Krematorien

Über Krzysztof Siwczyk und seine Krematoria-Trilogie schreibt Alice-Catherine Carls (University of Tennessee at Martin) in World Literature Today: „Krzysztof Siwczyk is known for his philosophical poetry that yields long lines reasoning out the malaise of adulting, the problematics of identity in a world of gray indifference.“ Und weiter: „In Krematoria III, the self-perpetuating, somewhat logorrheic language of reflection has evolved, freeing the verses from thought encumbrances; the sparse, permanent black signs on the white page invite the watermarks of connection. The central signifier is the word Crematoria, spelled with an ominous capital letter. It inflects unstable realities and uncertain destinies that ‚Burn without a big halo / Like us / They only hiss and spit fire / Although the world long ago / Stopped caring about them‘ (…). The characters’ melancholy and aimlessness appear to be caused by the grief of Poland’s national traumas of World War II, the Holocaust, Soviet occupation, and the end of the Cold War. With the lesser wounds more difficult to define, the Holocaust serves as a gauge of terrible clarity: ‚War / Holocaust / Reduction to a stick / Secam / Soap / Faint‘.“ Gedichte aus Krematoria I & II sind Teil von Auf nächtlicher Reise.

 

Die Weltgeschichte ein Menschenfresser

„Mag die Weltgeschichte auch ein unverbesserlicher Menschenfresser sein, ich gebe nicht auf.“ Die Dankrede für den Kakehashi-Preis von Artur Becker, gehalten im Goethe-Institut Tokyo, ist jetzt in voller Länge in der Frankfurter Rundschau nachzulesen. Darin heißt es: „Aus einem Land zu kommen, in dem alles ständig verschwindet, die Grenzen andauernd verschoben werden und dessen Bewohner austauschbar sind, bringt mit sich – ist man Dichter – gewisse Aufgaben und sogar Verantwortung. Wie geht man poetisch, historisch, politisch, philosophisch und metaphysisch mit so einer Zerbrechlichkeit um?, fragt sich der Autor, der in Ermland und Masuren, dem ehemaligen Ostpreußen im heutigen Polen, geboren wurde und dort seine Kindheit und einen Teil seiner Jugend verbracht hat. Und warum spürt man diese Zerbrechlichkeit als verpflichtend gegenüber der Literatur und dem Menschen? Warum fühlt man sich schuldig und für all die Toten, die das wunderbare Land einst bevölkert haben, verantwortlich? Warum will man sie schließlich alle retten, die Toten und die noch Lebenden, die doch vielleicht gar nicht gerettet werden wollen oder gar müssen?“

Bücher von Artur Becker sind bei den Kollegen von weissbooks und Westend erschienen. Bei uns ist u.a. der Gedichtband Bartel und Gustabalda von ihm lieferbar.

Europäisches Literaturfestival Köln-Kalk 2022

Zum vierten Mal findet das Europäische Literaturfestival Köln-Kalk (ELK) vom 2. bis 4. September 2022 statt, wie immer kostenlos & zugänglich für alle auf dem Ottmar-Pohl-Platz und in der Pflanzstelle!

Mit der Großen Eröffnungslesung beginnen wir am Freitag (Begrüßung: 19 Uhr), setzen das Programm am Samstag mit Einzellesungen fort (13-22h) und beschließen das Festival am Sonntag mit dem Rahmenprogramm (13-16h).

Wir freuen uns auf Greta Ambrazaitė, Jelena Jeremejewa, Jazra Khaleed, Ronya Othmann, Shpëtim Selmani und Krzysztof Siwczyk im Hauptprogramm (mit Texten auf Deutsch, Litauisch, Englisch, Griechisch, Kurdisch, Albanisch und Polnisch.

Als ELK-Alumni und im Nebenprogramm lesen oder moderieren mit u.a. Alexander Estis, Pablo Jofré, Eleonore Schönmaier, Mati Shemoelof, Andreea Simionel, Arvis Viguls und Krišjānis Zeļģis (mit Texten auf Deutsch, Spanisch, Hebräisch, Englisch, Italienisch und Lettisch).

Als Literatur-/Kulturzeitschrift sind diesmal Qamar dabei. Musik gibt es von Donia Touglo und Ramblin‘ Boy Harrers.

