Bilder und Kippbilder

„Ein Buch über Bilder und ihre Wahrnehmung: Wie lesen wir in Bildern? Was finden, was entdecken, was sehen wir in ihnen? Von John Berger haben wir gelernt, wie und was wir aus unserem Blick auf Bilder erfahren  können. Nischkauers scheinbar kleines, scheinbar beiläufiges Buch zu rezipieren, kann einem weiter die Augen öffnen – mal für das Ganze, mal die Situationen, mal die Details. Immer aber ist es das Figurative, das sich in den Text überträgt, selbst in der Abstraktion wird das Atmosphärische, die Komposition spürbar, fließend zusammengesetzt zu einer Satz-Miniatur“, schreibt Martin Kubaczek in einer ausführlichen Besprechung des Gedichtbandes Satyr mit Thunfisch von Astrid Nischkauer für den Blog der Poesiegalerie. Und weiter: „Die Gedichte erweisen sich als kleine geometrische Figur oder als Gebärde, sind in sich kohärent als stimmiger Ausgang und situativer Reflex. Sie bleiben wach und aufmerksam, überraschen immer wieder in neuer Weise, nichts wiederholt sich, es gibt keine Redundanzen, die Gedichte sind effektiv und ökonomisch gestaltet, „schlenkern“ nicht (wie das in Walter Benjamins kurzem Text „Gut schreiben“ heißt), sondern führen direkt zum Punkt dessen, was sie sagen oder zeigen wollen, sind punktgenauen Ziellandungen: sie dauern bloß ein paar Sekunden vom Absprung bis zur Landung, und öffnen sich mit einem kleinen Ruck, der uns auffängt, schaukelnd und schützend trägt, sicher absetzt und entlässt. Dann schaut man nochmals hinauf an den Beginn, und sieht, wie bewusst hier alles in seine Gestalt gebracht ist.“

Der zweite Band mit Wiener Museumsgedichten, du Wundergecko, ist gerade ebenfalls bei uns erschienen.

Astrid Nischkauer: du Wundergecko

Auf einen Spaziergang durch die Wiener Museen nimmt uns die Dichterin Astrid Nischkauer in ihrem neuen Gedichtband du Wundergecko mit. Ähnlich wie in ihrem letzten Gedichtband Satyr mit Thunfisch beschreibt sie Kunstwerke, die sie als Besucherin oder Museumswärterin betrachtet, kleine Details und die Atmosphäre in den verschiedenen Museen und Räumen. Anders als zuvor bewegt sie sich aber jetzt, in der Zeit von Corona, in den Museen und bleibt beim Lockdown wie viele Museumsbesucher*innen ausgesperrt. Diese eigentümliche Zeit der Museen ohne Besucher:innen beschreibt dieser Band ebenfalls. Immer steht aber die Lust an der Kunst im Vordergrund, bei Mark Rothko, Unica Zürn oder vielen anderen Künstler*innen. Immer lösen Bilder Gedichte aus, die neue Bilder entstehen lassen.

„Die Beschriftung des Gemäldes / befindet sich in Vorbereitung. // Wir bitten um Verständnis.“

Astrid Nischkauer: du Wundergecko. Gedichte, 102 S., Preis: 14,- € – ist ab sofort lieferbar

Astrid Nischkauer, geb. 1989, studierte Germanistik und Komparatistik. In der parasitenpresse erschienen bereits: frisch gepresste Parasiten (2015), Poesie passieren & passieren lassen (2016) und Satyr mit Thunfisch (2018). Übersetzungsbegeistert, zuletzt Arvis Viguls: Die Handschrift einer Nadel (parasitenpresse 2019). Andrea Fontán: Blütenblätter zwischen den Fingern | pétalos entre los dedos und Olalla Castro: Wir Frauen, im Hinterhof eines sehr großen Hauses / Nosotras, en el patio de atrás de una casa muy grande (beide hochroth Heidelberg, 2020). War als Rezensentin auch Redaktionsmitglied von fixpoetry.com und Herausgeberin der Literarischen Selbstgespräche. Lebt zwischen Bücherbergen und in Wien.

Wilde Tiere auf der Lyrikempfehlungsliste

Der Gedichtband Wilde Tiere von Krišjānis Zeļģis, in der Übersetzung von Adrian Kasnitz, steht auf der diesjährigen Lyrikempfehlungsliste der Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung (u.a.). Dort ist auch eine kurze Video-Lesung mit Krišjānis zu finden. Wir freuen uns sehr über diese Empfehlung!

Auf der Liste stehen 10 deutschsprachige und 10 übersetzte Gedichtbände, darunter auch die dänische Anthologie Licht überm Land mit einigen Gedicht-Übernahmen aus unserer Anthologie Hier habt ihr mich (hg. von Ursel Allenstein und Marlene Hastenplug) und einem Titel, an dem die Übersetzerin Gundula Schiffer mitgearbeitet hat. Das freut uns umso mehr!

Wilde Tiere

Das russische Jahr / Русский год

Das russische Jahr / Русский год ist eine Reihe der parasitenpresse, die den deutsch-russischen Literaturaustausch anregen möchte. Neben der Übersetzung Под камнями (Unter Steinen) von Thomas Podhostnik erscheinen Gedichte von Adrian Kasnitz unter dem Titel Счастливые неудачи (Glückliche Niederlagen) auf Russisch. Zeitgleich werden Erzählungen von Lew Naumow unter dem Titel Die Dädalus-Hypothese und andere, nicht ganz abwegige Vermutungen ins Deutsche übersetzt. Bereits erschienen ist das Handwörterbuch der russischen Seele von Alexander Estis. Später im Jahr folgen lose in diesem Zusammenhang Berlin-Manila, das Tagebuch einer Reise mit der transsibirischen Eisenbahn, von Pablo Jofré, So glücklich war ich noch nie, Erzählungen von André Patten, die nach Sibirien und in die Ukraine führen, und der Mikro-Roman Frame von Thomas Podhostnik über das Flugzeugunglück von Überlingen, bei dem eine deutsche Fracht- und eine russische Passagiermaschine kollidierten.

Am 24. April stellen wir Das russische Jahr mit den Büchern von Lew Naumow und Thomas Podhostnik im Goethe-Institut St. Petersburg vor, das die beiden Bücher ermöglicht hat.

Русский год – это серия издательства «Parasitenpresse», нацеленная на расширение русско-немецкого литературного обмена. Наряду с уже выпущенным переводом книги Томаса Подхостника Под камнями в этом году на русском выйдет стихотворный сборник Адриана Касница Счастливые неудачи. В то же время рассказы Льва Наумова будут изданы на немецком под общим названием Die Dädalus-Hypothese und andere, nicht ganz abwegige Vermutungen. В начале года на немецком уже опубликован Толковый словарь русской души Александра Эстиса. Далее последуют дневник путешествия по Транссибирской магистрали Пабло Хофре под названием Berlin-Manila, рассказы Андре Паттен, действие которых разворачивается в Сибири и на Украине, а также микро-роман Frame Томаса Подхостника об авиакатастрофе, во время которой над городом Юберлинген столкнулись немецкий грузовой и русский пассажирские самолеты. 

Foto: (c) Thomas Podhostnik