Klettergarten / Klimparadijs

„Der ganze Band ist eine Art mehrdimensionaler semantischer, morphologischer und bildhafter Klettergarten“, schreibt Christoph Wenzel über eins: zum andern von Karin Fellner in der zweisprachigen und dreiländrigen Literaturzeitschrift Trimaran (2/2020). Das gute daran ist, dass es die Besprechung und das Gedicht Komische Symmetrie / Maffe symmetrie auch auf Niederländisch (in der Übersetzung von Ton Naaijkens) gibt. „De hele bundel is een soort meerdimensionaal, semantisch, morfologisch en plastisch klimparadijs“, lautet die Stelle übersetzt.

In der gleichen Ausgabe empfiehlt Stefan Wieczorek den niederländischen Dichter Menno Wigman. Nachzulesen ist dort auch sein Gedicht Jeunesse dorée aus dem Band Im Sommer stinken alle Städte, den Gregor Seferens ins Deutsche übertragen hat.

Atemlos in der Stille eines poetischen Schreis

„Die Schienbeine der Stadt ist ein sehr lesenswertes Buch, facettenreiche Gedichte voller Nuancen, voller poetischer Kraft, wunderbar ins Deutsche übertragen von Odile Kennel und Jérôme Netgen“, schreibt Guy Helminger im Luxemburger Tageblatt über das Lesebuch mit neuer französischsprachiger Lyrik mit Texten von Claire Gondor, Timotéo Sergoï und Caroline Simon. Gerade Simon bescheinigt er: „Diese ästhetische Wucherung erzählt sehr wohl von konkreten Dingen, von Emotionen und Erlebnissen, aber so, dass es einen lesend auseinanderreißt und man atemlos in der Stille eines poetischen Schreis schwebt. Mehr davon!“

Der ganze Text ist hier zu finden: Teilseite_Livres_12_

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Diese Gedichte sind sogar faszinierend

„Es ist in jedem Fall faszinierend zu verfolgen, wie sie [die Gedichte] operieren; wie schnell in diesen Texten aus einer Ausgangssituation ein Verfahren wird, wie eine Idee fließend in einen Vollzug übergeht. Ja, diese Gedichte sind sogar faszinierend. Man durchläuft sie immer wieder, bzw. könnte man sagen: lässt sie immer wieder laufen, wie einen Video-Clip, in dem mit der eigenen Wahrnehmung gespielt wird oder ein Phänomen verdeutlicht wird“, schreibt Timo Brandt über Lichtmesser von Ruth Lasters, ganz nachzulesen im Signaturen-Magazin

Cover Lasters

Claire Gondor / Timotéo Sergoï / Caroline Simon: Die Schienbeine der Stadt

Die Schienbeine der Stadt präsentiert Texte von drei französischsprachigen Autor*innen aus Lothringen, Luxemburg und der Wallonie. Claire Gondor (F), Timotéo Sergoï (B) und Caroline Simon (LUX) nehmen in diesem Jahr am Printemps poétique transfrontalier teil, einer von der Kulturfabrik in Esch (LUX) ins Leben gerufenen alljährlichen Veranstaltungsreihe. Die Lesetournée durch Luxemburg, Lothringen, die Wallonie, das Saarland und Rheinland-Pfalz startet heute. Die Übersetzungen stammen von Odile Kennel und Jérôme Netgen.

Claire Gondor / Timotéo Sergoï / Caroline Simon: Die Schienbeine der Stadt. Gedichte aus dem Französischen von Odile Kennel und Jérôme Netgen, 52 Seiten, Preis: 10,- € – erscheint heute als Sonderausgabe und ist ab sofort lieferbar

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Alles-wird-gut-Mann

„Lasters Texte klingen nach Spiel, das fällt den Klappentextern, Laudatoren (…) verlässlich ein, ein Hang ins Surreale, das mich das Büchlein im Regal neben ‚Hund und Mond‘ von Matthew Sweeney stellen ließe, wenn nicht die Kölner parasitenbände ihre Verwandtschaftsrechte durchsetzen“, schreibt Franz Hofner in einer Besprechung für Fixpoetry von Ruth Lasters‘ Lichtmesser. Und weiter: „Das beginnt bei den allerersten Worten des Buchs mit dem Spott über den ‚Alles-Wird-Gut-Mann‘, der täglich aufgezogen werden muss (sonst droht die Arbeitspflicht am Alles-Wird-Besser-Mann) und endet nicht bei der Reihung der vergangenen Liebhaber in der Lang-Badewanne, wo jeder dem Vorgänger den Rücken zu waschen hat.“

Cover Lasters

Ruth Lasters: Lichtmesser

Wörter, Lücken und ihre Kombination, das ist es, woraus die flämische Dichterin Ruth Lasters ihre Texte komponiert. „Als man mir erzählte, dass das Alphabet nur 26 Buchstaben besitze, wurde ich argwöhnisch, weil meine Mutter mir doch jeden Abend die Bücher von Roald Dahl vorlas und die Sätze darin jedes Mal ganz anders klangen“, sagte sie selbst einmal. Der Übersetzer Stefan Wieczorek, der ihre Gedichte für den Band Lichtmesser auswählte und ins Deutsche übertrug, meint: „Ihre Gedichte sind häufig Versuchsanordnungen oder Spielanweisungen für performative Inszenierungen, die erst in der Poesie möglich werden.“ Beispielsweise in dem Gedicht Flosse, in dem Punkte eines Stadtplans gesetzt und verbunden werden. Die Koordinaten persönlicher Begegnungen mit Freunden und Bekannten ergeben etwas, das der Form eines Fisches gleicht. Aus allen Texten sprudelt hier die wunderbare Fähigkeit, mit Stift auf Papier Linien zu ziehen und dadurch poetisch-befremdliche Welten entstehen zu lassen.