Als Moderator:innen oder deutsche, englische oder kurdische Stimmen sind Artur Becker, Zuzana Finger, Philipp-Bo Franke, Laura Jordan-Bertinelli, Adrian Kasnitz, Elizaveta Khan, Wassiliki Knithaki, Jonas Linnebank u.a. zu sehen und zu hören.

Kommt vorbei – wir freuen uns auf euch!

Das komplette Programm findet ihr hier: https://elk-festival.com/de/programm-2022

Das ELK 2022 wird präsentiert von Integrationshaus e.V., KLiteratur, KUNTS e.V. und der parasitenpresse

Translator’s Choice. Übersetzen als poetische Utopie. Latinale 2021

Translator’s Choice. Übersetzen als poetische Utopie ist der Reader zur 15. Latinale 2021, dem mobilen lateinamerikanischen Poesiefestival aus Berlin. Utopie entsteht dort, wo von einem Topos, von einem Ort zu einem anderen gewechselt, oder der gegebene Ort transmutiert wird. Utopie ist Neu-Belebung und Neu-Bedeutung. Der plötzlich von Vögeln bevölkerte Fenstersims, den Maricela Guerrero in ihrem vorangestellten Grußwort beschreibt, ist eine solche Utopie – oder, besser noch, ein schon existierender Ort, der auf neue Weise wirksam wird und so sein Publikum findet: die Dichterin, die Katze der Dichterin, und womöglich Kinder, die die Vögel (und die Katze) in ihren neuen Begegnungsbereichen beobachten. Das Setting kristallisiert zu einem Begriff – dem der Begegnung – und Guerrero überträgt ihn auf den Gegenstand ihres Textes: das internationale Poesiefestival Latinale, dessen Schlaglicht im Jahr 2021 die Utopie ist. Die Dichterin ist darin geübt zu transformieren, was sie benennt, und so wird die Latinale im Handumdrehen zu einer Plattform, auf der sich Vögel, Fenster und vogelfressende Hausraubtiere zum Feiern zusammenfinden. Gegenstand der Feier: Poesie. Genauere Kennzeichen: Poesie einer komplexen Provenienz. Ausgangsorte: Lateinamerika und die Karibik. Zielorte: Berlin und andere deutsche Städte.

Herausgegeben von Timo Berger, Rike Bolte und Alina Neumeyer versammelt der Band Beiträge von Julio Barco, Tania Favela, Caro García Vautier, Ana Martins Marques, Jamila Medina Ríos, Beatriz Rgb, Jimena González, Milton López, Xitlalitl Rodríguez Mendoza, Carlos Soto Román, Romy Brühwiler und Marcela Guerrero sowie Übersetzungen von José F.A. Oliver, Léonce W. Lupette, Michael Kegler, Nora Zapf, Christian Filips, Birgit Kirberg, Silke Kleemann, Johanna Schwering, Lisa Calmbach, Thomas Schultz und Lisa Spöri.

Die Latinale findet dieses Jahr vom 17.-24. November in Berlin, Osnabrück und Frankfurt statt. Das Programm findet sich hier.

Translator’s Choice. Übersetzen als poetische Utopie. Latinale 2021, hg. v. Timo Berger, Rike Bolte und Alina Neumeyer, dreisprachig Deutsch/Spanisch/Portugiesisch, 168 Seiten, Preis: 15,- € – ab sofort lieferbar

Europäisches Literaturfestival Köln-Kalk – Programm ist online!

Das Programm unseres mehrsprachigen Europäischen Literaturfestivals in Köln-Kalk ist nun online. Am 3. September eröffnen wir das Festival in einer großen Lesung mit Gisela Casimiro (Lissabon/Guinea-Bissau), Lütfiye Güzel (Duisburg), Luis Luna (Spanien), Mati Shemoelof (Berlin/Israel), Andreea Simionel (Italien) und Xoşewîst (Leipzig/Syrien), Moderation: Adrian Kasnitz. Am Samstag (4.9.) und Sonntag (5.9.) finden weitere Lesungen aller Autor*innen des Eröffnungsabends statt und es stellen sich die Literaturzeitschriften Das Narr, KLiteratur, P.S. – Politisch Schreiben und Trimaran vor. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit ehemaligen ELK-Gästen nämlich mit Alexander Estis (Köln/Schweiz), Zoltán Lesi (Wien/Ungarn), Arvis Viguls (Lettland) und Krišjānis Zeļģis (Lettland).

