Vancouver

Das Gedicht Vancouver von Eleonore Schönmaier aus dem Band Wellenlängen deines Liedes lief bei WDR5 Bücher. Dazu schreibt Matthias Ehlers: „Die aus Nordkanada stammende Eleonore Schönmaier erhielt für ihre bisher erschienenen Gedichtbände wichtige kanadische Literaturpreise. Jetzt stellt der Parasitenverlag – im Hinblick auf das Gastland Kanada der Frankfurter Buchmesse 2020 und 2021 – Schönmaier auch dem deutschen Publikum vor. Die Gedichte von Eleonore Schönmaier sind kleine Geschichten aus der ganzen weiten Welt der Autorin. Sie kommen direkt aus der kanadischen Wildnis und begeben sich von dort aus in die europäische Geisteswelt.“

Beim Gang durch Museen

„Die beim Gang durch Museen und Galerien geernteten Visionen, die an Bildern und Exponaten haften, die sie gleichsam verströmen, sind die eindrucksvollen Essenzen dieser Gedichte. Die Symbiose zwischen Bild und Betrachter feiert dabei kristalline Feste, bei denen die alten Kunstwerke lebensprall in die Gegenwart drängen: ‚ein leichtes Kräuseln der Stirn / während das Wasser den Atem anhält / mit der einen Hand stützt er sich auf / weg vom eigenen Spiegelbild / die andere lässt er herabhängen‘ (über Caravaggios Narziss). Astrid Nischkauer gibt diesen Werken der Bildenden Kunst ein poetisches Echo, das sich sehen lassen kann, von Farben und Formen ist es berauscht“, schreibt Kerstin Fischer über du Wundergecko in ihrem Blog Lyrikatelier Fischerhaus. „Nachdem man die Gedichte (…) gelesen hat, wird man wacher und sensitiver durch die Galerien und Museen gehen. Diese Lyrik ist hochwirksam.“

Bilder und Kippbilder

„Ein Buch über Bilder und ihre Wahrnehmung: Wie lesen wir in Bildern? Was finden, was entdecken, was sehen wir in ihnen? Von John Berger haben wir gelernt, wie und was wir aus unserem Blick auf Bilder erfahren  können. Nischkauers scheinbar kleines, scheinbar beiläufiges Buch zu rezipieren, kann einem weiter die Augen öffnen – mal für das Ganze, mal die Situationen, mal die Details. Immer aber ist es das Figurative, das sich in den Text überträgt, selbst in der Abstraktion wird das Atmosphärische, die Komposition spürbar, fließend zusammengesetzt zu einer Satz-Miniatur“, schreibt Martin Kubaczek in einer ausführlichen Besprechung des Gedichtbandes Satyr mit Thunfisch von Astrid Nischkauer für den Blog der Poesiegalerie. Und weiter: „Die Gedichte erweisen sich als kleine geometrische Figur oder als Gebärde, sind in sich kohärent als stimmiger Ausgang und situativer Reflex. Sie bleiben wach und aufmerksam, überraschen immer wieder in neuer Weise, nichts wiederholt sich, es gibt keine Redundanzen, die Gedichte sind effektiv und ökonomisch gestaltet, „schlenkern“ nicht (wie das in Walter Benjamins kurzem Text „Gut schreiben“ heißt), sondern führen direkt zum Punkt dessen, was sie sagen oder zeigen wollen, sind punktgenauen Ziellandungen: sie dauern bloß ein paar Sekunden vom Absprung bis zur Landung, und öffnen sich mit einem kleinen Ruck, der uns auffängt, schaukelnd und schützend trägt, sicher absetzt und entlässt. Dann schaut man nochmals hinauf an den Beginn, und sieht, wie bewusst hier alles in seine Gestalt gebracht ist.“

Der zweite Band mit Wiener Museumsgedichten, du Wundergecko, ist gerade ebenfalls bei uns erschienen.

Das Lineare ist der Selbstbetrug

„‚mir sind Freizeit wichtig und Nichtstun / Freizeit und Nichtstun sind mir wichtig‘. Es gehört wohl zu den störenden und ungewollten politischen Einsichten, dass Nichtstun für die Umwelt, in der die wilden Tiere massenhaft aussterben, ökologisch sinnvoller ist als die meisten Formen menschlicher Betriebsamkeit. Die verdrängte Paradoxie, dass Wohlstand produzierender Fleiß und Arbeitseifer zuletzt auch der Menschheit das Grab schaufeln werden, ist in Zeļģis‘ Zeilen wirksam. In seinem ersten Eintrag appelliert er: ‚du solltest nicht in Linien denken / es gibt keinen echten Anfang / kein echtes Ende‚. Das Lineare ist der Selbstbetrug. Die abgerundete, abgeschlossene Form, womöglich mit Happy End die Wunschvorstellung einer fiktionalen Welt. Zelgis bleibt beim Disparaten und Ungereimten der Wirklichkeit und ist daher deutlich realistischer. Die Dialektik der gegensätzlichen Empfindungen, die das wahrgenommene Chaos auslöst, ist die Einheit, die seine Texte zusammenhält“, schreibt Udo Bongartz über Wilde Tiere von Krišjānis Zeļģis. Den ganzen Beitrag kann man in der Lettischen Presseschau nachlesen. 

Was weiß Halle über dich?

„Was wissen wir über den Ort, an dem wir leben? Was weiß er über uns? Und wie würden wir davon erzählen? Eine Antwort auf diese Fragen gibt Christian Kreis’ Halle Alphabet (…) Mit viel Lakonie, Humor und Selbstironie umreißt der Autor ‘seine’ Stadt in ‘26 Buchstaben, 26 Notizen zu Halle’, wie es auf dem Buchrücken heißt“. Was Marie Isabel Matthews-Schlinzig über das Halle Alphabet schreibt, kann man jetzt im Signaturen-Magazin lesen.

Lakonische Bestandsaufnahme

Den Gedichtband Wilde Tiere von Krišjānis Zeļģis stellt Tomas Fitzel bei RBB Kultur vor und bescheinigt den Texten, direkt und unverstellt zu sein. „Ich begriff, dass ich an gar nichts mehr glaubte.“ Auch die Landschaft, leer wie ein sauber geleckter Teller, bietet keinen Halt. Doch weckt sie Erinnerungen: Semgallen, Masuren, Bobrowskis Sarmatien. Den ganzen Beitrag mit vielen Textbeispielen kann man hier nachhören.

Es knistert und raschelt

„Diesem Lyriker gelingt es in phantastischer Weise unsichtbare Bewegungen, die über das Erfahrbare hinausgehen, transparent zu machen, damit sie in unserer Phantasie aufleuchten können. Für mich ist das ein ganz wichtiger Anspruch, den ich an gute Lyrik stelle. In grandioser Weise wird Krišjānis Zeļģis diesem Anspruch gerecht. Es knistert und raschelt in seinen Gedichten, es tobt und jongliert, hinter, über und unter den Zeilen“, schreibt Kerstin Fischer über Wilde Tiere von Krišjānis Zeļģis auf ihrem Lyrikblog Lyrikatelier Fischerhaus.

Und weiter: „Der Dichter und Schriftsteller Adrian Kasnitz hat aus dem Lettischen ins Deutsche übertragen. Man muss des Lettischen nicht mächtig sein, um zu erspüren, dass hier eine sehr feine, einfühlsame Übersetzung vorliegt.“