Unterm Marmeladenschimmel

„Wenn man Kathrin Niemelas Debütband liest, hat man den Eindruck, dass die Autorin auf eine ähnliche Art und Weise arbeitet, wie es in Rose Ausländers Gedicht ‚Mutter Sprache‘ thematisiert wird. Ein wahrnehmendes Ich zerfällt und setzt sich in der Sprache wieder zusammen. Was dabei entsteht, ist ‚Menschmosaik‘, ein lyrisches Ich, das sprachlich gebrochen gespiegelt wird“, schreibt Andreas Hutt über wenn ich asche bin, lerne ich kanji im Signaturen-Magazin. Und weiter: „Am deutlichsten scheint dieses poetische Verfahren im ersten Gedichtzyklus des Bandes ‚die süße unterm marmeladenschimmel‘ sichtbar zu sein, der eine Beziehung des lyrischen Ichs von der ersten Verliebtheit über die Alltagsroutine bis zu Trennung begleitet. Dass diese oft dagewesene Thematik nicht in Klischees versinkt, ist der Sprache Niemelas zu verdanken, die mittels Leerstellen, Metaphern (‚wir sitzen unverlinkt‘ – Gedicht 14 oder ‚du fällst aus dem gras/ in die handlung‘ – Gedicht 1), Neologismen (sperrangelnah, lollipoptagen, des überliebens) und Auflösung des Dargestellten in Details die gängigen Stereotype genügend bricht, um dem Sujet Neues hinzuzufügen. Dabei unterliegen Niemelas Gedichte einer permanenten sprachlicher Gegenwärtigkeit.“

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