Gedichte aus Myanmar

Im Literaturmagazin Bremen schreibt Artur Becker über seine Übersetzung der Gedichte des Dichters Di Lu Galay aus Myanmar, die er aus dem Englischen ins Deutsche überträgt, ohne das birmanische Original verstehen zu können. „Eine Übersetzung aus einer Übersetzung ist immer eine heikle Sache, da man vieles intuitiv erahnen muss – man darf vor allem keine Angst haben, Fehler zu machen. Aber man muss eine poetische Vorstellung von der Dichtung haben, deren Sprache und Schrift einem zudem komplett fremd sind.“ Der Band Ein Oktopus, aber so viele Handschuhe ist gerade im Druck, erscheint Anfang Juni in Zusammenarbeit mit der Sylt Foundation in Johannesburg und kann nun vorbestellt werden.

„Dis Gedichte kreisen oft um Gewalt und Angst vor dieser, und seit dem Militärputsch im Februar 2021 in Myanmar verstehe ich besser, warum die Gewalt in Dis Lyrik ein immer wiederkehrendes Motiv ist, wie zum Beispiel in dem kurzen Gedicht Rennen, verstecken, schießen und töten – er wuchs ja in einer Militärdiktatur auf. Während der Arbeit an der Übersetzung beschränkte sich unser Kontakt auf kurze, sporadische Nachrichten auf WhatsApp, da Di selten und nur für kurze Dauer das Internet nutzen konnte“. Der ganze Text findet sich hier.

 

Thomas Empl: Ausbruch

Die acht Erzählungen in Thomas Empls Debütband Ausbruch ziehen unvermittelt in ihren Bann und in ihre kleinen Welten, zu den Boxern und Sportlern, zu Leuten auf der Suche, zu Leuten auf der Flucht, die den Ausbruch wagen. Manche scheitern, werden müde, manche haben Glück und kommen frei. In den Texten steckt Energie und Kraft, aber auch viel Reflexion über das Leben und ein Batzen Liebe zu den Personen und Dingen. Uns erwartet die Zartheit eines Faustschlags.

Mit diesem Band und dem Erzählungsband So glücklich war ich noch nie von André Patten, der kommende Woche erscheint, starten wir die neue Reihe PARADIES, die neues Erzählen aus und über Nordrhein-Westfalen präsentiert. Am 3. Juni stellen wir beide Bände beim CityLeaks-Festival in Köln vor.

Thomas Empl: Ausbruch. Erzählungen, 72 Seiten, Preis: 12,- € (Paradies) – ab sofort lieferbar

(Hinweis für Abonennt*innen: die Reihe Paradies ist nur im Prosa-Abo enthalten)

Thomas Empl, 1991 in München geboren, lebt als freier Autor in Köln und arbeitet dort an einem Roman. Er stand auf den Shortlists des Wortmeldungen-Förderpreises sowie des Literaturpreises Prenzlauer Berg.

Hering mit Honig

„Dieses Buch ist wie Schokolade mit Chili, wie Hering mit Honig, eine Mischung widersprüchlicher Komponenten, die sich einzeln herausschmecken lassen – als Pendant für widersprüchliche Gefühle dieses Riesenland Russland betreffend. Etwas Liebe dazu möchte schon da sein, um die ironisch, satirisch, sarkastischen Texte von Alexander Estis zu genießen“, schreibt Irmtraud Gutschke über das Handwörterbuch der russischen Seele von Alexander Estis. Die ganze Besprechung kann jetzt auf literatursalon.online nachgelesen werden.  

Paradies

Die neue Buchreihe PARADIES präsentiert künftig neues Erzählen aus und über Nordrhein-Westfalen. Wir wollen Geschichten lesen, die hier angesiedelt sind, die die Probleme und Wünsche der Menschen vor Ort erzählen. Ein Stück geht es auch darum, hier zu bleiben, das Paradies vor Ort zu suchen, Dinge zu bewegen und Verantwortung für die Nachbarschaft zu übernehmen. Nicht alle Kurzgeschichten, nicht alle Bücher werden das immer so strikt einhalten. Wir möchten die Literatur aus und über NRW sichtbarer machen. Es gibt viele neue Stimmen zu entdecken – befeuert durch die neuen Schreiborte in Köln, durch neue Literaturinitiativen und -netzwerke im ganzen Bundesland.

Die ersten beiden Bücher, die diesen Monat erscheinen werden, sind zwei Debüts. Ausbruch von Thomas Empl (VÖ 12.5.) und So glücklich war ich noch nie von André Patten (VÖ 19.5.) sind beides Erzählungsbände und werden hier bald einzeln vorgestellt. Vorbestellungen nehmen wir jetzt schon entgegen.

An dieser Stelle möchten wir der Kunststiftung NRW danken, die den Start dieser Reihe ermöglicht hat.

Nora Zapf: Dioden, wie es Nacht (vierhändig)

Der neue Gedichtband Dioden, wie es Nacht (vierhändig) der Münchner Dichterin Nora Zapf arbeitet mit dem Sprachmaterial von Schlaf und Nacht. In sechs Kapiteln nähert er sich dem Traum, auch Fiebertraum, wälzt sich zwischen Schlaflosigkeit und Schlaf, zwischen Mürigkeit und Müdigkeit, zwischen Ungeduld und Stillen. Möchte aufwachen, ausbrechen, tut es mit einigen Gedichten, die nach Kuba führen und unter dem Mond von Havanna spazieren gehen, mit anderen Gedichten, die von Rausch handeln, auch englische Varianten zur Seite gestellt bekommen. „Am See: ich geh schlafen wie andre baden. So rissige Sichel / die Wellen dringen in den Traum.“ Zeichnungen von Sophie Schmidt begleiten die Gedichte.

