Singen, schreiben, tanzen und gurgeln

„Sehr emotional wurde es bei der Verleihung des Förderpreises an die aus Ungarn stammende Kinga Tóth, die auf der Bühne der Alten Post zu Tränen gerührt um Fassung rang. Dann aber doch noch sehr professionell mit einer fantastisch dargebrachten Performance ihre persönliche Liebe zum Werk Hugo Balls zum Ausdruck brachte. Auf diese Art waren die Lautgedichte des aus Pirmasens stammenden Dada-Begründers noch nie zu hören. Das Publikum in der überfüllten Alten Post war begeistert von der singenden, schreibenden, tanzenden und gurgelnden Sprachwissenschaftlerin“, schreibt Die Rheinpfalz über die Preisverleihung in Pirmasens.

Auch die Pirmasenser Zeitung berichtet. „Kinga Tóths Performance-Kunst brauchte keine Beschreibung, sie baute statt einer Rede gleich eine poetische Wort- und Soundcollage live auf.“ Die „Stadt Pirmasens macht alles richtig“ mit der Auszeichnung von Kinga Tóth und Bov Bjerg (Hauptpreis).

Cover Tóth Party

Lyrik einer jungen Diaspora

Über unsere hebräische Anthologie Was es bedeuten soll und unsere Berliner Release-Lesung in der Lettrétage berichtet Ralf Balke von der Jüdischen Allgemeinen. „… in den vergangenen Jahren zog es zahlreiche Israelis ins Ausland. Vor allem in Berlin ist eine äußerst kreative und vielfältige israelische Szene entstanden. Man lebt zwar in Deutschland, spricht häufig auch mittlerweile die Sprache, aber schreibt weiterhin auf Hebräisch. Eine quasi eigenständige Stilrichtung konnte sich so weltweit herauskristallisieren, das »Ivrit Diasporit«, zu Deutsch: das Hebräisch der Diaspora. ‚Das führt natürlich zu der Frage, wie man eine Literatur am Leben erhält und weiterentwickeln kann, wenn man als Israeli in einem anderen Land lebt‘, sagt Schiffer.“

Wie sehr die Erfahrungen von Diaspora und Migration in das Schreiben einfließen, bringt auch Maya Kuperman auf den Punkt: „Migration ist eine sehr nachhaltige Erfahrung, die einer der zentralen Gegenstände meiner Texte geworden ist, seit ich hier lebe.“

Fazit der Jüdischen Allgemeinen: „Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag dazu, der hebräischen Lyrik in Deutschland Aufmerksamkeit zu verschaffen.“ Der ganze Beitrag kann hier nachgelesen werden.

Cover Hebrew4

Rasmus Nikolajsen: was sollen wir mit all der schönheit?

Das Langgedicht was sollen wir mit all der schönheit? des dänischen Schriftstellers Rasmus Nikolajsen schaut den Blättern beim Fallen zu und widmet sich – ausgehend von den Themen Natur, Herbst und Schönheit – der Frage nach dem Sinn des Lebens, nach dem Tod, nach Einsamkeit und Verlorenheit in der Gesellschaft, nach der Sehnsucht nach Freundschaft und Gemeinschaft. Ins Deutsche übertragen wurde der Text von der Übersetzerin Sarah Fengler, die für uns schon Gedichte in der Dänemark-Anthologie Hier habt ihr mich übersetzt hat.

… und du stehst da, im flur zwischen

schlaf- und badezimmer, und bist

gerade aufgewacht, nicht ganz /

wach, und ich gehe zu dir hin

und umarme dich, und du hast

etwas aufgelöstes vom schlaf

an dir, und während ich dich im

stehen halte, verschwinde ich

mit in dem aufgelösten, und

mir kommen zweifel, wer wer ist,

und wir stehen eine weile /

da, miteinander verfilzt, …

*

Rasmus Nikolajsen: was sollen wir mit all der schönheit? Herbstgedicht, aus dem Dänischen von Sarah Fengler, 70 Seiten, 12,- € – ab sofort lieferbar 

(Hinweis für Abonnent*innen: Sonderausgabe, nicht im Abo enthalten)

Cover Nikolajsen 4

Rasmus Nikolajsen, geb. 1977 in Kopenhagen, studierte Literaturwissenschaft und debütierte im Jahr 2000. Seitdem hat er neun Lyrik- und drei Prosabände veröffentlicht. Für seine Texte erhielt er u.a. einen Ehrenpreis der dänischen Kunststiftung Statens Kunstfond und den renommierten Kritikerprisen. Sein Langgedicht was sollen wir mit all der schönheit? (hvad skal vi med al den skønhed?) erschien in Dänemark im Verlag Rosinante (2018). Gedichte aus dem Band Tilbage til unaturen finden sich schon in der Anthologie Hier habt ihr mich (parasitenpresse 2017).

