasitenpresse

Wo der Hunger-Hund bellt

„Was wir Frieden nennen, heißt in Homs ‚Sechs-Punkte-Friedensplan‘, heißt Waffenstillstand im ‚Stellvertreterkreig‘, heißt geordneter Rückzug der Kombattanten. Frieden gibt es hier nur für die ‚Sondervermittler der Vereinten Nationen‘ bei ihrer Pinkelpause am ‚Rand der Autobahn von Damaskus nach Homs‘, einen kurzen Moment vielleicht für die ‚Hisbollah-Soldaten‘, die ‚Selfies [machen] vor der Khalid-ibn-al-Walid-Moschee'“, schreibt Kai Pohl über Requiem für Homs von Jazra Khaleed in der aktuellen Ausgabe von Abwärts (45/August 2022). Und weiter: „Jazra Khaleed jedoch aktiviert mit seinem Requiem in acht Geängen (deren fünfter sich ausführlich dem ‚Hunger-Hund‘ widmet) eine der ‚letzten Reserven des Friedens‘: die empathische, unverstellte Sprache der Poesie, den Atem der Lebenskraft – ein Elixier, dass fernab des Neusprechs von Regierungspropaganda, Mediengeschrammel, Durchhalteparolen etc. direkt sinnlich wirkt und das aus seinem Schoß vertriebene Leben anruft: ‚Das Meer wird die Kinder zurückbringen / und die Apfelbäume werden wieder blühen, wenn der Frühling beginnt.'“

Adrian Kasnitz: Kalendarium #8

Im achten Teil des Kalendariums von Adrian Kasnitz essen wir Brombeeren, Feigen und Gurken, riechen wir Lavendel und Fell. Wir reisen, zelten, gehen baden. Wir bekleckern uns, holen uns aufgeschürfte Haut und treiben in Plastik. Wir müssen Ausreden finden und Geständnisse machen. All diese Dinge, die man im August tut und die sich wie Staub auf Oberflächen legen, bis ein Regen auf sie prasselt.

„Mehr als Stein ist hier nicht / Stein, auf dem du ausruhst / dir den Knöchel brichst / aufritzt die Haut // nur die Zikaden begleiten dich / sie fallen in ihren nimmer / müden Gesang / lachen dich aus“.

Neben den Gedichten enthält das Buch wieder vier Collagen des Autors. Das Lektorat besorgte diesmal Wassiliki Knithaki. Die graphische Gestaltung stammt wie immer vom Kölner Büro Kikkerbillen.

Adrian Kasnitz: Kalendarium #8. Gedichte, 44 Seiten, Preis: 10,- € – ist ab heute lieferbar

Adrian Kasnitz, 1974 an der Ostsee geboren, aufgewachsen in den westfälischen Bergen, lebt in Köln. Von ihm erschienen zuletzt die Gedichtbände Kalendarium #1 bis #7 (parasitenpresse 2015-2021) und Glückliche Niederlagen (Sprungturm 2016), der zweisprachige Prosaband Pierre Huyghe hired me (parasitenpresse 2019) sowie der Roman Bessermann (Launenweber 2017). 2020 wurde er mit dem Dieter-Wellershoff-Stipendium der Stadt Köln ausgezeichnet.

Jazra Khaleed: Requiem für Homs

Im Langgedicht Requiem für Homs beschreibt der griechische Dichter Jazra Khaleed in acht Gesängen den syrischen Bürgerkrieg, die Kriegsverbrechen und Gräuel (in teils drastischen Bildern), die zur Zerstörung der Stadt Homs führten. Sein Mitgefühl ist auf Seiten der Bewohner:innen der Stadt, in deren Namen er Anklage gegen die kriegstreibenden Parteien führt, aber auch das Versagen der internationalen Staatengemeinschaft benennt: „Oh Menschheit, betrachte diese Stadt!“. Es ist ein eindringliches Antikriegs-Gedicht, das nun in der Übersetzung von Wassiliki Knithaki und Adrian Kasnitz auf Deutsch vorliegt.

Jazra Khaleed: Requiem für Homs. Gedicht aus dem Griechischen von Wassiliki Knithaki und Adrian Kasnitz, 42 S., Preis: 10,- € – ab sofort lieferbar

Jazra Khaleed (Pseudonym) ist Dichter, Übersetzer und Filmemacher. Er lebt in Athen und schreibt ausschließlich auf Griechisch. Seine Werke sind eine Anklage gegen Faschismus, soziale Ungerechtigkeit, Polizeibrutalität und Rassismus im heutigen Griechenland.

Seine jüngsten Veröffentlichungen sind Requiem pour Homs et autres poèmes (Marges en Pages, Frankreich, 2022), The Light That Burns Us (World Poetry Books, USA, 2021) und μα είν‘ αυτό ποίηση; (Teflon Books, Griechenland, 2020). Seine Gedichte wurden vielfach übersetzt und erschienen in The Guardian, The Los Angeles Review of Books, World Literature Today, Lichtungen, Modern Poetry in Translation, Glänta, Die Horen u.a. Auch in der Griechenland-Anthologie Kleine Tiere zum Schlachten (parasitenpresse 2017) ist er mit Texten vertreten.

Als Gründungsherausgeber des in Athen ansässigen Poesiemagazins Teflon und insbesondere durch seine dort veröffentlichten eigenen Übersetzungen hat er der griechischen Leserschaft die Werke von vielen amerikanischen, britischen, australischen, arabischen und deutschsprachigen politischen und experimentellen Dichter:innen nähergebracht. Seine Kurzfilme wurden auf vielen internationalen Festivals gezeigt.

Wassiliki Knithaki, geboren in Lüdenscheid, lebt in Köln, übersetzt gemeinsam mit Adrian Kasnitz aus dem Griechischen und ist die Mitherausgeberin der Anthologie Kleine Tiere zum Schlachten. Neue Gedichte aus Griechenland.

Adrian Kasnitz, geboren an der Ostsee, lebt als Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber in Köln. Zuletzt erschienen in der parasitenpresse Kalendarium #1 bis #7 (2015-2021). Gemeinsam mit Wassiliki Knithaki gab er die Anthologie Kleine Tiere zum Schlachten. Neue Gedichte aus Griechenland heraus und übersetzte er außerdem Texte von Giorgos Alisanoglou (für den Hausacher LeseLenz). Seine Übersetzung des lettischen Dichters Krišjānis Zeļģis (Wilde Tiere) stand auf der Lyrikempfehlungsliste der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (2021).

Mitschnitt der Wiener Krilit-Lesung

Bei den Kritischen Literaturtagen in Wien (Mai 2022) sind die Lesungen aufgezeichnet worden. Hier kann man die Lesung von Astrid Nischkauer und Adrian Kasnitz mit Texten aus Botswana, Myanmar, Argentinien, Chile, Kolumbien, Lettland und Kosovo, u.a. von Tjawangwa Dema, Di Lu Galay, Pablo Jofré, Catalina Garcés Ruiz, Arvis Viguls, Krisjanis Zelgis, Shpëtim Selmani u.a. Weitere Mitschnitte sind hier zu finden. Zur Reihe IntroVersIon mit lettischen Dichter*innen, von der Astrid im Video spricht, gelangt man hier.

Das Gedichtheft: ein Plädoyer

Über das Kalendarium #7 von Adrian Kasnitz, Notizhefte im Allgemeinen, unsere Lyrikhefte insbesondere von Nora Zapf und Thorsten Krämer sowie die Vorstellung der Anthologie Brotjobs & Literatur im Berliner Brecht-Haus schreibt Ortwin Bonfert auf seinem Spiegelungen-Blog und hält ein Plädoyer für das Gedichtheft. Den ganzen kurzen Essay kann man hier nachlesen. Ältere und neue Lyrikhefte kann man bei uns bestellen oder sich für ein Lyrikheft-Abo entscheiden.