Nora Zapf: Dioden, wie es Nacht (vierhändig). Gedichte, 54 Seiten, Pries: 10,- € – ab sofort lieferbar

Nora Zapf, born in Paderborn. Trinkt am liebsten Spanisch und Portugiesisch. Isst leidenschaftlich gern Sprechen, Wissenschaft, Übersetzung (als Formen deftiger Verkupplung). War am begeistertsten in Buenos Aires, Havanna, Lissabon und Prag, ihre Gewässer. Lebt in München und Innsbruck. Bände: rost und kaffeesatz, parasitenpresse 2018. homogloben, gutleut 2018.

Aus der heimlichen Welthauptstadt der Kurzgeschichte

„Die titelgebende Geschichte erzählt von Günter, einem Philosophen, der vielleicht ein Werk hinterlassen hätte, wenn es einen Namen dazu gäbe, aber nicht einmal die Authentizität des Vornamens Günter ist gesichert, so bleiben in den Bibliotheken nur die Werke und Namen der anderen Philosophen, deren Rekonstruktion sich Günter letztlich Zeit seines philosophischen Lebens gewidmet hat. Von Heraklit bis Sartre verdanken diese Denker letztlich allesamt ihre Existenz dem unermüdlichen Bemühen eines nicht benannten Unbekannten, dem provisorisch der Name Günter zugeordnet wurde und wird. Günter ist letztlich die Bedingung der Möglichkeit Hegels und Heideggers, deren Ruhm vom seinem Nichtruhm, dem des Unbekannten, begründet ist. Zumindest könnte so die Auslegung dieser Ebene der Erzählung lauten“, schreibt Jan Kuhlbrodt über Die Dädalus-Hypothese von Lew Naumow auf piqd.de.

Und weiter: „Aber eine Erzählung ist vor allem auch Sprache. Der Dresdner Fachübersetzer Dirk Bretschneider hat Lew Naumows Erzählungen ins Deutsche gebracht, und man merkt seiner Übersetzung an, dass er in der Tradition der russischen Kurzgeschichte hervorragend bewandert ist. Und was ist das für eine Tradition!! Puschkin, Leskow und so weiter. Tschechow. Man könnte einen nicht endenwollenden Schwanz großer Namen an dem schwarzen Hündchen befestigen. Im 20. Jahrhundert differenziert sich das ganze noch aus. Die heimliche Welthauptstadt der Kurzgeschichte ist meiner Ansicht nach ohnehin St. Petersburg. „

Die Stadt als Liste

Das Halle Alphabet hat am Wochenende Uli Wittstock für MDR Kultur besprochen: „Listen und Aufzählungen gehören seit jeher zur Literatur. Schon Homer zählte in 350 Versen die Liste der griechischen Schiffe und ihrer Besatzungen auf, die sich auf den Weg nach Troja machten. In der modernen Literatur spielen Listen immer wieder eine Rolle. Der Autor Christian Kreis aus Halle hat nun eine alphabetische Liste vorgelegt – ein schmales Bändchen mit dem Titel Halle Alphabet.“ Und weiter: „Denn Listen, zumal alphabetisch geordnet, sind schon eine Herausforderung. Das räumt auch Christian Kreis ein: ‚Ich habe einfach über das geschrieben, was mir eingefallen ist.‘ Er habe sich treiben lassen nach den Anekdoten, die er im Kopf gehabt habe, er sei subjektiv vorgegangen: ‚Woran kann ich mich erinnern? Was bietet die beste Story?‘ – Die ganze Besprechung kann man hier nachhören und -lesen.

Ein Gedicht, dieser Wundergecko

„Gedichte sind mein Leben. Ein Gedicht kann die Welt enthalten, in all seiner Kürze, verdichtet auf das Wesentliche“, sagt Astrid Nischkauer im Interview über den neuen Gedichtband du Wundergecko und die Literarischen Selbstgespräche mit dem Berufsverband Österreichischer SchreibpädagogInnen, das man hier nachlesen kann. Am 24. April ist Astrid Nischkauer (gemeinsam mit Gerald Nigl und Udo Kawasser) zu Gast im Literatursalon des BÖS. Die Lesung wird hier gestreamt.

Steine sammeln, auch Hypothesen

Unter dem Titel Steine sammeln, auch Hypothesen stellen wir am 24. April in Sankt Petersburg im Programm café D des Goethe-Instituts zur Deutschen Woche die beiden Bücher Под камнями von Thomas Podhostnik und Die Dädalus-Hypothese und andere, nicht ganz abwegige Vermutungen von Lew Naumow vor und sprechen über unser russisches Jahr. Die Lesung, an der auch die Übersetzer Alexander Kabisow und Dirk Bretschneider sowie Adrian Kasnitz teilnehmen, wird moderiert von Anastasia Patsey vom Museum für nonkonformistische Kunst. Die Lesung findet in Präsenz im Amphitheater des Kongresszentrums Lenpoligrafmasch (Аптекарский пр., д. 4, корп. 2 / Aptekarski Pr. 4, Gebäude 2) um 17 Uhr Ortszeit (16 Uhr Kölner/Leipziger Zeit) statt. Einige Teilnehmer sind online zugeschaltet.

Dem Live-Stream kann man übrigens hier folgen: