Lydia Haider: Wort des lebendigen Rottens

Lydia Haiders erster Lyrikband Wort des lebendigen Rottens setzt sich aus 88 ganz unterschiedlichen Gesängen zusammen. Die Frage „Wer spricht?“ muss für jeden Text neu verhandelt werden – obwohl unerheblich für deren Aussage, denn ob Prediger_in oder das Volk selbst, ob ein „wahrer Gott“ spricht oder doch der Antichrist, macht’s Kraut nicht mehr fett. Es ist bereits fett. Ein Spiegel unseres Seins? 

Haider nimmt die Sprache von Handelnden, Machern, Mächtigen, Tätern und gießt sie über uns aus als einen Wortschwall. Sie zerbröselt die Sätze, die Strukturen, knetet und walkt alles durch, bis sich diese Sprache mit aller Macht gegen die Sprechenden wendet – was oft ein großer böser Spaß ist und manchmal tödlich endet.

Einige Gesänge sind auch vertont – die Musikkapelle gebenedeit hat Texte aufgegriffen und wird sie an Allerheiligen 2020 über ihr Album Missgeburt (Macht eine Messe!) der Weltlichkeit zugänglich machen.

Bei den 44. Tagen der deutschsprachigen Literatur, dem Bachmann-Wettbewerb, wird man Lydia Haider erleben dürfen. Sie nimmt dort auf Einladung von Nora Gomringer teil. Der Wettbewerb findet heuer vom 17.-21. Juni 2020 statt.

Cover Haider

Lydia Haider: Wort des lebendigen Rottens. Gesänge zum Austreiben, 40 Seiten, Preis: 10,- € – ist ab sofort lieferbar (Als Sonderdruck kein Teil des Abos)

Lydia Haider, geb. 1985, Schriftstellerin, lebt in Wien. Auch: Chefpredigerin der Musikkapelle gebenedeit. Zuletzt erschienen: Und wie wir hassen!, Anthologie (als Herausgeberin) 2020; Am Ball. Wider erbliche Schwachsinnigkeit, Roman 2019; Wahrlich fuck you du Sau, bist du komplett zugeschissen in deinem Leib drin oder: Zehrung Reiser Rosi. Ein Gesang 2018.

Stille als Stil

„Reduktion heißt also die Devise“, schreibt Jürgen Moises in der Süddeutschen Zeitung (5.11.) über Ich mag das (Problembär Records), die neuen Songs von Mira Mann, die auf dem Band Gedichte der Angst basieren. „Aber nicht im Sinne einer direkten musikalischen Vertonung. Eher ist es so, dass die insgesamt sechs Stücke in Text und Musik auf Situationen, Stimmungen und einzelne Satzfragmente aus den Gedichten reagieren.“

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Schöne, nahe, zarte Momente

Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk spricht Mira Mann über den Zusammenhang von Gedichte der Angst mit ihrer Solo-EP Ich mag das. „Der Transfer von einigen ‚Gedichten der Angst‘ zu ‚Ich mag das‘ hat mir gezeigt: Selbst wenn man in einer großen Krise ist, gibt es sehr schöne, nahe, zarte Momente mit anderen Menschen, die es wert sind festgehalten zu werden.“ Die Fragen stellte Joana Ortmann.

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