Sarah Fengler, geb. 1997 in Frankfurt am Main, studierte Politikwissenschaft, Skandinavistik und Literaturwissenschaft. Sie übersetzt aus dem Norwegischen und Dänischen. Für die Dänemark-Anthologie Hier habt ihr mich übersetzte sie neben Rasmus Nikolajsen auch Texte von Naja Marie Aidt.

Viele Juwelen

„Viele Juwelen gibt es zu entdecken, fein gewebte Gedichte sind sie allesamt und inhaltlich sowie formal modern im besten Sinne des Wortes. Lyrik kann Einblicke in andere Welten herstellen, und dieses großartige Buch mit wundervollen Gedichten bietet dazu eine sehr gute Gelegenheit. Also, nix wie ran! Lernen wir die neuen Brüder und Schwestern aus Israel kennen!“ schreibt Matthias Ehlers über unsere hebräische Anthologie Was es bedeuten soll bei WDR5 Bücher. In der Sendung lief das Gedicht Haus von Tali Okavi aus dem Band.

Cover Hebrew4

Eine eigene Sprache

„Der Band versammelt 13 Stimmen von teils hebräisch, teils deutsch dichtenden, größtenteils jüngeren Lyriker*innen, die hierzulande bis dato kaum wahrgenommen werden. Dankbar darf man dem Herausgeberduo dafür sein. Ihr Band macht ein wenig vertrauter mit noch wenig bekannten Stimmen und ermöglicht zudem eine Teilhabe an dem ‚Wunder, dass die jüdische und hebräische Kultur in Europa heute wieder pulsiert’“, schreibt Beate Tröger über unsere hebräische Anthologie Was es bedeuten soll in der aktuellen Ausgabe des Freitag.

Cover Hebrew4

Schutt und Asche

„Obwohl das Leben von Rafael Cadenas mehr als zwei Drittel des 20. Jahrhunderts durchmisst, ist dieses Gedicht (…) getragen von einer fast anmaßenden Hoffnung gegenüber den Bewohnern des 21. Jahrhunderts. Gleichwohl spuckt der Mund des venezolanischen Dichters das verflossene 20. Säkulum aus wie eine verdorbene Frucht: nichts als ‚Schutt‘ und ‚Asche‘, nichts als Menschen mit einer sich wohl mit allen Übeln akkomodierenden ‚widerwärtigen‘ Geduld, nichts als verbrauchte ‚Diskurse'“, schreibt Paul-Henri Campbell in Volltext (4/2019). Gemeint ist das Gedicht Wie du mich zwingst aus dem Band Klagelieder im Gepäck in der Übersetzung von Geraldine Gutiérrez-Wienken und Marcus Roloff.

Cover Cadenas

Gedichte atmen

„Dimkovskas Texte zeigen die Extreme von schwarz und weiß, bemühen sich zugleich aber um eine Palette reicher Grautöne. Man gewinnt zuweilen dein Eindruck, die Lyrikerin atmet ihre Gedichte, die aus ihr heraus müssen, die gegenwärtig sind und zugleich von zeitloser Aktualität. Sie spielt dabei nicht subtil mit Sprache, sondern sie lässt Bildern entstehen, die sie manchmal wie nebenbei kreiert“, schreibt Monika Vasik über Schwarz auf weiß von Lidija Dimkovska bei Fixpoetry. Sie „liebt Wendungen ins Surreale, die besonders dann überzeugen, wenn sie damit vermeintlich Triviales konterkariert oder das Unvermögen, etwas Unbegreifbares begreifen zu müssen, veranschaulicht. Und sie verfügt über leisen Witz, der manchmal in kleinen Wendungen aufblitzt, und neben der Melancholie gut seinen Platz findet. Ein eindrückliches Buch!“

Cover Dimkovska