Schaf und Schädel

„Der Schädel der Münchner Lyrikerin Karin Fellner scheint ein besonders effizientes Umspannwerk zu sein; darin transformiert sie Phänomene aus Alltag und Wissenschaft, Fragmente aus diversen Sprachen zu neuen Kunstgebilden. Und wenn man das alles unverkrampft anschaut, also wirklich einfach übt zu schauen, dann kann man in ihren Gedichten jede Menge Entdeckungen machen – und einfach Spaß daran haben“, schreibt Antje Weber in der Süddeutschen Zeitung über Karin Fellners Gedichtband eins: zum andern. Dem können wir uns nur anschließen!

Cover Fellner eins

Wie Narben

„Schön komponiert, ist jedes Kapitel von einer kleinen Sinneinheit getragen, die die aufeinanderfolgenden Gedichte verbindet; die Erneuerung des Menschen bei Zahnarzt und Friseur, die Narben von Natur und Mensch, oder die Wäsche, die Anzeichen eines nicht erinnerbaren Geschehnisses trägt“, schreibt Elke Engelhardt über Die Handschrift einer Nadel von Arvis Viguls in einer ausführlichen Besprechung bei Fixpoetry. „Viguls Lyrik erscheint wie eine Abfolge einzelner Schnitte, die dennoch einen Film ergeben. Vielfältig. Eindeutig. Wie Narben, die immer als Narben zu erkennen sind, auch wenn unsicher bleibt, von welcher Verletzung sie herrühren.“

cover viguls

Eva Brunner: Achtung, die Naht

Identität ist eine Textur, die immer wieder neu produziert wird, durch Erzählen, Erinnern und Zukunftsentwürfe. Widersprüche, Zweifel und verschiedene Stimmungen lassen das Gebilde rissig werden, auch kann es, je nach Blickwinkel, in ganz unterschiedlichen Farben aufleuchten. Ein stabiler Stoff scheint hilfreich. Doch wie beeinflusst seine Beschaffenheit andere Menschen, die Gesellschaft und Umwelt? Wie bleiben Nähte reißfest, die über den einzelnen Flicken hinausgehen? Welche Verbindungen sollten besser aufgetrennt werden? Diesen Fragen geht Eva Brunner in ihrem Debütband Achtung, die Naht nach.

„Diese Gedichte verwischen ihre Spuren, während sie klare Bilder aufrufen, sodass wir nicht umhinkommen, jeder falschen Fährte bereitwillig zu folgen. Das aufgespannte Sicherheitsnetz, seine zarten Fäden sind zu verlockend. Dennoch haben wir es hier keinesfalls mit Gedichten zu tun, die uns mit wenig zurücklassen“, schreibt Yevgeniy Breyger über die Gedichte.

Eva Brunner: Achtung, die Naht. Gedichte, 62 S., Preis: 10,- € – ist ab sofort lieferbar

Cover Brunner

Eva Brunner, geboren 1980 in Siegen, studierte in Bochum, Berlin und Berkeley. 2015 wurde sie mit einer Arbeit über Confessional Poetry an der Humboldt-Universität promoviert. Sie arbeitet als Redakteurin in einer Berliner Kommunikationsagentur und wohnt in Uppsala/Schweden.