Die Kletterpflanze unter den Literaturfestivals

Für das Stellwerk Magazin berichtet Lisa James von unserem Europäischen Literaturfestival: „Samstagmittag in Köln-Kalk. Pastellfarbene Papier-Pompons wippen im Wind, die Leute stöbern mit einem Kaffee in der Hand am bunt gemischten Büchertisch unter den Kirschbäumen, aus den Boxen tönt Musik. Auf dem Ottmar-Pohl-Platz ist eine kleine Bühne aufgebaut, rundherum stehen vereinzelt Stühle, Bänke und eine Hängematte. Kinder spielen im Hintergrund auf den Weiten des Platzes, die Sitzplätze füllen sich allmählich mit Studierenden, älteren Frauen und Männern, AnwohnerInnen – Literaturinteressierten.“

Von den Lesungen, den Gesprächen über Literatur und Übersetzung auf dem Ottmar-Pohl-Platz oder der Pflanzstelle, vom Festival als Kletterpflanze und Oktopus erfährt man im ausfühlichen Artikel hier.

Portrait Lidija Dimkovska

Mit Lidija Dimkovska führte Tino Schlench für das Programm Common Ground von Traduki ein Literarisches Frühstücksgespräch. Lidija spricht über ihre Arbeit, über den slowenischen Literaturpreis Cup of Immortality, den sie als erste Nicht-Slowenin erhalten hat, und liest auf Mazedonisch einen Text aus dem Buch Schwarz auf weiß. Nachzusehen ist das Interview auf Literaturpalast.at.

Festival-Bücherpaket ELK 2020

Wer das 2. Europäisches Literaturfestival in Köln-Kalk verpasst hat oder alle Texte noch einmal nachlesen möchte, dem sei das Festival-Bücherpaket empfohlen. Darin enthalten sind Abecedar von Pablo Jofré, was sollen wir mit all der schönheit? von Rasmus Nikolajsen, Wellenlängen deines Liedes von Eleonore Schönmaier, Wilde Tiere von Krišjānis Zeļģis, die Anthologie Was es bedeuten soll mit Texten von Zahava Khalfa, In Frauenkleidung von Zoltán Lesi (erschienen bei mosaik), die neuste Ausgabe der KLiteratur mit Texten von Željana Vukanac, das Kalk Alphabet und der Festival-Reader mit Autorenportraits und Texten aller Autor*innen (inkl. Margarita Athanasiou). Das Paket gibt es zum Preis von 85,- € (Lieferung in D frei haus) und kann nur hier in unserem Buchladen bestellt werden.

Von einer Suada getroffen

„Alles in allem also [eine] genre-sprengende Leseempfehlung“, schreibt Andreas Merkel bei piqd über Ich bin für Frieden, Armut und Polyamorie – welche Partei soll ich wählen? von Andre Rudolph. „Außerdem werden Redewendungen wie ‚dafür sind wir ja da‚ oder ‚oder haben sie ein konzept‚ auf das Philosophischste recycelt. Gern wird man mitten in einer Suada auch mal von einem Gedanken aus dem Hinterhalt getroffen, der eigentlich zu schön ist, um nicht in HipHop-Hits aufzutauchen: ‚pornographie ist die rache des mannes an seiner geburt.‚“

Eleonore Schönmaier: Wellenlängen deines Liedes

Die Gedichte der kanadischen Dichterin Eleonore Schönmaier aus dem Band Wellenlängen deines Liedes sind in der nordkanadischen, post-industriellen Landschaft der borealen Wälder angesiedelt. Sie ziehen eine Spur von dort in die urbane Welt der Exilanten, der Kunst, Musik, Literatur und Wissenschaft und wagen den Sprung über den Atlantik nach Europa. Wie Kettenglieder fügt sich ein Gedicht zum anderen. Das folgende Gedicht ist immer eine Antwort auf das vorherige und ein Weiterschreiten auf einem langen, musikalisch-poetischen Weg. „Das Fließende innerhalb der Gedichte spiegelt sich in ihrer feinsinnigen Anordnung. Die Wirkung gleicht der einer Symphonie mit verwobenen und subtil variierten musikalischen Motiven, und wie bei einer Symphonie entsteht so ein komplexer Zusammenklang.“ (Arc Poetry Magazine)

Die Übersetzung von Wavelenghts of your song ins Deutsche hat Knut Birkholz besorgt. Mit dem umfangreichen Gedichtband veröffentlichen wir als Verlag zum ersten Mal einen Titel aus Nordamerika, aus Kanada, dem Gastland der Frankfurter Buchmesse 2020 bzw. 2021. Eleonore Schönmaier wird am 4.-6. September 2020 beim Europäischen Literaturfestival in Köln und voraussichtlich am 15. Oktober 2020 bei der Buchmesse in Frankfurt lesen.

Eleonore Schönmaier: Wellenlängen deines Liedes. Gedichte aus dem Englischen von Knut Birkholz, 166 Seiten, Preis: 15,- € – ist ab sofort lieferbar

Eleonore Schönmaier, geboren und aufgewachsen in einer abge­legenen Siedlung Nordkanadas, lebt sie heute teils an der kana­dischen Atlantikküste, teils an der niederländischen Nordseeküste. Sie ist die Autorin von drei von der Kritik gefeierten Gedichtsamm­lungen, erschienen bei McGill­Queen’s University Press, wo im Jahr 2021 ihr vierter Band, Field Guide to the Lost Flower of Crete, erscheinen wird. Sie hat namhafte Literaturpreise gewonnen, da­runter den Alfred G. Bailey Prize, den Earle Birney Prize, den National Broadsheet Contest und den Sheldon Currie Fiction Prize. Ihre Gedichte wurden von griechischen, niederländischen, schottischen, amerikani­schen und kanadischen Komponisten vertont. Ihre Lyrik wurde in vielen Anthologien in Kanada und den Vereinigten Staaten und zu­ dem in Best Canadian Poetry veröffentlicht.

