Körper im ausgedehnten Raum

„Die Dichterin Kinga Tóth wird auf dem Tänzer sitzend vorwärtsbewegt. Sie rezitiert ihre Gedichte von Geräuschen durchzogen und streckt die Buchstaben lang, die sich mit einem Ping-Pong-artigen Zählen, das Entfernungen überbrückt, vermischen. So wird der Raum ausgedehnt, was zu dem atmosphärischen Zeitempfinden des Stückes beiträgt. Wie bei einem organischen System scheinen die Aufgaben verteilt und der alles ein- und umfassende Körper ist trotzdem gleichzeitig spürbar“, schreibt Elisabeth Leopold auf tanznetz.de über die Performance excyte beim poesiefestival in Berlin.

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Angezapft

„Hübsche Worterfindungen tauchen auf mit einem undefinierbaren Stimmungs- und Bedeutungshalo, z.B. „nachtkrater“, „kellerzeilen“, „bohnenfutur“, „tanzkleidrichtung“. Überraschende Metaphern entstehen aus den Wortballungen, klumpen sich zu Bildräumen, die mal purer Unfug und mal ergreifender Tiefsinn zu sein scheinen. Irgendwelche Vortag- und Nachtreste mischen sich offenbar ein, Lesespuren, Ängste, Überlegungen etc., und kommen in neuer, oft rätselhafter Gestalt wieder hervor, zuweilen durch mehrere Sprachen mäandernd, eben ganz im Zeichen der Globalität“, schreibt Jürgen Brôcan auf fixpoetry über rost und kaffeesatz von Nora Zapf.

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Die Karawane der Poesie in Chile

In einer Reise-Reportage für die Frankfurter Rundschau schildert der Schriftsteller Artur Becker seine Begegnungen in Chile und portraitiert darin auch den chilenischen Dichter Enrique Winter. Den Artikel gibt es online nachzulesen, die Winter betreffenden Passagen finden sich ab Seite 4.

Enrique Winter liest übrigens heute (31.5.) in Berlin in der Buchhandlung Andenbuch, am 5. Juni im Literaturklub Köln und am 7. Juni bei AHAB in Hamburg.

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Enrique Winter: Oben das Meer unten der Himmel

Der Gedichtband Oben das Meer unten der Himmel des chilenischen Dichters Enrique Winter vereint Gedichte, die die Vielseitigkeit seines Schreiben ebenso zeigen wie die Kontinuität und Entwicklung bestimmter Themen, Formen und Motive, etwa die polyphone Auseinandersetzung mit der chilenischen und lateinamerikanischen sozialen Wirklichkeit, die Verarbeitung von Familiengeschichte als Weltgeschichte und die bildstarke Auseinandersetzung mit der Natur und vor allem dem Meer als Lebens- und Arbeitsraum.

Lange haben wir auf diesen Band gewartet, der schon an anderer Stelle angekündigt war. Das Übersetzer-Team (Léonce W. Lupette, Sarah Otter und Johanna Schwering) hat für uns noch einmal an der Auswahl gefeilt und den Gedichten den letzten Schliff gegeben, so dass wir uns heute besonders über das Erscheinen freuen.

Enrique Winter wird das Buch gemeinsam mit den Übersetzer/innen in der Berliner Buchhandlung Andenbuch vorstellen (31.5., 19h) und beim Poesiefestival Berlin (26.5., Poets‘ Corner, Instituto Cervantes, 19 Uhr), in Köln (5.6.) und Hamburg (7.6.) lesen.

Enrique Winter: Oben das Meer unten der Himmel. Gedichte aus dem chilenischen Spanisch von Léonce W. Lupette, Sarah Otter und Johanna Schwering, 86 S., 12,- € – ist ab sofort lieferbar

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Enrique Winter, geboren 1982 in Santiago de Chile, lebt in der Hafenstadt Valparaíso, war als Verleger der Ediciones del Temple sowie als Anwalt tätig und absolvierte einen Master in Kreativem Schreiben an der New York University. Seine Gedichte und Videos umfassen mehr als hundert Publikationen in sechs Sprachen. Gemeinsam mit dem Bassisten Gonzalo Planet hat Enrique Winter als „winterplanet“ Gedichte mit musikalischer Begleitung vertont (Agua en polvo, 2012). Zuletzt erschienen sein vierter Gedichtband Lengua de señas (2015), sein erster Roman Las bolsas de basura (2015) sowie Übersetzungen von Charles Bernstein, Emily Dickinson, G.K. Chesterton und Philip Larkin. Den Sommer 2017 hat Winter als Gast der Sylt Foundation in Deutschland verbracht. Derzeit lehrt er im Rahmen einer Autorenresidenz an der Universidad de los Andes in Bogotá und arbeitet an seinem zweiten Roman.

Schönste Verwirrung

„Eine ungewöhnliche, herausfordernde Lektüre, die sich ein bisschen anfühlt, als würde man eine Zwiebel umgekehrt häuten. Anstatt Schicht für Schicht abzutragen, um möglicherweise irgendwann eine innere Wahrheit zu enthüllen, wächst der Text mit jeder Wiederholung um einen spärlichen Faktenkern herum ins Ungesagte“, schreibt Anja Kümmel in einer Besprechung für Die Zeit über Exorzismus in Polen Die Schönheit der Wüste. „Luise Boeges spielerisches Buch verwirrt den Leser aufs Schönste.“

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Geometrie des Nachmittags

„Die ‚Geometrie des Nachmittags‘ ist eine bedrückende Beschreibung des Spaziergangs einer Mutter, deren Familie sich in einem sich auflösenden Zustand befindet, von dem wir in immer neuen Varianten erfahren“, schreibt Jonis Hartmann in einer Besprechung für Fixpoetry über Luise Boeges Prosaband. Und weiter: „Depression, Sucht, Dyskommunkation etc. Alles da, auf wenigen Sätzen, die es in sich haben, deren Wucht und deren Streckung in Schlaufen man sich im ganzen Bändchen nicht entziehen kann. Obwohl Boege fast nichts sagt und die Manie des beschriebenen Inhalt zu ihrem Stilmittel macht, das Festhalten an Routinen, das Kreisen in der Sinnessackgasse, das nicht Wahrhabenwollen und Streichenwollen bzw ungeschehen/ ungeschrieben machen wollen, alles ist da. Verdichtet und erschütternd.“ Schließlich habe „Luise Boege in der Parasitenpresse ein heftiges, forderndes Stück Prosa vorgelegt“.

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