Karin Fellner: eins: zum andern

„Wie kann es gelingen, Stimmenvielfalt und assoziatives Sprechen (samt Sprüngen und Lücken) mit genug poetischer ‚Zentripetalkraft‘ auszustatten, sodass ein Gedicht sich auffächert und zusammenhält? Wie also kann ich die poetischen Kategorien ‚Dichte‘ und ‚Offenheit‘ gleichzeitig realisieren?“, hat sich die Münchner Dichterin Karin Fellner beim Schreiben der neuen Gedichte gefragt. Dass es ihr gelungen ist, bezeugt dieser Band und bestätigt Barbara Köhler: „und immer wieder entfaltet es sich, so fasslich, greifbar und haltlos, so selbstverständlich und fremd, großartig fremd und gelassen, fremd gelassen kommt das andre zum einen (zu einem, zu einer), in vertraute umgebungen, entfaltet sich, ist da, macht staunen. will nicht, kann.“

magst du aufmachen, dich oder mich, und wohin, fragst du vielleicht,
gibt es Schlüssel, er- oder entschließt sich Sinn, umzugehen, womit?

ob ziehend etwas passiert, durch deine, meine Spalten vorüberstürmt
oder stört, ein Tier, vielleicht Stör, eine Strömung?

sind mehrfache Gänge vorhanden? öffnen sich unter der Hand
dir entgegen, entsteht eine Wendel, verändert, zu welchem Ende?

magst du möglicherweise diese Vorsätze, -fragen fassen
und hinter dich oder mich   hinter dir fallen lassen?

Karin Fellner: eins: zum andern. Gedichte, 60 S., Preis 10,- € – ab sofort lieferbar

Cover Fellner eins

Karin Fellner, 1970 in München geboren, lebt heute dort und arbeitet als Dichterin, Lektorin und Schreibcoach. Sie leitet Schreibprojekte, u.a. für das Lyrik Kabinett München. Ihre Gedichte wurden mehrfach ausgezeichnet, etwa mit dem Leonce-und-Lena-Förderpreis (2005), dem Medienpreis beim Lyrikpreis Meran (2012) und einem Literaturstipendium des Freistaats Bayern (2018). Bislang veröffentlichte sie vier Gedichtbände, davon in der parasitenpresse Avantgarde des Schocks (2005) und Ohne Kosmonautenanzug (2015).

Diese Gedichte sind sogar faszinierend

„Es ist in jedem Fall faszinierend zu verfolgen, wie sie [die Gedichte] operieren; wie schnell in diesen Texten aus einer Ausgangssituation ein Verfahren wird, wie eine Idee fließend in einen Vollzug übergeht. Ja, diese Gedichte sind sogar faszinierend. Man durchläuft sie immer wieder, bzw. könnte man sagen: lässt sie immer wieder laufen, wie einen Video-Clip, in dem mit der eigenen Wahrnehmung gespielt wird oder ein Phänomen verdeutlicht wird“, schreibt Timo Brandt über Lichtmesser von Ruth Lasters, ganz nachzulesen im Signaturen-Magazin

Cover Lasters

Claire Gondor / Timotéo Sergoï / Caroline Simon: Die Schienbeine der Stadt

Die Schienbeine der Stadt präsentiert Texte von drei französischsprachigen Autor*innen aus Lothringen, Luxemburg und der Wallonie. Claire Gondor (F), Timotéo Sergoï (B) und Caroline Simon (LUX) nehmen in diesem Jahr am Printemps poétique transfrontalier teil, einer von der Kulturfabrik in Esch (LUX) ins Leben gerufenen alljährlichen Veranstaltungsreihe. Die Lesetournée durch Luxemburg, Lothringen, die Wallonie, das Saarland und Rheinland-Pfalz startet heute. Die Übersetzungen stammen von Odile Kennel und Jérôme Netgen.

Claire Gondor / Timotéo Sergoï / Caroline Simon: Die Schienbeine der Stadt. Gedichte aus dem Französischen von Odile Kennel und Jérôme Netgen, 52 Seiten, Preis: 10,- € – erscheint heute als Sonderausgabe und ist ab sofort lieferbar

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Verschlucken und verschlingen

Über stimmapparatvibrato von Walter Fabian Schmid schreibt Frank Milautzcki bei Fixpoetry eine aus führliche Besprechung, die alle Textteile und Illustrationen genau und treffend ins Visier nimmt: „Man beachte: es ist ein buchstabmbett. Da hat jemand sehr genau hingehört und gehört, daß wir oft gar nicht genau hinhören, wenn wir sprechen, daß wir verschlucken und verschlingen beim Raushaun und mmmmmen und nnnnnen und das auch gern vertauschen. Ganz klar erinnert man Thomas Kling, erinnert man Ernst Jandl, aber hat nie das Gefühl im Beerben läge irgendein Makel. Walter Fabian Schmid ist ein Lautmensch, dem die Vokale fehlen, weil der Mensch ins Stottern gekommen ist. Er ist auch ein genauer Schilderer, webt poetische Bilder in die Lautmalereien ein, die tragen, ist konstruktiv zugange in mutiger Abstraktion.“

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Bernd Lüttgerding: Der rote Fuchs

Der in Brüssel lebende Dichter Bernd Lüttgerding hat dem Fuchs mit Der rote Fuchs ein poetisches Denkmal gesetzt. Seine Gedichte und die farbigen Illustrationen, die er dem Text mitgegeben hat, spiegeln das Leben des Fuchses in der Nachbarschaft des Menschen. Mensch und Tier, Stadt und Land werden dabei in eine ambivalente Beziehung gesetzt.

Der rote Fuchs wallt in die Stadt;

er schnuppert Müll in gelber Nacht

(– da summt vieltausend Kilowatt…)

Er setzt die Pfoten mit Bedacht.

Mit Bruno Latour spricht Lüttgerding dem Fuchs eine Handlungsmächtigkeit zu, die ihn hier in den Mittelpunkt der Texte stellt. Wie fruchtbar oder tödlich die Mensch-Tier-Beziehung aber aussieht, davon sprechen die Gedichte.

Der rote Fuchs erscheint zunächst in einer auf 100 Exemplare limitierten, signierten und farbig illustrierten Sonderausgabe. Diesen Exemplaren liegt eine signierte Beilage des Künstlers bei.

Bernd Lüttgerding: Der rote Fuchs: Gedichte (mit farbigen Illustrationen), signierte Sonderausgabe, 60 Seiten, Preis: 20,- € – ab sofort lieferbar

Cover Lüttgerding Fuchs

Bernd Lüttgerding, geb. 1973 in Peine, lebt seit 2008 in Belgien (Antwerpen, Brüssel). Er schreibt Gedichte und Romane. Einige Publikationen in Zeitschriften und Anthologien. In der parasitenpresse erschien bereits Stäubungen (2017).