Save the date: Europäisches Literaturfestival Köln Kalk 2021

Die dritte Ausgabe unseres Europäischen Literaturfestivals in Köln-Kalk, kurz ELK, findet vom 3.-5. September 2021 statt. Merkt euch schon einmal das Datum und schaut euch den Film an, der die Atmosphäre des Festivals im letzten Jahr einfängt. Die Stimmen, die ihr hört, stammen von Gästen aus allen drei Jahre. In diesem Jahr werden Gisela Casimiro, Andreea Simionel, Lütfiye Güzel, Mati Shemoelof, Luis Luna und Xoşewîst im Hauptprogramm lesen.

Gedichte aus Myanmar

Im Literaturmagazin Bremen schreibt Artur Becker über seine Übersetzung der Gedichte des Dichters Di Lu Galay aus Myanmar, die er aus dem Englischen ins Deutsche überträgt, ohne das birmanische Original verstehen zu können. „Eine Übersetzung aus einer Übersetzung ist immer eine heikle Sache, da man vieles intuitiv erahnen muss – man darf vor allem keine Angst haben, Fehler zu machen. Aber man muss eine poetische Vorstellung von der Dichtung haben, deren Sprache und Schrift einem zudem komplett fremd sind.“ Der Band Ein Oktopus, aber so viele Handschuhe ist gerade im Druck, erscheint Anfang Juni in Zusammenarbeit mit der Sylt Foundation in Johannesburg und kann nun vorbestellt werden.

„Dis Gedichte kreisen oft um Gewalt und Angst vor dieser, und seit dem Militärputsch im Februar 2021 in Myanmar verstehe ich besser, warum die Gewalt in Dis Lyrik ein immer wiederkehrendes Motiv ist, wie zum Beispiel in dem kurzen Gedicht Rennen, verstecken, schießen und töten – er wuchs ja in einer Militärdiktatur auf. Während der Arbeit an der Übersetzung beschränkte sich unser Kontakt auf kurze, sporadische Nachrichten auf WhatsApp, da Di selten und nur für kurze Dauer das Internet nutzen konnte“. Der ganze Text findet sich hier.

 

Steine sammeln, auch Hypothesen

Unter dem Titel Steine sammeln, auch Hypothesen stellen wir am 24. April in Sankt Petersburg im Programm café D des Goethe-Instituts zur Deutschen Woche die beiden Bücher Под камнями von Thomas Podhostnik und Die Dädalus-Hypothese und andere, nicht ganz abwegige Vermutungen von Lew Naumow vor und sprechen über unser russisches Jahr. Die Lesung, an der auch die Übersetzer Alexander Kabisow und Dirk Bretschneider sowie Adrian Kasnitz teilnehmen, wird moderiert von Anastasia Patsey vom Museum für nonkonformistische Kunst. Die Lesung findet in Präsenz im Amphitheater des Kongresszentrums Lenpoligrafmasch (Аптекарский пр., д. 4, корп. 2 / Aptekarski Pr. 4, Gebäude 2) um 17 Uhr Ortszeit (16 Uhr Kölner/Leipziger Zeit) statt. Einige Teilnehmer sind online zugeschaltet.

Dem Live-Stream kann man übrigens hier folgen:

Томас Подхостник: Под камнями

Als Bestandteil unseres russischen Jahres erscheint jetzt die Erzählung Unter Steinen von Thomas Podhostnik in der russischen Ausgabe, die Alexander Kabisow aus dem Deutschen übertragen hat. Под камнями wird am 24. April in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Sankt Petersburg (mit Lew Naumow, Thomas Podhostnik, Dirk Bretschneider, Alexander Kabisow, Adrian Kasnitz u.a.) im Rahmen der Deutschen Woche präsentiert.

Томас Подхостник: Под камнями. Проза. Илюстрации Йоханны Риттер. Перевод с немецкого: Александра Кабисова, 42 ст., 10,- €