Ruth Lasters: Lichtmesser. Gedichte aus dem Niederländischen von Stefan Wieczorek, 52 Seiten, Preis: 10,- € – ist ab sofort lieferbar

Cover Lasters

Ruth Lasters, geb. 1979 in Antwerpen, ist Dichterin, Romanautorin und Essayistin. 2006 debütierte sie mit dem Roman Poolijs, der mit dem Flämischen Debütpreis ausgezeichnet wurde. Der zweite Roman, Feestelijk Zweet, folgte 2010 und Vlaggenbrief, ihr jüngster Roman, wurde 2014 publiziert. Für ihr Lyrik-Debüt Vouwplannen (2007) erhielt sie den Preis der Zeitschrift Het Liegend Konijn. Ihr zweiter Lyrikband, Lichtmeters, erschien 2015 und wurde mit dem Herman De Coninckprijs ausgezeichnet. Mit dem Gedicht Chicorée aus Lichtmeters gewann sie zudem den Turing-Gedichtwettbewerb.

Stefan Wieczorek, geb. 1971 in Koblenz, ist Übersetzer, Literaturwissenschaftler und Essayist. Er lebt in Aachen, im Dreiländereck Niederlande-Belgien-Deutschland.
Sein Engagement gilt insbesondere der Lyrik aus Flandern und den Niederlanden, siehe auch die gemeinsam mit Christoph Wenzel herausgegebene Anthologie Polderpoesie. Junge Lyrik aus Flandern und den Niederlanden (2016) und den Themenband Bojen & Leuchtfeuer (2016) der Literaturzeitschrift die horen.

 

Was wir 2018 vorhaben

Das Jahr 2017 ging für uns mit den beiden Lyrikanthologien aus Griechenland und Dänemark zuende. 2018 starten wir mit einem Relauch unserer paradosis-Reihe, die ja immer für überraschende Textformen offen war, und zwar mit Prosa von Luise Boege (siehe Coverabbildung, Artwork von Mirjam Elburn, erscheint Ende Januar). Neben der Fortsetzung des Kalendariums von Adrian Kasnitz mit dem 4. Teilband, rückt mit Walter Fabian Schmids Debütband auch die Schweiz in unseren Fokus, die bislang unter den deutschsprachigen Ländern fehlte. Überhaupt wird 2018 wieder sehr international. Die erste Jahreshälfte ist südamerikanisch geprägt. Zum einen bringen wir ein Fotobuch mit Straßen-Aufnahmen aus Chile von Manuel Araneda heraus, den wir vor einem Jahr in Santiago kennengelernt haben, gefolgt von Gedichten von Enrique Winter (Chile) und Rafael Cadenas (Venezuela). Neue Gedichtbände aus Belgien, Lettland, Mazedonien und Österreich sind für die späteren Monate des Jahres geplant. Aber auch die hiesige Szene wird natürlich nicht vergessen.

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Adrian Kasnitz: Hôtel Misericordia

Nous sommes très contents de vous annoncer la sortie de notre première plaquette en français: Hôtel Misericordia, onze poèmes d’Adrian Kasnitz, traduits de l’allemand par Tom Nisse. La présentation du livre a eu lieu ce week-end à Bruxelles.

Adrian Kasnitz: Hôtel Misericordia. Poèmes. Traduit de l’allemand par Tom Nisse, 14 pages, prix: 7,- €

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Adrian Kasnitz, né à la mer Baltique, grandi dans les montagnes de Westphalie, vit comme écrivain et éditeur à Cologne où il crée des rencontres littéraires et se préoccupe notamment de photographie, histoire et politique. Il a publié plusieurs recueils de poésie depuis 2006 et deux romans, dont le dernier en 2017, ainsi que des impressions de voyages. Ses textes ont été traduits en plus de dix langues de A comme arabe jusque U comme ukrainien et ont été enregistrés et cinématographiés.

Tom Nisse est né en 1973 au Luxembourg. Il vit à Bruxelles. Participe fréquemment à des lectures et des performances poétiques et organise divers événements culturels. Il collabore avec des artistes de toutes les disciplines et pratique des interventions plastiques intégrant le langage. A publié une quinzaine de receuils et de plaquettes de poésie et de proses courtes. Expositions collectives à Bruxelles et Esch-sur-Alzette, expositions personelles à Bruxelles et Liège.

 

 

 

Über der Kimmung #2

Internationales Lyrikfest ÜBER DER KIMMUNG #2 im Literaturklub

Zum zweiten Mal findet im Literaturklub das Lyrikfest Über der Kimmung statt. Drei Kölner/regionale und drei auswärtige/internationale Dichter*innen treffen aufeinander und lesen einen ganzen Nachmittag lang neue Texte. Der Vers Über der Kimmung stammt aus einem Gedicht von Johannes Bobrowski (1917-1965) und verweist auf den Horizont, ein Kante oder auch eine Lichtspiegelung. In dieses ungewisse, trügerische Gebiet jenseits der Kante möchte wir auf poetische Weise hineinschauen.

Mit Thorsten Krämer (Köln), Anne Nimmesgern (Leipzig), Wolfgang Schiffer (Köln), Anne Seidel (Gießen), Kinga Tóth (Budapest) und Menno Wigman (Amsterdam).

Musik: Aire Flamenko, Moderation: Adrian Kasnitz

Termin: 6. November 2016, 16 Uhr
Ort: Theater die wohngemeinschaft, Richard-Wagner-Str. 39, Köln
Eintritt: 6,- €

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