Wolken wie Staub über der Stadt

Über Rauschen, die Lesung mit Beatrice Cordier, Adrian Kasnitz und Alexander Rudolfi mit Musik von Kai Wenas in Hannover berichtet Bert Strebe in der Hannoverschen Allgemeinen. „Das Interieur des Quartier-Theaters in der hannoverschen Nordstadt wirkt an diesem Abend liebenswert retro: Drei senfgelbe Sessel stehen auf der Bühne, und auch Lampen und Tische und sogar die Mikros sind im Stil der Fünfzigerjahre gehalten. Aber was dort passiert ist sehr gegenwärtig.“ Neben der portugiesischen Gedichten aus Wie man ein Wunder löscht (gelesen von Beatrice Cordier) und den Juli-Gedichten aus Kalendarium #7 (von Adrian Kasnitz) liest Alexander Rudolfi Prosaminiaturen, die im Herbst in der parasitenpresse erscheinen sollen. „Es hat etwas düster Schwebendes, manchmal etwas Atemloses.“

Eine Foto des Abends findet sich hier, während der ganze Beitrag nur hinter der Paywall lesbar ist.

Unsere Leipziger Buchmesse 2022

Auch wenn die offizielle Buchmesse abgesagt ist, sind wir vom 17. bis 20. März mit unseren Büchern, Autor*innen und Übersetzer*innen in Leipzig.

Vom 18. bis 20. März findet die Buchmesse Popup der unabhängigen Verlage statt. Wir sind mit einem Stand dabei, an dem ihr Autor*innen, Übersetz*innen und Freunde des Verlages treffen könnt, u.a. Olav Amende, Dirk Bretschneider, Evelyn Bubich, Zuzana Finger, Philipp-Bo Franke, Adrian Kasnitz, Christian Kreis, Sünje Lewejohann, Jonas Linnebank, Kathrin Niemela, Thomas Podhostnik, Mathias Traxler, Patrick Wilden und Nora Zapf. Am Sonntag lesen dort Sünje Lewejohann und Thomas Podhostnik (12.15-12.45h). Sowohl für die Popup-Messe als auch für die Lesungen sollte man Tickets reservieren! Ort: Werk 2, Kochstr. 132 (Haltestelle: Connewitzer Kreuz), Fr. 12-18h, Sa.+So. 10-18h.

Zusätzlich sind wir am 19. März mit einem Stand bei It’s a book in der Hochschule für Grafik und Buchkunst vertreten (Wächterstr., 12-21 Uhr) – gemeinsam mit der Kölner Literaturzeitschrift KLiteratur.

In zwei parasitären Abendveranstaltungen stellen wir am 18. März beim Books & Beers im Textat (Erich-Zeigner-Allee 64, 20 Uhr) und am 19. März bei So glücklich war ich noch nie im Besser Leben (Holbeinstr. 2, 20 Uhr) unsere Bücher vor. Am 18.3. lesen: Thomas Empl, Alexander Estis, Zuzana Finger, Philipp-Bo Franke, Adrian Kasnitz, Christian Kreis, Sünje Lewejohann, Jonas Linnebank, Kathrin Niemela, Thomas Podhostnik, Mathias Traxler, Patrick Wilden und Nora Zapf. Am 19.3. lesen: Olav Amende, Dirk Bretschneider, Beatrice Cordier, Veronique Homann, Laurine Irmer, Adrian Kasnitz, Sünje Lewejohann, Kathrin Niemela, André Patten, Thomas Podhostnik, Andre Rudolph und Patrick Wilden.

Wer gar nicht nach Leipzig kommen kann, dem sei die Lyrikbuchhandlung empfohlen. Von der ‚Buchhandlung‘ sind zwar nur die Online-Lesungen übriggeblieben, das Programm reicht aber für zwei Lyrik-Abende am 17. und 18. März. Am 17.3. liest dort Kathrin Niemela (ab 20.20 Uhr).

In jedem Fall freuen wir uns auf Begegnungen und Gespräche!

Thomas Podhostnik bei der parasitären Lesung vorm
Besser Leben, Leipzig 2021. Foto: AK.