Knut Birkholz ist Autor, Übersetzer und Kurator. Er hat in den Be­reichen Ausstellungskuration, Architekturjournalismus und Kunst­kritik gearbeitet, seine nichtliterarischen Texte wurden in Ausstel­lungskatalogen, Architekturzeitschriften und Kunstausstellungen veröffentlicht. Im Jahr 2007 wurde er für den Literaturpreis Open Mike nominiert. Er hat bislang drei Romane geschrieben und litera­rische Arbeiten in Anthologien, Literaturmagazinen und Kunstaus­stellungen publiziert. Seit 2017 initiiert er Erstübersetzungen von Lyrik, Drama und Prosa aus dem Niederländischen und Englischen ins Deutsche. Seit 2018 ist er Kurator des internationalen Atelier­programms IAP Weimar, seit 2019 Kurator der Kunstinitiative Manifold Books Amsterdam. Geboren und aufgewachsen in der DDR, lebt er seit bald zwanzig Jahren in den Niederlanden

Die Viren sollen krepieren

Lydia Haider erfindet ihre ganz eigene Form zwischen Prosa, Lyrik, Wüterich, den Haiderschen Gesang: unversöhnlich, aggressiv, präzise schneidend. Sie benutzt ziemlich scharfkantige, hochgereizte Bilder, ohne Rücksicht auf Gewohnheiten. Obwohl des Öfteren fast das Gewand der Büttenrede durchscheint, eine trunkene Kanzel in Weißglut, alle Verstärker auf full gain, wirken ihre Texte nicht billig, im Gegenteil. Durchdacht, ohne Skrupel gezielt abgefeuert. Weder oberflächlich, noch mit Tiefgang. Ein mutiger Batzen Bellen von Autorin und Verlag. Hart, komisch, echt?“, schreibt Jonis Hartmann in einer Besprechung über Wort des lebendigen Rottens bei Fixpoetry.

Jonas Linnebank (Hg.): Kalk Alphabet

Der Kölner Stadtteil Kalk ist die rechtsrheinische Hauptschlagader der Stadt. Nicht von ungefähr fuhr die erste Kölner Straßenbahn von Deutz nach Kalk. Gut erschlossen von den Linien 1 und 9 ist es heute ein vielfältig bunt gemischter und auch für junge Leute attraktiver Stadtteil. Vom Leben im Veedel erzählen die 26 Texte, die Jonas Linnebank für das Kalk Alphabet gesammelt hat. Von den Straßen und Plätzen, von Köfte und Pizza, von verwunschenen Hinterhöfen, stillen Örtchen und heimlichen Wäldchen, von Kalk als Risikoviertel und Kalk als Nachbarschaft, von dem, was die Humboldt-Opas trieben, was im Wasserturm vor sich geht und wo früher die Landesgrenze war.

Mit Texten von Fritz Bilz, Alexander Estis, Philipp-Bo Franke, Ulla Hiltl, Anna Pia Jordan-Bertinelli, Elizaveta Khan, Adrian Kasnitz, Jonas Linnebank, Mirjam Kay „MK“ Mashkour, Carina Plinke, Ruth Scheuer, Ulrike Serowy, Olga Tchepikova-Treon, Maia Traine und Peter Zillig.

Getreu dem Motto Alles Schlechte dieser Welt kommt aus Nippes, Kalk und Ehrenfeld sind in der Alphabete-Reihe bereits das Ehrenfeld Alphabet und das Nippes Alphabet erschienen.

Jonas Linnebank (Hg.): Kalk Alphabet, 36 Seiten, Preis: 8,- € – ab sofort lieferbar

Jonas Linnebank ist Mitherausgeber und Redakteur der Kölner Literaturzeitschrift KLiteratur. Ehemals Piaaztaxifahrer und Allrounder bei Borussia Kalk III, jetz eher per pedes und ohne Sport rundbäuchig, dafür Rückenschmerzen und Schriftstellerei.

Die immense Wut dieser Sprache

„Beim Bachmannpreis hat die österreichische Autorin Lydia Haider für Verstörung und Ratlosigkeit gesorgt. Die Jury hätte gern genau gewusst: Wer spricht in ihrem Beitrag? Und gegen wen richtet sich die immense Wut dieser Sprache? Dass das immer neu zu verhandeln ist und nie restlos klar wird, gehört zu den Stärken von Haiders Texten, die sich nicht platt als Literatur gegen rechts oder wen auch immer instrumentalisieren lassen“, schreibt Sebastian Fasthuber zu Wort des lebendigen Rottens im aktuellen Falter (30/2020). „Die besten Momente sind nicht die ganz wüsten, sondern die überraschenden. In ‚Gesang XXXVI‘ heißt es, in Anlehnung an Ludwig Hirsch, schön hinterfotzig: ‚Schenk dich doch selber deinem Papst in einem Packerl, / glaub mir, der Kleine wird sich freun.'“

Vorfreude-Bücherpaket

Ihr könnt auch vor Hitze nicht mehr denken und wünscht euch schon den September herbei? Und freut euch bereits auf unser Europäisches Literaturfestival in Köln? Zur Abkühlung liefern wir zwar kein Eis, aber das Vorfreude-Bücherpaket mit den vier bislang erschienenen Büchern zum Festival (Ende August werden es mehr). Es sind Bücher von Pablo Jofré, Rasmus Nikolajsen und Krišjānis Zeļģis sowie die Anthologie Was es bedeuten soll mit Texten von Zahava Khalfa. Zusammen für 48,- €. Dazu legen wir eine parasitäre Tasche. Bestellung im Online-Shop.

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